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:: Sibirien taut auf und erwärmt den Planeten

Die globale Erwärmung könnte weit verheerendere Auswirkungen haben als selbst Pessimisten bisher vermutet haben. Denn: Der Dauerfrostboden Sibiriens taut auf und gibt Methan frei mit katastrophalen Folgen für das Weltklima.
Das berichtet soeben die Deister- und Weserzeitung in einer Reportage von Florian Hassel. Die Durchschnittstemperatur in Sibirien ist in den letzten 40 Jahren bereits um drei Grad gestiegen - global stieg die Temperatur im letzten Jahrhundert "nur" um 0,6 Grad. Russische Wissenschaftler vermuten schon seit einigen Jahren, dass der Dauerfrostboden Sibiriens im Sommer in größeren Flächen auftaut als im Winter wieder gefriert.
 
Eine Expedition der Universität Tomsk unter Leitung des Biologen Sergej Kirpotin zeigt sich über die Geschwindigkeit des Auftauens schockiert. Der Grund: Die bisherige Vermutung wurde Gewissheit.
 
Sein Kollege Sergej Simow erlebt die Erwärmung Sibiriens schon seit 25 Jahren direkt vor seiner Haustür. Der Geophysiker aus dem Nordosten Sibiriens: „Als wir vor 25 Jahren mit Messungen des Dauerfrostbodens begannen, betrug die Durchschnittstemperatur minus sieben Grad. Heute ist sie auf minus drei Grad gestiegen. An vielen Stellen beginnt der Boden aufzutauen.“
 
Sibiriens Böden geben den Klimakiller Methan frei, welcher etwa 30-Mal mehr das Klima aufheizt als Kohlendioxid. Nach Satellitenaufnahmen des US-amerikanischen Nationalen Schnee- und Eisdatenzentrums geht das Eis in Grönland, der Arktis und der Antarktis ständig zurück – mit
Jahrhundert-Rekordschmelzen in den letzten zwei Wintern.
 
Der Biologe Kirpotin hält nach seiner jüngsten Expedition das Auftauen des Permafrostes bereits für unumkehrbar: "Die Erwärmung hat viele Eis- und Schneestellen, die Sonnenlicht früher in den Weltraum zurückgeworfen haben, durch Erde oder Wasser ersetzt, die Wärme viel stärker aufnehmen. Die Prozesse dieser Erwärmung schaukeln sich nun gegenseitig hoch.“
 
Das Tauen der Permafrostböden lässt bereits Straßen aufweichen und Strommasten kippen. Waldbrände weiten sich aus. In den Böden Sibiriens soll etwa ein Viertel der Weltvorräte des Treibhausgases Methan gespeichert sein - etwa 70 Milliarden Tonnen.
 
Friedrich-Wilhelm Gerstengarbe vom Potsdam Institut für Klimafolgenforschung bestätigt die Angaben seiner russischen Kollegen. Die Freisetzung des sibirischen Methans würde den Treibhauseffekt "dramatisch verstärken". Möglicherweise sind alle bisherigen Klimaprognosen falsch, weil zu optimistisch.
Quelle:
Franz Alt 2006
Deister- und Weserzeitung 07.08.2006
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