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08.08.2018

Energiewende: Landschaftswandel gemeinsam gestalten  

Landschaftsästhetik ist bei Ausbau erneuerbarer Energien stärker zu berücksichtigen.

Der Ausbau der erneuerbaren Energien verändert rasch und zunehmend unsere Landschaften. Aspekte der Landschaftsästhetik finden jedoch in den einschlägigen Planungs- und Zulassungsverfahren kaum Beachtung. Dabei ist deren Berücksichtigung nach Auffassung eines Großteils der Bevölkerung sehr wichtig. Das Landschaftsbild sollte deshalb bei der Planung und Zulassung von Windenergie-, Photovoltaik- und Biomasseanlagen sowie von Pumpspeicherkraftwerken künftig eine größere Rolle spielen.

Zugleich sollten die Bürgerinnen und Bürger stärker in Planungs- und Entscheidungsprozesse eingebunden werden. Zu diesem Ergebnis kommt das vom Bundesamt für Naturschutz (BfN) mit Mitteln des Bundesumweltministeriums geförderte Forschungsvorhaben „Landschaftsbild und Energiewende“. Die Ergebnisse sowie darauf basierende praxisorientierte Handlungsempfehlungen sind jetzt in zwei Bänden erschienen.

„Die bisherigen Veränderungen der Landschaft stellen nur den Anfang eines tiefgreifenden Wandels dar, der sich noch verstärken wird, wenn man sich vor Augen führt, dass bis 2050 der weitere Ausbau der erneuerbaren Energien auf einen Anteil von 80 Prozent am Bruttostromverbrauch 2050 stattfinden soll“, sagt BfN-Präsidentin Prof. Dr. Beate Jessel. „Diese Entwicklung erfordert zukunftsorientierte Lösungen, die einerseits dem Schutz der Natur gerecht werden und andererseits Landschaften aktiv gestalten und entwickeln. Die jetzt veröffentlichten Projektergebnisse zeigen dazu eine Vielzahl von Möglichkeiten auf.“

„Landschaftsbild und Landschaftsästhetik werden in der Planung und Zulassung von Anlagen zur Erzeugung erneuerbarer Energien noch nicht ausreichend berücksichtigt. Dabei ist das für die Akzeptanz unerlässlich. Eine der großen Herausforderungen der Energiewende besteht darin, neue gestalterische Qualitäten von Landschaften zu entwickeln“, so Prof. Dr. Catrin Schmidt, Professorin für Landschaftsplanung an der TU Dresden, als Leiterin des Forschungsteams.

Unter dem Titel „Landschaftsbild und Energiewende“ erscheint nun der zweibändige Forschungsbericht, der in Bezug auf Windenergie-, Freiflächenphotovoltaik- und Biogasanlagen sowie Pumpspeicherkraftwerke eine zusammenfassende Analyse der landschaftsästhetischen Wirkungen der genannten Anlagen und deren Berücksichtigung in aktuellen Planungs- und Zulassungsverfahren liefert. Die Ergebnisse wurden im Zeitraum von 2015 bis 2017 unter Federführung der TU Dresden durch ein Forschungskonsortium erarbeitet, dem weiterhin Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Universitäten Kassel und Tübingen sowie Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Planungsbüros HHP angehörten. Band 1 der nun erschienenen Veröffentlichung widmet sich den Grundlagen, Band 2 enthält praxisorientiert aufbereitete Handlungsempfehlungen.

Insgesamt 280 Bürgerinitiativen gegen und für Windenergieanlagen wurden für das Vorhaben untersucht. Die Auswertung zeigt, wie wichtig eine Berücksichtigung landschaftsästhetischer Aspekte in Planungs- und Zulassungsverfahren aus der Sicht von Bürgerinnen und Bürgern ist. Zugleich wurde deutlich, dass Landschaft und landschaftliche Veränderungen individuell sehr verschieden wahrgenommen werden. Das Forschungskonsortium empfiehlt deshalb, die Möglichkeiten der Beteiligung an landschaftsästhetischen Bewertungen auszubauen und zu stärken. 

Anregungen geben untersuchte Fallbeispiele aus anderen europäischen Ländern, in denen der durch den Ausbau erneuerbarer Energien hervorgerufene Landschaftswandel explizit als gemeinschaftlicher Gestaltungsauftrag verstanden wird. Ein Vergleich der Planungs- und Zulassungsverfahren in Deutschland illustriert zudem, dass sich die Möglichkeiten und Rahmenbedingungen für eine Berücksichtigung landschaftsästhetischer Aspekte von Vorhabenstyp zu Vorhabenstyp und von Instrument zu Instrument maßgeblich unterscheiden.

Die Ergebnisse und Handlungsempfehlungen des Vorhabens stehen den Praxisakteuren sowie den Gesetz- und Verordnungsgebern zur Verfügung und bieten eine fachliche und strategische Arbeitsgrundlage, um landschaftsästhetische Aspekte der Energiewende zukünftig stärker zu berücksichtigen. Zudem werden neue Möglichkeiten der Partizipation von Bürgerinnen und Bürgern aufgezeigt, die maßgeblich zum Gelingen einer Planung beitragen können.

Projekttitel: Landschaftsbild und Energiewende

Forschung zur naturschutzfachlichen Begleitung der Energiewende

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Quelle   Bundesamt für Naturschutz | 2018

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