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11.03.2019

Erneuerbare Vollversorgung schon 2030 möglich

Stromwende-Studie vom DIW - Die Erneuerbaren erreichen mit dem geplanten Ausbau bis 2030 nur 55 Prozent im Strommix – das 65-Prozent-Ziel der Bundesregierung wird klar verfehlt, ergibt eine Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung. Das DIW plädiert sogar dafür, 100 Prozent Ökostrom für 2030 anzustreben.

Das deutsche Klimaziel für 2020 ist perdu – und auch das Ziel für 2030 von minus 55 Prozent gegenüber 1990 steht enorm unter Druck. Zwar reicht der von der Kohlekommission empfohlene Kohleausstieg, um die CO2-Emissionen der Energiewirtschaft genügend zu senken, aber bei Verkehr und Gebäuden dümpelt der Klimaschutz vor sich hin.

Dabei hakt es auch im Stromsektor noch mächtig. Der im aktuellen EEG festgelegte Ökostrom-Ausbau bis 2030 wird nur für einen Erneuerbaren-Anteil von 55 Prozent an der Stromerzeugung reichen – damit wird das 65-Prozent-Ziel der großen Koalition deutlich verfehlt. Das stellt ein jetzt veröffentlichtes Gutachten des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) in Berlin fest. Auftraggeber ist die Bundestagsfraktion der Grünen.

Im Einzelnen, listet das DIW auf, ist mit dem EEG ab 2020 ein jährlicher Zubau von 2.500 Megawatt Photovoltaik, 2.900 Megawatt Windkraft an Land und 200 Megawatt Biomasse geplant. Hinzu kommen bei Wind an Land und bei Solarstrom jeweils 4.000 Megawatt durch Sonderausschreibungen. Für Offshore-Wind gilt schließlich für 2030 ein Ausbau-Deckel bei 15.000 Megawatt.

Allerdings sei ab 2020, so die Gutachter, mit "Stilllegungen der ältesten Anlagen" bei den Erneuerbaren zu rechnen, wenn diese aus dem EEG fallen.

Um das 65-Prozent-Ziel zu erreichen, müssen aus Sicht der DIW-Forscher jährlich 4.400 Megawatt Photovoltaik und 4.300 Megawatt Wind an Land hinzukommen. Werde zusätzlich die gesamte Wind-Offshore-Kapazität auf 20.000 bis 35.000 Megawatt gesteigert, könnte der Ökostrom-Anteil bis 2030 sogar auf 85 Prozent und mehr zunehmen, so das Gutachten.

Gaskraftwerke mit synthetischem Gas

Damit würde nicht nur ein "wichtiger Beitrag" für die Klimaziele geleistet, sondern der Stromsektor wäre auch in der Lage, die "abzusehende Zielverfehlung anderer Sektoren zu kompensieren".

In einem schnellen Erneuerbaren-Ausbau sehen die DIW-Forscher nicht nur eine "effiziente Ergänzung" zum Kohleausstieg, sie halten auch eine weitgehende "Vollversorgung" durch Erneuerbare im Stromsektor schon 2030 für möglich.

Bei einer solchen Entwicklung würden die bis 2030 abzuschaltenden Kohlekraftwerke "überwiegend" durch Gaskraftwerke mit synthetischem Gas ersetzt, zu einem geringen Teil auch durch Erdgaskraftwerke oder Geothermie. Eine sichere Stromversorgung wäre zudem durch eine "vertiefte Integration" ins europäische Netz sowie verstärkte Nutzung von Speichern gewährleistet.

Der forcierte Zubau erneuerbarer Energien wirkt sich dabei nach Ansicht des DIW dämpfend auf den Strompreis aus, andererseits lasse ein stärkerer Einsatz von Erdgas diesen aufgrund relativ hoher Rohstoffkosten steigen. Auch werden sich laut der DIW-Studie die CO2-Zertifikate weiter verteuern und auf ein Niveau von 40 bis 60 Euro je Tonne steigen.

Insgesamt sei deswegen für 2030 mit "leicht steigenden" Strompreisen zu rechnen. Dieser Anstieg falle aber umso geringer aus, je höher der Anteil der Erneuerbaren ist.

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Quelle   Der Bericht wurde von der Redaktion „klimareporter.de“ (Jörg Staude) 2019 verfasst - der Artikel darf nicht ohne Genehmigung (post@klimareporter.de) weiterverbreitet werden! 

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