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10.06.2017

REN21: Ein weiteres Rekordjahr für erneuerbare Energien

Mehr erneuerbare Energiekapazität für weniger Geld - Rekord an zusätzlicher Stromkapazität von 161 GW für 23% weniger Investitionen (USD 241,6 Milliarden).

Etwa ein Viertel der weltweiten Stromerzeugung stammte Ende 2016 aus Anlagen, die erneuerbare Energiequellen nutzen. Dies geht aus der kürzlich veröffentlichten 12. Auflage des „Global Status Reports 2017“ des Erneuerbare-Energien-Netzwerk „Renewable Energy Policy Network for the 21st Century“ (REN21) hervor.

In 2016 wurden mit 161 GW zusätzlicher installierter erneuerbarer Stromkapazität ein neuer Rekord gesetzt. Somit stieg die weltweit installierte Stromkapazität gegenüber 2015 um 9% und beträgt nun knapp 2,017 Gigawatt (GW). Rund 47% der Neukapazität entfiel auf Photovoltaik, gefolgt von Windkraft (34%) und Wasserkraft (15,5%).

Erneuerbare Energieträger stellen zunehmend die kostengünstigste Alternative zur Stromerzeugung dar. In Dänemark, Ägypten, Indien, Mexiko, Peru und den Vereinten Arabischen Emiraten wurden kürzlich Verträge für erneuerbaren Strom zum Preis von USD 0,05 pro Kilowattstunde oder weniger abgeschlossen. Dieser Preis liegt weiter unter den äquivalenten Kosten für fossile oder nukleare Erzeugungskapazitäten in den jeweiligen Ländern. Bei zwei kürzlich durchgeführten Ausschreibungen für Offshore-Wind in Deutschland gewannen Unternehmen mit Angeboten basierend auf Stromgroßmarktpreien und ohne Regierungssubvention. Dies zeigt, das erneuerbare Energien die kostengünstigste Option sein können.

Der GSR2017 zeigt weiters auf, dass die Integration hoher Anteile variabler erneuerbarer Energien auch ohne fossile oder nukleare Grundlast gelingen kann. Voraussetzung ist ein ausreichend flexibles Stromsystem. Netzverbindungen, Sektorkopplung und Schlüsseltechnologien, wie bspw. Speichern, Elektrofahrzeuge, Wärmepumpen sowie Informations- und Kommunikationskommunikation, ermöglichen diese Flexibilität. Flexibilität ermöglicht jedoch nicht nur den Ausgleich fluktuierender Stromerzeugung, sondern auch die Optimierung des Systems und eine Reduzierung der Gesamtkosten. Es ist kaum überraschend, dass eine zunehmende Anzahl an Ländern zu Spitzenzeiten Netze mit nahezu oder mehr als 100% erneuerbarem Strom erfolgreich managt. In 2016, glichen Dänemark und Deutschland zum Beispiel erfolgreich Erzeugungsspitzen für erneuerbaren Strom von respektive 140% und 86,3% aus.

Im dritten Jahr infolge blieben globale energiebedingte CO2 Emissionen, verursacht durch fossile Brennstoffe und die Industrie, stabil, trotz eines globalen Wirtschaftswachstums von 3% und zunehmender Energienachfrage. Dies kann primär auf den Rückgang des Anteils an Kohle im Energiemix sowie auf den zunehmenden Ausbau erneuerbarer Energien und die Verbesserung der Energieeffizienz zurückgeführt werden.

Weitere positive Trends

Innovationen und Durchbrüche im Bereich der Speichertechnologien ermöglichen zunehmend eine größere Flexibilisierung des Stromsystems. In 2016 wurden rund 0,8 GW an neuen Speicherkapazitäten in Betrieb genommen. Somit beträgt die Gesamtkapazität am Ende des Jahres rund 6,4 GW.

Der Markt für Mini-Grids und netzferne Systeme entwickelt sich schnell weiter und Pay-As-You-Go (PAYG) Geschäftsmodelle, mit Mobiltelefonkomponenten, explodieren. In 2012 betrugen Investitionen in PAYG Solarfirmen nur USD 3 Millionen. Zwischen 2012 und 2016 stiegen Investitionen auf USD 223 Million (Anstieg ggü. Investitionen i.H.v. USD 158 Millionen in 2015)

Arthouros Zervos, Vorsitzender von REN21, sagte: “Weltweit werden jedes Jahr mehr erneuerbare Stromkapazität installiert als alle fossilen Stromkapazitäten zusammen. Eines der wichtigsten Ergebnisse des diesjährigen GSR ist, dass ganzheitlich, systemische Ansätze der Schlüssel sind. Sie müssen die Regel und nicht die Ausnahme werden. Der Anstieg des Anteils erneuerbarer Energien muss mit Investitionen in Infrastruktur und ein umfangreiches Instrumentarium einhergehen: integrierte und verbundene Übertragungs- und Verteilungsnetze, Maßnahmen zum Ausgleich von Angebot und Nachfrage, Sektorkopplung (bspw. die Integration von Strom- und Transportnetzwerken) und der Einsatz einer breiten Auswahl an Schlüsseltechnologien.“

Allerdings schreitet die Energiewende nicht schnell genug voran, um die Ziele des Weltklimaabkommens von Paris zu erreichen.

Investitionen in erneuerbare Energietechnologien sind gesunken. Obwohl global fast doppelt sowie in erneuerbare als in fossile Strom- und Treibstoffkapazitäten investiert wurde, sanken Investitionen in neue erneuerbare Energieinstallationen um rund 23% ggü. 2015. In Entwicklungs- und Schwellenländern fielen Investitionen um 30%, auf USD 116,6 Milliarden, während Investitionen in Industrieländern um 14%, auf 125 Milliarden. Investitionen konzentrierten sich stark auf die Wind- und Photovoltaikbranche. Um jedoch die globale Erderwärmung unter 2 Grade Celsius zu halten, sollten alle erneuerbare Energietechnologien eingesetzt werden.

Der Transport-, Wärme- und Kältesektor hinken immer noch hinter dem Stromsektor her. Der Einsatz erneuerbare Energien im Wärme- und Kältesektor bleibt eine Herausforderung aufgrund der einzigartigen und dezentralen Natur dieses Markts. Die Dekarbonisierung des Transportsektors basierend auf Erneuerbaren wird noch nicht ernsthaft in Erwägung gezogen bzw. nicht als Priorität gesehen. Trotz des signifikanten Anstiegs der Verkaufszahlen für elektrische Fahrzeuge, primär aufgrund von sinkenden Batteriekosten, besteht weiterhin signifikanter Bedarf beim Ausbau der nötigen Infrastruktur, welche mit erneuerbarem Strom betrieben werden sollte. Die Schiff- und Luftfahrt stellt die größte Herausforderung dar, bisher gelang es nicht, die Entwicklung von Lösungsansätzen voranzutreiben.

Subventionen für fossile Energieträger behindern weiterhin Fortschritte. Globale Subventionen für fossile Energieträger und Atomstrom sind weiterhin höher als jene für erneuerbare Technologien. Ende 2016 hatten sich mehr als 50 Ländern dazu verpflichtet, Subventionen für fossile Energieträger abzubauen. Einige Reformen sind im Gang, allerdings reicht dies nicht aus. In 2014 waren Subventionen für fossile Energieträger viermal so hoch wie jene für erneuerbare Energien. Für jeden Dollar, der für erneuerbare Energien ausgegeben wurde, setzten Regierungen 4 Dollar für die Aufrechterhaltung unserer Abhängigkeit von fossilen Energieträgern ein.

Christine Lins, Exekutivsekretärin von REN21, erklärte: „Die Welt ist in einem Rennen gegen die Zeit. Der Kohleausstieg und die Beschleunigung der Investitionen in Energieeffizienzmaßnahmen und erneuerbare Technologien sind die wichtigsten Maßnahmen für eine schnelle und kosteneffiziente Reduzierung der CO2 Emissionen. China ist ein gutes Beispiel: Das Land kündigte im Januar, dass es mehr als 100 Kohlekraftwerken, die sich derzeit in der Entwicklung befinden, nicht bauen wird. Dies zeigt: Wenn Regierungen handeln und klare, langfristige politische sowie finanzielle Signale und Anreize setzen, kann sich vieles schnell verändern.“

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