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11.05.2019

So viel Ökostrom brauchen wir bis 2030

Eigentlich ist das Ziel der Bundesregierung eindeutig: Bis 2030 müssen 65 Prozent des Stroms aus Erneuerbaren Energien kommen. Nur tut sie dafür nichts, die Energiewende dümpelt vor sich hin. Eine neue Studie zeigt: Das muss sich schnell ändern.

Im politischen Berlin wird derzeit viel diskutiert: Über das Klimaschutzgesetz, das bis Ende des Jahres stehen muss, über einen CO2-Preis und Klimaziele für die Sektoren Strom, Verkehr, Gebäude, Landwirtschaft. Dabei sind die Ziele ziemlich klar, sie sind schon im Klimaschutzplan 2050 im Jahr 2016 festgehalten worden. Grundlage war das Pariser Klimaabkommen.

Eigentlich müsste man über Maßnahmen reden und das schnell. Denn dem Klimaschutz und Deutschland rennt die Zeit davon, es drohen Milliarden-Strafzahlungen von der EU, falls die Bundesregierung nicht endlich liefert.

Es muss schnell mehr Ökostrom her

Umso brisanter sind neue Berechnungen des Bundesverbands Erneuerbare Energien (BEE). Die Ökostrom-Experten haben sich angeschaut, wie die Bundesregierung ihr Ziel von 65 Prozent Ökostrom bis 2030 erreichen kann. Sie kommen zu dem Ergebnis: Es müssen sehr viele neue Wind- und Solaranlagen neu gebaut werden. Konkret ab 2021 jährlich bis 2030:

  • 4.700 Megawatt Windenergie an Land
  • 1.000 Megawatt Windenergie auf dem Meer
  • 10.000 Megawatt Photovoltaik
  • 600 Megawatt Bioenergie
  • 50 Megawatt Wasserkraft
  • 50 Megawatt Geothermie

Das Problem ist nur: Derzeit liegt etwa der Windenergieausbau weit darunter. Im vergangenen Jahr wurden statt 5.700 nur 3.300 Megawatt Windräder an Land und im Meer installiert. Im ersten Quartal 2019 sind die Zahlen dramatisch eingebrochen. Die Bundesregierung verhindert mehr als sie den Bau fördert.

Warum nicht auf jedem Dach eine Solaranlage?

Ähnlich sieht es bei der Solarenergie aus. Obwohl sich die Anzahl der neuen Anlagen im letzten Jahr von einem Tief erholt hat, es wurden fast 3.000 Megawatt neu gebaut, kürzte die Bundesregierung die Förderung. 10.000 Megawatt pro Jahr sind derzeit jenseits aller Vorstellungskraft.

Verzweifelt fragen sich Experten, warum beispielsweise Solaranlagen auf Hausdächern, besonders in Städten, nicht von der Bundesregierung großflächig ermöglicht werden.

Bundesregierung mit der Energiewende überfordert

Die Bundesregierung hadert offensichtlich mit dem weiteren Ökostrom-Ausbau. Sie fürchtet unter anderem den Zorn vieler Bürger, die kein Windrad vor der Haustür sehen wollen. Eine neu gegründete „AG Akzeptanz“ sollte Lösungen finden, droht aber wegen Streitigkeiten zu scheitern.

Der zuständige Wirtschaftsminister Peter Altmaier scheint mit dem Management der Energiewende überfordert, Kanzlerin Angela Merkel schreitet nicht ein.

Stromverbrauch zu niedrig geschätzt?

Die BEE-Studie weist auf ein weiteres Problem hin: Grundlage für die Zahl der neuen Ökostrom-Anlagen sind Berechnungen des Stromverbrauchs im Jahr 2030. Die offiziellen Zahlen sind wohl zu niedrig angesetzt, der BEE schätzt den Bedarf auf 740 Terawattstunden (TWh) im Jahr 2030. Derzeit sind es fast 600 TWh. Entsprechend mehr Ökostrom benötigen wir 2030, der BEE rechnet mit 481 TWh.

Stromverbrauch wird durch Sektorenkopplung steigen

Offizielle Schätzungen aus dem Netzentwicklungsplan gehen dagegen von geringeren Werten aus und beachten nicht, dass solche Berechnungen in der Vergangenheit immer zu niedrig angesetzt waren. Zurecht weist der BEE darauf hin, dass die Effizienzziele stets zu optimistisch waren und man zusätzlich mit Rebound-Effekten rechnen muss. Energiesparen ist wichtig, hat aber in den letzten Jahren nicht zu einem sinkenden Stromverbrauch beigetragen.

Der Ökostrom-Verband rechnet außerdem mit zusätzlichem Stromverbrauch durch mehr Wärmepumpen, E-Autos und Power-to-x-Verfahren. Er beachtet also die Sektorenkopplung, die laut Energieexperten in den nächsten Jahren zunehmen muss, um die Emissionen zu senken. Im Verkehr und im Wärmebereich wird dann verstärkt sauberer Ökostrom statt Öl, Gas und Kohle genutzt werden.

Die Bundesregierung sollte sich die Berechnungen genau ansehen und dann schnell handeln. Sonst sind die Klimaziele kaum zu erreichen.

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Quelle   Der Bericht wurde von der Redaktion “energiezukunft“ (cw) 2019 verfasst – der Artikel darf nicht ohne Genehmigung weiterverbreitet werden! | energiezukunft | Heft 25 / Herbst 2018 | "Baustelle Energiewende - Was jetzt zu tun ist" | Jetzt lesen | Download

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