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07.10.2018

Strompreis kann stabil bleiben – auch bei Kohleausstieg und EE-Zubau

Die Berliner Denkfabrik Agora Energiewende hat eine neue Analyse zur Energiewende veröffentlicht. Dabei wurden die beiden Klima-Hauptziele der Bundesregierung erstmals gemeinsam modelliert und die Auswirkungen auf den Strompreis untersucht.

Fazit: Ein Kohleausstieg um 2/3 und der Ausbau der Erneuerbaren Energien auf 65 % der Stromerzeugung jeweils bis 2030 werden sich nicht negativ auf den Strompreis auswirken.

Grundlage der Ausarbeitung ist die Arbeit der Kohlekommission und die beiden damit verbundenen stärksten Ängste: Zum einen, dass der Strompreis stark ansteigen wird und zum zweiten, dass der Ausstieg aus der Kohle in Deutschland massive Stromimporte zur Folge hätte. Deutschland würde dann vom Stromexporteur zum Stromimporteur werden und sich damit in neue Abhängigkeiten vom Ausland begeben. 

In der Analyse, die Agora an die englische, 2013 gegründete Aurora Energy Research vergeben hatte, wird davon ausgegangen, dass die installierte Kohlekraftleistung um 66 Prozent gegenüber heute, d.h. von 46 GW auf 16 GW bis 2030 reduziert wird. 82 Terawattstunden werden dann jährlich noch in deutschen Kohlekraftwerken erzeugt. Mit diesem Ausstiegsszenario - eine jährliche Abschaltung von ca. 2 GW – wäre der Kohleausstieg dann zum Jahr 2040 vollendet. Das Klimaziel des Stromsektors bis 2030 wäre erfüllt. Zahlreiche weitere Annahmen liegen der Analyse zugrunde, hier soll davon nur genannt werden, dass auch die erhöhte Stromnachfrage durch Sektorenkopplung angesetzt wurde (Steigerung Stromverbrauch in Deutschland von heute 600 auf 619 Terawattstunden im Jahr 2030). 
   
Spannend: Durch den Zubau der Erneuerbaren wird ein Zubau im Gasbereich nur in geringem Maße stattfinden, denn an einigen Stellen muss auch die aus Kohlekraftwerken ausgekoppelte Wärme weiter verfügbar bleiben, dies soll durch den Ersatz in Form von Gas-KWK-Anlagen stattfinden. Die installierte Leistung bei Gaskraftwerken muss von heute 30 GW installierter Gasleistung jedoch nur wenig auf 33 GW erhöht werden. 

Im Ergebnis der Modelrechnung in dem zu Beginn genannten Szenario steigt die PV-Leistung in Deutschland von 43 GW (2017) auf 93 GW (2030), die Windkraft wird im gleichen Zeitraum von von 51 auf 87 GW ausgebaut. Klar ist, dass diese beiden Zuwächse mit der derzeitigen Realität (leider) nichts zu tun haben. Auf die Stromproduktion, z.B. von französischen Kernkraftwerken hat der Kohleausstieg nach diesem Szenario kaum eine Auswirkung, da diese sowieso bereits maximal ausgelastet sind. Aufgrund der niedrigen Grenzkosten der Erneuerbaren Energien bleibt der Stromexport bestehen: In 2030 werden danach noch immer 17 Terawattstunden ins Ausland exportiert, was zwar deutlich weniger als die 60 Terawattstunden aus dem Jahr 2017 sind, aber immer noch einen deutlichen Exportüberschuss bedeutet. 

Auch der Börsenstrompreis profitiert: Zwar schafft der Kohleausstieg eine Steigerung der Stromkosten bis 2030 um rund 4 Euro pro MWh, er wird jedoch durch die Erneuerbaren (- 8 Euro pro MWh) mehr als kompensiert. Auch die Entwicklung der EEG-Umlage wurde modelliert: Wird nicht weiter ausgebaut, sinkt die Umlage bis 2030 auf rund 3,7 Ct/kWh. Ein Zubau gemäß Szenario lässt die EEG-Umlage trotzdem sinken, jedoch nicht so stark, sondern nur auf 4,2 Ct/kWh. Gegenüber heute (6,7 Cent/kWh) ist das trotzdem eine deutliche Absenkung. 

Für den Haushalt und das Kleingewerbe bedeutet das: Börsenstrompreis plus EEG-Umlage sinken bis 2030. Über die anderen Preisbestandteile (Netzentgelte usw.) wurde in der Analyse keine Aussage getroffen. Doch interessanterweise ist dieses Szenario auch für die stromintensive Industrie positiv, profitiert sie im Vergleich zu einem „weiter-so“-Szenario ebenso vom sinkenden Börsenstrom.  

Aus dieser Analyse zeigt sich: Die Kombination aus Kohleausstieg bis 2040 und gleichzeitig ambitioniertem Ausbau der Erneuerbaren Energien in Deutschland ist der Königsweg der Energiewende und schafft Lösungen und keine neuen Probleme. Bleibt zu hoffen, dass die Politik den Mut aufbringt, den Strukturwandel voranzubringen und den Klimaschutz in dieser Weise endlich nach oben auf die Agenda zu setzen. 

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Quelle   Der Bericht wurde von der Deutsche Gesellschaft für Sonnenenergie e.V. (Jörg Sutter) 2018 verfasst – der Artikel darf nicht ohne Genehmigung weiterverbreitet werden! | SONNENENERGIE 03/2018 | Das Inhaltsverzeichnis  zum Download!

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