Die ländervergleichende Studie "Wahrnehmungen des Klimawandels und Energiepräferenzen in Europa (European Perceptions of Climate Change and Energy Preferences, EPCC)" wurde von der Universität Cardiff (Großbritannien; Projektleitung), dem Forschungszentrum ZIRIUS (Zentrum für interdisziplinäre Risiko- und Innovationsforschung) der Universität Stuttgart, dem Institut Symlog (Frankreich) und der Universität Bergen (Norwegen) durchgeführt und ausgewertet. Gefördert wurde die Studie mit Mitteln des Bundesministeriums für Bildung und Forschung im Rahmen der EU-Programminitiative "Connecting Climate Knowledge for Europe" (JPI Climate). Die repräsentative Befragung der jeweils rund 1.000 Bürgerinnen und Bürger in den vier Ländern fand im Juni 2016, unmittelbar vor dem Brexit-Votum, statt und wurde vom Meinungsforschungsinstitut Ipsos MORI durchgeführt.

"Unterstützung für Klimaschutz und Energiewende in Deutschland wie in den anderen einbezogenen Ländern auf breitem Fundament"

Ortwin Renn, Projektleiter zur Studie am Forschungszentrum ZIRIUS der Universität Stuttgart und Wissenschaftlicher Direktor am IASS erklärte anlässlich der Veröffentlichung der Ergebnisse: "Ermutigend ist, dass die große Mehrheit der befragten Europäer davon ausgehen, dass es den Klimawandel gibt und seine Folgen bereits heute konkret zu spüren sind. Die Unterstützung für Klimaschutzmaßnahmen und die Energiewende ruht in Deutschland ebenso wie in den anderen einbezogenen Ländern auf einem breiten Fundament. Allerdings hatten wir nicht erwartet, dass der Anteil derer, die den menschgemachten Klimawandel bezweifeln, in Deutschland so hoch ist. Das ist ein alarmierendes Zeichen. In Zeiten, in denen rechtspopulistische Bewegungen Zulauf erhalten, muss die Wissenschaft ihre Erkenntnisse daher verstärkt vermitteln und nachvollziehbar erklären. Das ist auch eine Voraussetzung für den Erfolg der Energiewende."

Annika Arnold, Projektbearbeiterin am Forschungszentrum ZIRIUS der Universität Stuttgart, sieht in den Daten eine Bestätigung für das positive Image der Erneuerbaren Energien: "Klimafreundliche Energie ist den Bürgerinnen und Bürgern in allen vier Ländern der Studie wichtig. Gleichzeitig wird aber vor allem in Deutschland auch die Atomkraft stark abgelehnt. Nuklearenergie als CO2-neutrale Energieerzeugungsart ist damit, insbesondere in Deutschland, politisch derzeit keine realistische Alternative zu fossilen Energieträgern."

Carel Mohn, Leiter des Portals klimafakten.de, sieht die Klimaforschung in der Pflicht, noch stärker den Austausch mit Bürgerinnen und Bürgern zu suchen. Bei der Einschätzung der Klimaforschung in der Bevölkerung zeige sich eine problematische Kluft: "Nur ein Viertel der Bevölkerung ist zutreffend darüber informiert, dass in der Wissenschaft über die zentralen Fragen des menschgemachten Klimawandels praktisch völliges Einvernehmen besteht – der Rest geht von einem Dissens aus, den es in Wirklichkeit überhaupt nicht gibt."