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28.11.2017

Update zum Energiewende-Navi

Wie lässt sich die Energiewende gemeinsam gestalten? Dieser Frage geht das Projekt ENavi nach. Wissenschaftliche Analysen sollen mit politisch-gesellschaftlichen Anforderungen praxisnah verknüpft werden. In Berlin traf man sich zum Ergebnis-Austausch.

Für Wirkungen und Nebenwirkungen der Energiewende lesen Sie die energiezukunft oder fragen Sie Ihren… ja, wen eigentlich? Die Energiewende ist ein komplexes Querschnittsthema, das viele Bereiche betrifft. Im Kopernikus-Projekt ENavi wollen 60 Institutionen aus verschiedenen Bereichen ein Navigationsinstrument zur Energiewende mit dem Ziel einer optimalen Integration von Energiesystemen – Strom, Wärme, Verkehr – erarbeiten, mit dem die Forscher die Wirkungen und Nebenwirkungen von wirtschaftlichen, politischen, rechtlichen, technischen oder sozialen Maßnahmen im Voraus abschätzen wollen.

Im Oktober 2016 ist das Projekt offiziell gestartet, nun gab es in Berlin ein Treffen nach einem Jahr zum bisherigen Ergebnisaustausch und Planung der weiteren Vorgehensweise. Im Dialog mit Politik, Wirtschaft und Zivilgesellschaft sollen aus den „gemeinsam erarbeiteten Pfaden realistisch umsetzbare Lösungen entstehen“. Das heißt, es soll nicht jeder sein eigenes Wissenschaftssüppchen kochen, sondern ein konstruktiver Austausch stattfinden, die daraus resultierenden Maßnahmen sollen in „Reallaboren“ und Modellregionen erprobt werden – „Mehrwert durch Fokussierung und Kooperation“, so ENavi-Sprecher Ortwin Renn, Wissenschaftlicher Direktor des Instituts für transformative Nachhaltigkeitsforschung in Potsdam (IASS).

Eine Reihe von Fragen werden in den Kopernikus-Projekten anhand von Szenarien durchgespielt und auf Wirtschaftlichkeit, Nachhaltigkeit und gesellschaftliche Akzeptanz hin untersucht, Beispiel: Wie verändert sich das Verbraucherverhalten, wenn bspw. Solarenergie zu einem sehr geringen Preis verfügbar ist? Was passiert, wenn jeder mit einem Elektroauto fährt? Welche intermodalen Verkehrskonzepte kommen bei den Nutzern an und können in der Praxis die CO2-Emission vermindern? Was ist effizienter bei der energetischen Sanierung, eine Optimierung der Gebäudehülle oder der Gebäudetechnik? Wie viel Digitalisierung verträgt ein Gebäudenutzer? Wie können Nutzer zu einem strom- und wärmeenergiesparenden Verhalten motiviert werden?

Strom, Wärme, Verkehr verknüpfen

Strom und Wärmesysteme effizient miteinander zu verknüpfen und zu steuern, darin sehen die Forscher eine große Herausforderung. Heizungssysteme in Neubauten werden etwa immer noch zu 50 Prozent mit fossilen Energieträgern betrieben, etwa 37 Prozent entfallen auf Wärmepumpen, 7,6 Prozent auf Geothermie und nur ganze 4,8 Prozent auf die Solarthermie, der Rest ist Biomasse, berichtete Renn. Damit lassen sich nur schwer die Klimaziele im Gebäudebereich erreichen. Optimierung von Wärmepumpen und Wärmenetzen, ein massiver Ausbau der Solarthermie wie es in anderen europäischen Ländern längst üblich ist, Digitalisierung im Gebäudesektor mit bedarfsgerechter Steuerung – im Projekt sollen verschiedene Ansätze und Möglichkeiten erörtert und im Monitoring erprobt werden. Das gilt für alle Arbeitsbereiche von ENavi, im Verkehrssektor sollen bspw. modale Strukturen analysiert und in den Praxistest überführt werden.

Ein Blick in die bereits erfolgreiche Praxis

„Technische Lösungsansätze gibt es genug“, sagt Prof. Matthias Oechsner, Sprecher des Energy Centers der Technischen Universität Darmstadt, das an der Forschungsinitiative beteiligt ist. „Die Energiewende wird nicht an einem Mangel an technischen Möglichkeiten scheitern.“ Die Herausforderung sei eher, die technische Richtung zu finden, mit der die Klimaziele ebenso erreicht werden wie Umweltverträglichkeit und Versorgungssicherheit. Und dabei auch den gesellschaftlichen, wirtschaftlichen und rechtlichen Anforderungen gerecht zu werden. Welche Wege zur Dekarbonisierung sind bspw. denkbar? Wie können Akteure und Stakeholder konstruktiv integriert werden?

Die 60 Verbundpartner, darunter Forschungseinrichtungen, Universitätsinstitute, NGOs, Wirtschafsunternehmen, Stadtwerke und Gebietskörperschaften wollen nun ein „ robustes Wissen“ erarbeiten – sprich: anwendbar. Bei null müssen sie nicht beginnen. Praxisbeispiele zum Gelingen der Energiewende gibt es bereits viele – im Bereich der Bürgerenergie und der Energiewende in Kommunen und Gemeinden lassen sich erfolgreiche Projekte finden. Sie können den Weg mit weisen.  

 


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Quelle   energiezukunft.eu | na 2017

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