Ad

Anzeige

Zurück zur Übersicht

15.12.2018

Das Jahrzehnt der E-Autos

Technologische Entwicklungen verlaufen meist disruptiv. Wenn diese Disruptionen schon vor über 100 Jahren funktionierten, wie dann erst recht in unserer Zeit der noch viel schnelleren Entwicklungen! Ein Kommentar von Franz Alt

Im Jahr 1900 war auf der Fifth Avenue in New York eine große Fahrzeug-Parade. Zu sehen waren fast ausschließlich Pferde-Fuhrwerke und ein Auto. Genau 13 Jahre später war an derselben Stelle wieder eine Parade. Zu sehen waren fast nur Autos und  ein Pferdefuhrwerk. Eine nahezu komplette Erneuerung innerhalb von 13 Jahren!

Was lernen wir daraus?

Technologische Entwicklungen verlaufen meist disruptiv. Das heißt: Am Anfang langsam, doch nach gewissen Anlaufschwierigkeiten dann ganz schnell. Wenn diese Disruptionen schon vor über 100 Jahren funktionierten, wie dann erst recht in unserer Zeit der noch viel schnelleren Entwicklungen!

Schon vor vier Jahren sagte der Daimler-Chef Zetsche „In den nächsten zehn Jahren werden wir Autobauer mehr Veränderungen erleben als in den letzten 100 Jahren“. Doch welche Konsequenz haben die deutschen Autobauer aus dieser richtigen Erkenntnis gezogen? Außer einigen weiteren vollmundigen Ankündigungen so gut wie keine.

Gut, VW hat soeben beschlossen, 35 Milliarden Euro in die Entwicklung der E-Mobilität zu stecken. Das ist bereits sehr spät, denn Kalifornien, China, Japan, Frankreich, Südkorea sind beim E-Auto schon viel weiter. Soeben hat mir ein Stadtwerksdirektor erzählt, er wollte fünf E-Autos für seine Stadt bestellen. Kein deutscher Autobauer konnte liefern. Ein anderer Chef der Stadtwerke einer deutschen Großstadt wollte 2018 fünf E-Busse in Deutschland für seine Stadt bestellen. Er hatte hierzulande ebenfalls noch keine Chance.

E-Autos oder E-Busse ohne Batterien funktionieren halt nicht. Aber wer baut die erste große Auto-Batterie-Fabrik in Europa? China in Thüringen.

Es kann jedoch sehr wohl sein, dass der disruptive Durchbruch für das E-Auto schon 2019 passiert. Doch darauf sind die deutschen Autoproduzenten überhaupt nicht vorbereitet. Stellen Sie sich doch mal heute an eine vielbefahrene deutsche Verkehrsstraße und halten Ausschau nach einem BMW i3. Sie sehen viel eher einen Renault Zoe oder einen großen Tesla. In Deutschland fahren Ende 2018 trotz einiger großer Ankündigungen noch nicht mal ein Prozent der Neuwagen mit Strom. In Norwegen schon 50%. Doch 2019 kommen immerhin einige deutsche E-Modelle auf den Markt. Der Autoexperte Professor Ferdinand Dudenhöfer sieht 2019 bereits den „Startpunkt für den deutschen E-Automarkt“.

Die disruptiven Veränderungen der Vergangenheit lehren uns, dass im nächsten Jahrzehnt mit Sicherheit der Durchbruch für das E-Auto kommen wird. Die große Frage bleibt: Sind die deutschen Autobauer darauf vorbereitet? Mehrere Gründe sprechen für den kompletten Durchbruch noch vor dem Jahr 2030.

Erstens: Die vor Jahren von der deutschen Bundesregierung angekündigten eine Million E-Autos werden statt 2020 sehr wahrscheinlich 2022 erreicht sein. Gegenüber 2017 hat sich die Zahl der E-Autos hierzulande von 40.000 auf 80.000 im Jahr 2018 immerhin verdoppelt.

Zweitens: Wenn allein diese Entwicklung so weitergeht, dann haben wir Ende 2019 schon 160.000 E-Autos, 2020 sind es 320.000, 2021 werden es 640.000 sein und 2022 dann 1.3 Millionen.

Drittens: Danach wird es kein Halt mehr geben wie in den USA vor über 100 Jahren. Dafür sorgen nach der Prognose von Professor Dudenhöfer das wachsende Kundeninteresse, die ausländische Konkurrenz, Dieselfahrverbote und steuerliche Entlastungen für E-Autos. Das für Durchschnittsverdiener erschwingliche Modell 3 von Tesla kommt schon bald  für 35.000 Euro auf den deutschen Markt.

Viertens: Das noch vorhandene Steckdosenproblem ist für ein Land mit Siemens und Bosch eigentlich lächerlich und leicht lösbar.

Schon bald wird in jedem deutschen Auto-Show-Room ein E-Auto stehen: Der E-Mini von BMW, Der E-Tron von Audi, der EQC von Mercedes, der E-Nira von Nissan, der elektrische Peugeot 208. Ende 2019 bringt VW ein attraktives E-Fahrzeug für unter 30.000 Euro auf den Markt.

Fünftens: Da künftig hohe Wartungskosten und noch mehr Benzinkosten entfallen, ist schon jetzt völlig klar, dass  die Zukunft dem E-Auto gehören wird. Wer seinen Strom mit eigener Solaranlage selbst produziert, zahlt noch ein Viertel gegenüber heute an der Tankstelle. Noch sicherer als das Amen in der Kirche ist die Zukunft des E-Autos.

Zurück zur Übersicht

Quelle   FRANZ ALT 2018

Das könnte sie auch interessieren