Ad

Anzeige

Zurück zur Übersicht

16.02.2017

Die Zukunft gehört den Erneuerbaren

Die Welt hat sich in den letzten Jahren sehr stark verändert. Viele politische Veränderungen in verschiedenen Regionen der Welt standen im Fokus der Berichterstattung. Dabei sind ein paar sehr wichtige Themen etwas in den Hintergrund getreten. Interview mit Franz Alt

Kello Sky: Viele Menschen haben mich in den letzten Jahren bei meiner Tätigkeit für einen Vermögensverwalter gefragt, wie sie persönlich mit Ihrem Vermögen dazu beitragen können, die Welt ein klein wenig besser zu machen. Klassische Banken haben da selten eine zufriedenstellende Antwort. Zumeist wird auf „nachhaltig investierende Fonds“ verwiesen, die nur zu einem kleinen Teil echte Beteiligungen in die oben genannten Themen aufweisen.

Herr Alt, sie selber haben über 4000 Vorträge zu den Themen Energiewandel, Nachhaltigkeit und ethisch fairen Handel gehalten. In 11 Büchern haben sie fundierte Informationen zusammengetragen und in ca. 40 Fernsehsendungen dieses Wissen einem breiten Publikum nahegebracht.

Wenn Sie einen kleinen Blick zurückwerfen, welche Veränderungen halten Sie in den letzten Jahren für besonders wichtig.
Franz Alt: In den letzten Jahrzehnten haben wir auf ökologischem Gebiet einen Bewusstseinswandel vollzogen wie noch nie in der Geschichte der Menschheit. Als ich als junger Fernsehreporter 1968 in der ARD einstieg, war Umwelt noch gar kein Thema, heute ist es einer der wichtigsten Themen der Weltpolitik. Die Bundeskanzlerin und der UNO-Generalsekretär sagen übereinstimmend: „Der Klimawandel ist die Überlebensfrage der Menschheit“: Und Ende 2015 haben beim Klimagipfel in Paris alle 195 Regierungen das Ziel beschlossen, bis etwa 2050 zu 100% auf erneuerbare Energien umzusteigen. Deshalb steht jetzt Donald Trump mit seiner Kohlepolitik fast völlig allein und ziemlich blamiert da. Jeder kann erkennen: Der Mann ist abhängig von der alten Kohlewirtschaft. Also beim nächsten mal: abwählen.

Weltweit haben wir den Anteil des Windstroms seit dem Jahr 2.000 verzehnfacht und den des Solarstroms verhundertfacht. Und diese Entwicklung geht jetzt exponentiell weiter. Wir schaffen das mit der Energiewende – trotz Trump oder vielleicht sogar wegen Trump. Der Mann weckt die Gegenkräfte auf.

Sie waren zuletzt in Fukushima, einem Ort den wir alles seit der Atomkatastrophe kennen. Wie sehen die Menschen dort die Veränderungen der letzten Jahre?
Franz Alt: In Japan muss man differenzieren. Zu meinem Vortrag in Fukushima kamen 500 Bürgermeister aus der ganzen Welt. Die japanische Regierung will weiter Atomkraft, aber im Land  sind inzwischen ähnlich wie in Deutschland 80% der Menschen gegen Atomenergie  und für die solare Energiewende. Die „Japan Times“ schrieb am Tag meines Vortrags: „Vielleicht verliert die Regierungspartei wegen ihrer Atompolitik die nächste Wahl“. Das lässt hoffen.

Willensbekundungen aus der Politik und der Wirtschaft hört man schnell wenn ein Thema weltweit viele Menschen bewegt. Glauben Sie das hier bei den Entscheidungsträgern ein echtes Umdenken eingesetzt hat?
Franz Alt: Auch weltweit sind viele Politiker viel zu abhängig von den Großkonzernen und ihrer alten Energiepolitik mit Kohle, Gas, Öl und Atomenergie. Das sieht man auch in Deutschland: Hier hat der bisherige Wirtschaftsminister Gabriel noch viel zu viel Rücksicht auf die alte Kohlepolitik genommen. Wenn sein Nachfolger dies nicht ändert, braucht er als Kanzlerkandidat gar nicht antreten. So wie Angela Merkel ihre CDU aus der Atomabhängigkeit führte, muss jeder künftige SPD-Spitzenpolitiker auch seine Partei aus der Kohleabhängigkeit führen, falls er sich Chancen bei Wahlen ausrechnen will. Schließlich wollen in Deutschland bei Umfragen 92 % der Menschen den raschen Umstieg auf Sonne, Wind, Wasserkraft, Bioenergie und Erdwärme. Die Energiewende muss von unten organisiert werden. Deshalb sind Bürgermeister, Kommunalpolitiker und Stadtwerke die Träger und Treiber, die Schlüsselfiguren, der Energiewende. Diese Überlegung wird auch wichtig für Ihren Kongress „Ethisch-Fair-ökologisch erneuerbar“. Wir machen das nach dem schönen Motto „Bürger, zur Sonne, zur Freiheit.“

Und gerade bei Finanzdienstleistern wird der zentrale Vorteil der solaren Energiewende das Geschäftsmodell beflügeln: Sonne und Wind schicken keine Rechnung. Dieser ökonomische Vorteil  ist der alles entscheidende Gewinn der ökologischen Energie. Es ist völlig klar, wem die Zukunft gehört. 

2015 wurde weltweit erstmals weit mehr Geld in erneuerbare Energie investiert als in die alten Energieträger: Die genauen Zahlen: 282 Milliarden US-Dollar erneuerbar und noch 238 Milliarden in die alten Energien.

Aus der Deutschen Politik und der Wirtschaft hört man viele Stimmen, die sich das Thema Nachhaltigkeit auf die Fahnen geschrieben haben und erste Erfolge mag man durchaus ausmachen. Aber die Themen Nachhaltigkeit, ethisch-fairer Handel, Ökologie und Energie, lassen sich nicht National lösen. Wie glauben Sie, wird der Einfluss der USA sind mit dem neuen Präsident Trump auswirken?
Franz Alt: Sie haben recht: Die klassischen Ökonomen wie der Star-Ökonom Werner Sinn haben noch nicht begriffen,  dass die Ökologie die intelligentere Ökonomie ist. In ihren kritischen Berechnungen der Energiewende klammern sie die Folgekosten der alten Energieträger einfach aus und kommen deshalb zu völlig falschen Schlüssen. Die Rechnung für die Umweltzerstörung sollen die künftigen Generationen bezahlen. Das ist aber keine  Ökonomie im ursprünglichen Sinn von Haushalten. Das ist reiner Murx und Selbsttäuschung. Und nun zur USA:  Trump schießt sich schon nach einer Woche im Amt jeden Tag ins eigene Knie. Ich halte ein Amtsenthebungsverfahren gegen ihn nicht für ausgeschlossen, weil er fundamental die Interessen des amerikanischen Volkes verletzt. Trump gegen den gesamten Rest der Welt – er wird verlieren. Er ist zwar Ego-Kapitalist, aber er versteht überhaupt nichts von Politik im Sinn des Gemeinwohls.

In breiten Bevölkerungsschichten in Deutschland sind die Umweltthemen mittlerweile angekommen. Oft findet der Einzelne aber keinen direkten Zugang zu diesen Themen. Was können Sie diesen Menschen raten? Wo können sie sich möglichst neutral informieren?
Franz Alt: Sie sollen Ihre Seite lesen und Ihre Kongresse besuchen oder sich auch auf unserer www.sonnenseite.com informieren. Oder sie sollen auf den Internetseiten der Umweltverbände nachschauen: vom BUND über Greenpeace, zu Eurosolar und NABU bis zur offiziellen Regierungsseite des Bundesumweltministeriums. Dann sind sie aufgeklärt. Niemand kann später seinen Kindern sagen, er habe nichts gewusst. Das Wissen für eine bessere und umweltfreundlich Welt ist vorhanden. Gute Aufklärung vor Ort leisten auch die Umweltbüros und die Umweltbeauftragten in Städten und Gemeinden.

Als reiches Land, mit einer doch recht vermögenden Bevölkerung stellt sich für viele Menschen auch die Frage, wie kann ich persönlich mit meinem Vermögen dazu beitragen, die Welt ein klein wenig besser zu machen. Was glauben Sie, welche Möglichkeiten gibt es um diesen Gedanken auch Taten folgen zu lassen?
Franz Alt: Jeder braucht Energie und jeder in Deutschland kann seinen Stromanbieter wechseln und bei einem Ökostrom-Anbieter bestellen oder auch Ökostrom bei seinen Stadtwerken. Jeder kann sich beim Autokauf überlegen, ob nicht auch ein kleineres Auto reicht oder ob ein Elektroauto fällig ist. In Norwegen fährt bereits jeder zweite Neuwagen elektrisch – warum nicht in Deutschland? Oder mehr öffentliche Verkehrsmittel nutzen. Ich muss wegen meiner Vorträge jedes Jahr über 100.000 Kilometer in Mitteleuropa fahren, das geht auch ohne Auto, das ich vor zehn Jahren abgeschafft habe. In der Bahn bin ich um den Faktor 70 sicherer als im Auto und Zeit spare ich auch noch. Ich schreibe für 40 Zeitungen. Das ginge im Auto überhaupt nicht.  Autofahren ist heilbar.

Neben den Möglichkeiten, sich in Projekten oder mit Spenden zu engagieren, suchen auch viele Menschen eine Möglichkeit Ihr Vermögen besser anzulegen. Eine Dame aus Freiburg sagte vor ein paar Monaten zu mir:

„Ich möchte nicht, dass meine Bank, mein Geld in Unternehmen investiert, die Kriegswaffen herstellen oder mit Düngemitteln die Welt verpesten!“ – „Meine Bank hat mir immer nur Fonds angeboten, die einzelne Unternehmen aus diesen Bereichen beinhalten“

Ich denke es geht vielen Menschen bei Ihren Bankgesprächen so. Alternative Anlagemöglichkeiten sind nur wenig bekannt oder haben ein negatives Image durch einige schwarze Schafe. Was halten Sie von Beteiligungen in erneuerbare Energien, wie Solarkraft, Windenergie oder in „grüne Investments“ wie Waldfonds?
Franz Alt: Solche Anlagen sind natürlich viel eher vertretbar als die in alten und kriminellen Machenschaften wie Atom oder Waffengeschäfte. Ich gratuliere Ihnen zur neuen Kundin. Also: ran an den Feind! Nicht jammern, sondern was tun.

Auf unserem Kongress kommen Grüne Banken, Produktgeber von Nachhaltigen Anlageprodukten und Visionäre für eine bessere Welt zu Wort. Was würden Sie diesen Menschen in Bezug auf Ihre Geschäftspolitik für die kommenden Jahre mit auf dem Weg geben?
Franz Alt: Sie sind auf dem richtigen Weg. Ich gratuliere. Viel Erfolg dabei und noch mehr Freude, dass sie auf der richtigen Seite sind. Gerne komme ich und helfe dabei.

Lieber Herr Alt, wie sehen Ihre Visionen für die kommenden Jahre aus? Welche Hoffnungen und welche Ängste beschäftigen sie bei Ihrem Kampf für eine friedliche Welt, die Ihre Ressourcen nachhaltig einsetzt und den Reichtum fair verteilt?
Franz Alt: Ich habe soeben ein Buch zusammen mit Michail Gorbatschow publiziert: „Nie wieder Krieg – Kommt endlich zur Vernunft“.  Wir teilen die gleichen Visionen für eine gerechtere, bessere, friedliche und ökologische Welt: 

  • Abrüstung statt „Modernisierung“ der Atomarsenale wie es Putin und Trump soeben angekündigt haben,
  • eine atomwaffenfreie Welt,
  • rasche solare Energiewende,
  • mehr Gerechtigkeit auf der ganzen Welt über höhere Steuern für Millionäre und Milliardäre sowie Austrocknen der Steueroasen,
  • Kooperation statt Konfrontation

Dieser wunderbare Michail Gorbatschow hat mit seiner mutigen Politik in schwierigen Zeiten bewiesen, dass die Welt erneuerbar ist. Er hat uns vor einem möglichen Atomkrieg bewahrt und damit die Voraussetzungen für den Fall der Mauer und für die deutsche Wiedervereinigung geschaffen. Für mich ist dieser Mann und die Freundschaft mit ihm eine echte Ermutigung und ein wichtiges Vorbild.

Herr Alt, vielen Dank für das Interview. Ich wünsche Ihnen für die Zukunft weiterhin viel Energie und Kraft für Ihren Einsatz eine bessere Welt zu schaffen.

Zurück zur Übersicht

Quelle   Kello Sky 2017

Das könnte sie auch interessieren