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23.08.2018

Droht eine Wasserkrise?

Wasser ist die Grundlage allen Lebens – eine Binsenweisheit. Ohne Wasser keine Menschen, keine Tiere, keine Bäume, keine Pflanzen. Überfluss an Wasser beutet Leben, Wohlstand und Reichtum. Aber Mangel an Wasser bedeutet Tod. Wegen Hitze und Dürre wird im Sommer 2018 in vielen Teilen der Welt das Wasser knapp. Ein Kommentar von Franz Alt

In den französischen Vogesen streiten der Lebensmittelkonzern Nestlé und die heimische Bevölkerung ums Wasser -  in Südspanien Touristen mit Bauern ums kostbare Nass. Weite Teile Zentral- und Südafrikas, Indiens und ganz Südostasiens leiden unter Wasserknappheit. Die UNO geht davon aus, dass etwa eine Milliarde Menschen keinen Zugang zu sauberem Wasser haben, bis 2050 sollen es etwa doppelt so viele sein. Die Klimaerhitzung lässt grüßen.

Dürre-Sommer 2018 in Deutschland

Selbst im noch wasserreichen Deutschland hat der Dürre-Sommer 2018 Spuren hinterlassen. Flüsse trocknen aus, einige Landkreise haben ihren Bewohnern verboten, aus wasserarmen Flüssen noch weiter das kostbare Wasser zu entnehmen. Bewohner am hessischen Vogelsberg werfen der Stadt Frankfurt vor, „den Vogelsberg leer zu saufen“.

Im Städtchen Ulrichstein müssen  Tanklaster die Einwohner mit ausreichend Trinkwasser versorgen. Der wachsenden Weltbevölkerung droht eine Wasserkrise. Es gibt auf unserem Planeten nicht weniger, aber auch nicht mehr Wasser. Aber eine gerechtere Wasserverteilung ist eine der Schlüsselaufgaben des 21. Jahrhunderts.

Weltweit wird 70% allen Wassers in der Landwirtschaft verbraucht

In vielen Regionen Deutschlands wird das Wasser wegen der intensiven Tierhaltung durch Stickstoff aus Gülle und Mist belastet. Nur mit einer deutlich reduzierten Tierhaltung kann die Landwirtschaft hierzulande zum Klimaschutz und Gewässerschutz beitragen. Weltweit wird 70% allen Wassers in der Landwirtschaft verbraucht.

In einer Erdbeere verbergen sich sieben Liter Wasser

Der Anbau von Erdbeeren im wasserarmen Spanien ist sehr wasseraufwendig. Doch das Gros dieser Erdbeeren wird ins noch wasserreiche Deutschland exportiert. Deutsche Konsumenten, die spanische Erdbeeren kaufen, tragen dazu bei, dass sich die Wasserprobleme in Spanien verschärfen. Ob Sie es glauben oder nicht, liebe Leserin, lieber Leser: In einer Erdbeere verbergen sich sieben Liter Wasser. Ohne es zu wollen, graben wir anderen Ländern das Wasser ab.

Durch den Welthandel und die globalisierte Landwirtschaft werden gewaltige Mengen virtuellen Wassers (verborgener Wasserverbrauch) um den Erdball geleitet. Würde dieses Wasser in die umgekehrte Richtung gelenkt, könnte die Not des wasserarmen Spanien gemildert werden.

Essen wir mehr Wasser als wir trinken?

Zum Herstellen eines Glas Wein werden 109 Liter Wasser verbraucht, für eine Tasse Kaffee 130 Liter, für ein Frühstücksei 200 Liter, für einen Liter Milch schon 1020 Liter Wasser, für 100 Gramm Schokolade 1.700 Liter, für ein Kilogramm Hühnerfleisch 4325 Liter, für ein Kilo Mandeln 8047 Liter Wasser und für ein Kilo Rindfleisch 15.500 Liter Wasser. Unser täglich Wasser!  Wir „essen“ also viel mehr Wasser als wir trinken.

So fördert der globalisierte Agrarhandel den weltweiten Kampf ums Wasser. Wir konsumieren das Wasser anderer Kontinente. Importiertes Wasser steckt auch in unserer Kleidung: Für ein Kilogramm geernteter Baumwolle werden ca. 8.000 Liter Wasser verbraucht. Dass nahezu die Hälfte aller Lebensmittel bei uns weggeworfen werden, bedeutet ebenfalls eine gigantische Wasserverschwendung.

Wasser ist das Lebensmittel Nummer eins

Wenn wir unser Wasser, das Lebensmittel Nummer eins, besser schützen wollen, muss die Gülle-Verschmutzung gestoppt werden. Das heißt: Die Milliarden-Subventionen für die großindustrielle Agrarwirtschaft müssen zugunsten einer gewässer- und umweltverträglichen Bewirtschaftung der Flächen umgeschichtet werden. Klimaschutz, Bodenschutz, Tierschutz und Wasserschutz hängen eng zusammen.

Papst Franziskus nennt dieses neue Denken in Zusammenhängen die „Schönheit der Herausforderung“. Sie soll Mut und Lust auf eine nachhaltige Politik und Lust auf die notwendige Wasserwende wecken.

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Quelle   Franz Alt 2018

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