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09.12.2017

Frieden zwischen Palästina und Israel ist möglich

Dass Donald Trump mit dem Feuer spielt, ist nichts Neues. Er droht Nordkorea mit „totaler Vernichtung“ und spielt dabei mit einem Atomkrieg. Er spaltet sein eigenes Land immer tiefer und verprellt seine engsten Verbündeten. Am Gefährlichsten dabei ist, dass dieser Mann absolut unberechenbar bleibt. Ein Kommentar von Franz Alt

Seine Entscheidung, Jerusalem als Hauptstadt Israels anzuerkennen, hat weltweit Sorge und Entsetzen ausgelöst. Diese Entscheidung könnte den ganzen Nahten Osten wieder einmal in Flammen aufgehen lassen. Der US-Präsident nimmt viele Tote und Tausende Flüchtlinge in Kauf, nur um seine Wähler zu befriedigen.

Jerusalem ist mehr als jede andere Stadt der Welt ein fundamentales Symbol aller drei monotheistischer Religionen: des Islam, des Judentums und des Christentums: Eine „Heilige Stadt“. Deshalb fühlen sich jetzt nicht nur die Palästinenser brüskiert, sondern alle Araber und alle Muslime. Für sie ist Trumps Politik eine koloniale Einmischung von außen.

Die US-Vermittlerrolle ist nun endgültig passé. Die USA schwächen sich unter diesem Präsidenten ständig selbst. Und er zerstört die Friedensbemühungen von Jahrzehnten brutal. Die USA können jetzt nie mehr vermitteln, sie schüren den Konflikt.

Auch frühere US-Präsidenten haben bei ihren Bemühungen um Frieden im israelisch-palästinensischen Konflikt nie die wichtige Rolle der Religionen in dieser Region verstanden. Das war ein Kardinalfehler.

Ist Frieden zwischen Palästina und Israel dennoch möglich?

Seit 100 Jahren leisten die Religionen im Nahen Osten eher Beiträge zum Krieg als zum Frieden. Jede hat Angst vor der Übermacht der Anderen. Doch die Geschichte lehrt, dass Angst und Misstrauen nicht durch Krieg und Gewalt zu überwinden sind. Welchen Beitrag können Religionen zum Frieden im Nahen Osten ganz konkret und praktisch gerade jetzt leisten?

Die zentrale Tugend der drei abrahamischen Religionen ist in gleicher Weise die Barmherzigkeit. Hier steckt ein riesiges, noch unerschlossenes Friedenspotential.

Die gemeinsame Basis von Judentum, Christentum und Islam heißt: verstehen statt verurteilen, versöhnen statt vernichten, lieben statt hassen. Empathie ist der Weg zum Frieden.

Gottfried Hutter, Psychotherapeut, Theologe, Nahostkenner mit Jahrzehnte langen Kontakten zu wichtigen Persönlichkeiten aus Politik und allen drei Religionen im Nahen Osten macht in seinem jüngsten  Buch „Nach 100 Jahren Nahostkonflikt eine ehrenhafte Lösung“ einen neuen, überraschenden, zunächst utopisch scheinenden, aber doch realisierbaren Friedensvorschlag: Die umstrittenen israelischen Siedlungen im Westjordanland als Friedenschance!

Utopisch, unrealistisch, verrückt? Sicher noch eine Vision.

Auch die deutsch-französische Freundschaft schien lange reine Utopie. Heute ist sie Realität. Auch eine EU schien noch 1945 unmöglich, aber heute gibt es sie. Und zwar erfolgreich. Denn noch nie hat ein EU-Staat gegen einen anderen einen Krieg geführt.

Also warum sollen Israel und Palästina nicht friedlich nebeneinander koexistieren? Israel mit seiner palästinensischen Minderheit neben Palästina mit einer jüdischen Minderheit der heutigen Siedler?

Gerade die so umstrittene jüdische Minderheit der Siedler im Westjordanland bietet jetzt eine realistische Chance, das gesamte Westjordanland einschließlich der jüdischen Siedlungen und Gaza zu einem neuen palästinensischen Staat zu verwandeln. Das wäre endlich ein politisches Gleichgewicht zwischen Israel und Palästina mit der Chance auf Wohlstand für alle.

 Wie lief es denn in Europa nach 1945? Die wirtschaftliche Kooperation war die Basis für Wohlstand und politischer Zusammenarbeit. Das war der Ansporn. Also könnten auch Palästina und Israel und ihre jeweiligen Minderheiten ökonomisch zusammenarbeiten und andere arabische Länder zu einer Nahost-Gemeinschaft, einer Nahost-Union,  einladen – mit dem Ziel Frieden und Wohlstand zu schaffen. Dabei könnte nach dem Vorbild der EU und in Kooperation mit der EU  ein neues Wirtschaftswunder entstehen.

Am Anfang müssten natürlich vertrauensbildende Schritte stehen ähnlich wie beim Überwinden des Kalten Krieges vor einigen Jahrzehnten in Europa. Das Ziel muss Aussöhnung und Frieden sein, eine Zeit lang von UN-Blauhelmen überwacht.

Dabei könnten die drei abrahamischen Religionen eine zentrale Rolle spielen. Alle drei Religionen basieren doch auf den Werten Liebe, Frieden und Barmherzigkeit. Eine starke politische Persönlichkeit müsste diese Vision, nach der sich Millionen Menschen aller Religionen im gesamten Nahen Osten sehnen, nachhaltig, glaubwürdig und öffentlichkeitswirksam vertreten.

Vielleicht eine Frau wie Angela Merkel, die heute – anders als noch im Jahr 2003 vor dem Irak-Krieg des George W. Bush -  vom Frieden her denkt und nicht vom Krieg her. Oder ein Mann wie Michail Gorbatschow, der vor über 30 Jahren den Mut zum ersten Abrüstungsschritt hatte und heute in einem Buch „Nie wieder Krieg – Kommt endlich zur Vernunft“ für eine atomwaffenfreie Welt wirbt.   

Auch kluge Politiker und religiöse Führer in Saudiarabien und Iran hoffen auf diese Vision – wie Gottfried Hutter aufzeigt. So könnte ein wachsender Nahostfrieden der Schlüssel für einen Weltfrieden werden. Die bisherige Nahostpolitik war und ist zu visionslos. Vor allem die Bedeutung der Religionen in dieser Region für den Frieden wurde von den USA in allen Verhandlungen übersehen.

Die Geschichte nach 1945 lehrt aber, dass selbst der Punkt des tiefsten Konflikts der Beginn zur Versöhnung in einer neuen Zeit sein kann. Frieden ist immer und grundsätzlich möglich. Das Gegenteil zu behaupten, ist Ideologie und menschenfeindlich.

Ja, auch zwischen Israel und Palästina ist Frieden möglich. Ein erster Schritt wäre eine Rede des israelischen Ministerpräsidenten vor der UNO-Vollversammlung, bei der er die Palästinenser um Verzeihung bittet für die Besetzung Palästinas nach dem zweiten Weltkrieg, aber bei ihnen zugleich um Verständnis dafür wirbt, dass die Juden nach 2.000 Jahren Verfolgung wieder in einem eigenen Staat leben wollten.

Israels Regierungschef  könnte dabei den vernünftigen Vorschlag machen: Das Land reicht für uns beide.

Auch diese Vorstellung ist heute noch eine Utopie. Ja sicher, aber genau so fing in den sechziger Jahren die deutsch-polnische Versöhnung an als deutsche und polnische Bischöfe sich trafen und öffentlich machten: Wir vergeben und wir bitten um Vergebung. Vergeben und um Vergebung bitten: Das war der Anfang. Und ein solcher Anfang ist auch im Nahen Osten heute möglich.

Wirkliche Religion ermöglicht immer den ersten Schritt auf den Gegner zu. Das meint Jesus mit Feindesliebe. Ein  sehr pragmatischer Vorschlag. Und wahrscheinlich kein Frieden von heute auf morgen. Aber ein schlechter Frieden ist besser als jeder Krieg.

Siehe Kolumbien. Auch dort schien Frieden über 50 Jahren unmöglich. Heute aber ist er möglich geworden. Auch durch Mithilfe des Vatikan.  Auch Papst Franziskus wäre ein guter Vermittler – sicher ein besserer als Donald Trump.

Der israelische Friedensaktivist Uri Avnery schuf eine Weltsensation als er mitten im Libanonkrieg die Front überquerte und sich als erster Israeli mit Jassir Arafat traf. Sie wurden Freunde. Über  Avnerys Internetseite steht das Motto: „Der Frieden zwischen Israel und Palästina ist möglich“

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Quelle   Franz Alt 2017

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