Ad

Anzeige

Zurück zur Übersicht

15.04.2017

Gorbatschows aktuelle Osterbotschaft

Gibt es an diesem Osterfest noch Hoffnung auf Frieden? Ein Kommentar von Franz Alt

Ostern 2017: Kriegsdrohungen um Korea, die „Mutter aller Bomben“ auf Afghanistan, Giftgas-Tote in Syrien und „Rache“ aus den USA, Amerika und Russland rüsten noch mehr auf, Nato-Soldaten rücken immer näher an Russland ran, Russland führt einen Krieg in der Ost-Ukraine und unterstützt den Massenmörder Assad in Syrien. Michail Gorbatschow warnt vor einem neuen heißen Krieg, ja sogar vor einem Atomkrieg.

Gibt es an diesem Osterfest noch Hoffnung auf Frieden?

Bei Umfragen befürchten zwei Drittel der Deutschen, dass der Konflikt zwischen Moskau und Washington weiter eskalieren könnte. Und wer steckt genau dazwischen? Wir Deutschen.

In den 80-iger Jahren des letzten Jahrhunderts – wir erinnern uns – stand die Welt ähnlich wie jetzt am Abgrund, sogar am atomaren Abgrund. Aber Michail Gorbatschow hatte als damaliger Chef der Sowjetunion als erster den Mut zum ersten Schritt der atomaren Abrüstung. Nur so konnte die Kriegsgefahr beseitigt und die Chance der deutschen Wiedervereinigung genutzt werden.

Das scheinbar Unmögliche wurde möglich, weil Gorbatschow und US-Präsident Ronald Reagan Vertrauen zu einander fanden und dann gemeinsam 80% aller Atombomben-Arsenale verschrotteten. Warum soll jetzt nicht möglich sein, was damals gelang, fragt Gorbatschow in einem Buch, das wir gemeinsam veröffentlichten, das sofort Spiegel-Bestseller wurde und in allen Weltsprachen übersetzt wurde.

Gorbatschow weist darauf hin, dass seine Abrüstungs- und Friedenspolitik nur möglich wurde, weil die meisten Menschen in Europa das so wollten und weil eine aktive Friedensbewegung in Ost und West hinter ihm stand. Nur deshalb konnte er sich gegenüber seinen Hardlinern in der alten Sowjetunion durchsetzen.

Auch an diesem Osterfest 2017 gehen wieder Zehntausende Anhänger der Friedensbewegung auf die Straßen, um für Frieden und Abrüstung zu demonstrieren. Zwar ist im Augenblick weit und breit kein Gorbatschow zu sehen, weder im Osten noch im Westen, aber Gorbatschows damalige Politik zeigt, dass auch in schwierigen Zeiten eine Politik der Vernunft und eine Politik des Friedens möglich ist.

Daran erinnert am heutigen Karsamstag der jetzt 86-jährige Gorbi in einem großen Interview in der Bild-Zeitung, das Bezug nimmt auf unser gemeinsames Buch. Der alte Mann mit körperlichen Gebrechen,  aber großer geistig-seelischer Fitness und politischer Präsenz, bleibt seinen Idealen treu und kämpft weiter unerschütterlich für Frieden und Abrüstung, für Glasnost und Perestroika, für Gerechtigkeit und Demokratie. Tun wir es auch.

Ein Atomkrieg, warnt Gorbatschow, wäre der letzte „Krieg in der Menschheitsgeschichte, weil es danach niemand mehr gäbe, der noch einen Krieg führen könnte“.  Er sagt in seinem „Appell an die Welt“: Wir müssen endlich lernen, dass wir EINE Menschheit auf EINEM Planeten sind.

Auch in der Politik ist Auferstehung möglich. Auch in der Politik kann das Unmögliche möglich werden, wenn wir es wirklich, wirklich wollen, daran arbeiten und dafür kämpfen. Dafür ist Michail Gorbatschow der lebende Beweis.

Zurück zur Übersicht

Quelle   FRANZ ALT 2017

Das könnte sie auch interessieren