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18.11.2017

Lernen von China?

China hat einen radikalen „Schlachtplan gegen die Klimaverschmutzung“ verabschiedet – wie die FAZ und die TAZ übereinstimmend berichten. Ein Kommentar von Franz Alt

Erst war das Reich der Mitte der größte Klimasünder, jetzt aber entwickelt sich das kommunistische Land zum Vorbild – mit drastischen Maßnahmen, zu denen eine Jamaika-Koalition niemals den Mut hätte. Hunderttausende Arbeiter werden für vier Monate in den Zwangsurlaub geschickt, damit sich die Smogsituation verbessert. Fahrverbote? Diese sind in China schon längst Realität.

In vier Provinzen hat China den ehrgeizigsten und strengsten Maßnahmen-Katalog verkündet: In Hubei, Shenxi, Henan und Shangdong sowie in weiteren 28 Großstädten, zu denen auch Peking mit seinen 22 Millionen Einwohnern gehört. Damit sollen hohe Smogwerte wie in den Vorjahren vermieden werden.

Die Werte lagen in Peking und Shanghai bis zum dreißigfachen über den Grenzwerten, was zu 1.6 Millionen frühzeitigen Toten geführt hat wie die kommunistische  Partei jetzt zur Rechtfertigung der Zwangsmaßnahmen bekannt gab. Staats- und Parteichef Xi: „Wir müssen die strengsten Umweltschutzmaßnahmen durchsetzen“.

Gegen den Smog und seine verheerenden Folgen gab es in den vergangenen Jahren tausende Volksaufstände. Die Partei ist zum Handeln gezwungen. Aufstände sollen in diesem Winter möglichst vermieden werden. Ob das klappt, ist fraglich.

Fabriken und Kraftwerke produzieren zwischen November und April durch die bisher hohe Kohleverbrennung starke gesundheitliche Belastungen für hunderte Millionen Menschen. 70% des Stroms werden in China noch immer durch Kohle produziert. Jetzt hat die Regierung auch einen Bau-Stopp für Kohlekraftwerke beschlossen und mehrere hundert besonders alte Kohlekraftwerke still gelegt.

Außerdem wurden 44.000 kleinere Hochöfen geschlossen. In der Kohle-Hauptstadt Taiyan – nahe Peking – ist der Verkauf und der Transport von Kohle komplett verboten worden. In Peking darf auch auf dem letzten Hinterhof keine Kohle mehr verbrannt werden.

7.000 Umwelt-Polizisten überwachen die neuen Vorschriften. Verstöße werden hart bestraft. Im ganzen Land wurden 176.000 Unternehmen, die noch Kohle verbrannt haben, über den Winter geschlossen. 

Greenpeace China hat vorgeschlagen, die in Zwangsarbeit geschickten Arbeiter in energieintensive Umrüstung von Gebäuden einzusetzen.

Viele große Baustellen, die als Verursacher der Staubverschmutzung gelten, wurden ebenfalls dicht gemacht.

China nimmt die Umweltbelastung durch Kohle weit ernster als die deutsche Bundesregierung. Kann uns nur noch eine Öko-Diktatur retten? Vielleicht werden die Berliner Jamaika-Unterhändler mal einen Blick nach China. Zumindest ist China das neue Klima-Musterland.

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Quelle   Franz Alt 2017

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