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03.11.2017

Merkel handelt wie Trump redet

Wir vergiften Äcker, wir heizen das Weltklima auf, wir verschleudern in Jahrzehnten Bodenschätze, welche die Natur in Jahrmillionen angesammelt hat, wir essen zu viel Fleisch und wir vergiften das Trinkwasser.  Ein Kommentar von Franz Alt

Hauptursachen dieser weltweiten Dauerkatastrophe sind das Verbrennen von Kohle und Braunkohle sowie Benzin- und Diesel-Autos. Obwohl das alle wissen, können sich auch in Deutschland die Grünen bei den Jamaika-Verhandlungen mit ihrer Forderung eines Kohleausstiegs und eines Endes des Verbrennungsmotors bis 2030 bis jetzt nicht durchsetzen.

Schöner Zufall: Angela Merkel wird beim Weltklimagipfel in Bonn in der nächsten Woche wieder eine schöne Rede halten. Aber sie muss sich vorwerfen lassen, dass sie zuhause ihre Klima-Hausaufgaben nicht gemacht hat und die Grünen ausbremst – bei deren Kohleausstiegs-Plänen und beim Verbrennungsmotor. Nur 60 Kilometer vom Verhandlungsort Bonn entfernt wird im Braunkohlegebiet Garzweiler auf Teufel komm raus weiter Braunkohle abgebaut. Hauptbegründung: Arbeitsplätze.

Dabei arbeiten beim Braunkohleabbau nur noch 20.000 Kumpels – bei den erneuerbaren Energien sind bis heute bereits 340.000 neue und zukunftsträchtige Jobs entstanden. Wem also gehört die Zukunft? Wo sind die Jobs von morgen?

Wie lange wollen wir in Deutschland diesen Klima- und Sozialskandal noch hinnehmen? Deutschland ist Weltmeister beim Verbrennen von Braunkohle, dem Klimakiller Nummer eins. Aber Merkel handelt wie Trump redet: Für die Kohle! Sie tut das Gegenteil dessen, was sie sagt. Doch der Wahrheitsgehalt einer Rede liegt immer im konkreten Tun.

Italien, England, die Niederlande, Finnland, Schweden haben allesamt den Kohlausstieg beschlossen und dafür konkrete Jahreszahlen genannt. Warum nicht auch Deutschland, Frau Bundeskanzlerin?

Die Kanzlerin hat den Kohleausstieg mehrmals angedeutet, aber sie wurde nie konkret. Sie ging vor der Kohle-Lobby ihrer nordrhein-westfälischen CDU und vor der Kohlepolitik ihres bisherigen Koalitionspartners SPD stets in die Knie.

Länder wie Frankreich, England oder Norwegen haben auch konkrete Jahreszahlen für das Ende des Verbrennungsmotors beschlossen. Dagegen freilich wehrt sich die Kanzlerin noch mehr als beim Kohleausstieg.

Im Gegenteil: Soeben hat sie ihren Vertrauten Mattias Wissmann wieder in Brüssel gegen strengere Abgaswerte bei Benzin- und Dieselautos lobbyieren lassen. Auf EU-Ebene gehört die Bundesregierung zu den Bremsern anstatt zu den Antreibern beim Thema Klimaschutz.

Unsere Autos werden immer größer und schwerer, wir fördern weiter Braunkohle, wir exportieren Tierprodukte nach China und importieren Palmöl aus Indonesien und Malaysia, wo dafür die Regenwälder vernichtet werden. Solange diese Politik so bleibt wie sie ist, sollte die „Klimakanzlerin“ besser schweigen zum Thema Klimaschutz.

Jeder vernünftige Leser dieser Zeilen muss bei den Jamaika-Verhandlungen den Grünen die Daumen drücken und ihnen Erfolg wünschen.

In der letzten Legislaturperiode hat Barbara Hendricks als Umweltministerin wenigstens versucht, ein wenig Klimapolitik zu machen, aber die Kanzlerin ließ sie im Regen stehen. Ob sich das bei einer Jamaika-Koalition ändert? Zwischen Deutschland und der Insel Jamaika liegen immerhin 8.290 Kilometer.

1997 hat Angela Merkel als damalige deutsche Umweltministerin noch geholfen, das Kyoto-Protokoll durchzusetzen. Der Weltklimagipfel in Paris brachte auch mit Merkels Hilfe theoretisch das fortschrittlichste Ergebnis aller Klimakonferenzen zustande. Aber mit der Wirklichkeit des deutschen Klimaschutzes steht es grottenschlecht. Theoretisch sind die deutschen Ziele, bis 2020  40% der CO2-Emissionen und bis 2050 sogar bis zu 95% zu reduzieren, ambitioniert und beachtlich. Doch die Praxis sieht leider ganz anders aus. Es gilt das Jesus-Wort: An ihren Früchten sollt ihr sie erkennen, nicht an ihren frommen Sprüchen.

Die UNO hat soeben errechnen lassen, dass sich 2016 die CO2-Konzentration so sehr erhöht hat wie noch nie im Laufe der Menschheitsgeschichte. Der eigentliche Ausrichter dieser Klimakonferenz ist der Inselstaat Fidschi. Weil in diesem kleinen Land aber nicht die notwendige Infrastruktur für eine UNO-Konferenz mit 25.000 Teilnehmern vorhanden ist, wird diese Konferenz am Sitz des UNO-Klimasekretariats ausgetragen und das ist Bonn. Fidschi selbst ist durch den Anstieg des Meeresspiegels, verursacht von der Klimaerhitzung, bereits vom Untergang bedroht. Aber Jamaika ist auch von den Fidschi-Inseln weit entfernt.

Was wollen wir unseren Enkeln sagen, wenn sie uns eines Tages fragen, was der Untergang der Fidschi-Inseln mit unserem Energie- und Mobilitätsverhalten zu tun hat?

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Quelle   Franz Alt 2017

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