Ad

Anzeige

Zurück zur Übersicht

01.03.2017

Sind Autofahrer Mörder?

Nach 1945 haben Autofahrer weltweit mehr als 100 Millionen Menschen getötet. Das sind doppelt so viele wie im Zweiten Weltkrieg ermordet wurden. Sind Autofahrer Mörder? Ein Kommentar von Franz Alt

Die Geschäftsführerin der Weltgesundheitsorganisation (WHO), Margret Chan, dazu: „Der Tribut, den tödliche Unfälle fordern, ist unakzeptabel hoch“.

In Deutschland gilt noch immer der Slogan des ADAC „Freie Fahrt für freie Bürger“. Tempolimits sind für viele Autofahrer noch immer ein Tabu. Der Preis dieser Freiheit sind etwa 700.00 Verkehrstote nach dem Zweiten Weltkrieg und mehr als 20 Millionen Verletzte allein hierzulande. Eine Dimension von „Freiheit“ ähnlich der „Freiheit“ des Waffenbesitzes in den USA. Dort werden pro Jahr etwa 30.000 Menschen erschossen. Diesen Vergleich stellte soeben die TAZ an.

Wegen eines der Verkehrstoten in Deutschland wurden soeben in Berlin in einem aufsehenerregenden Prozess zwei Männer zu lebenslanger Haft ohne Bewährung verurteilt. Als Mörder. Sie waren bei einem illegalen Autorennen mit 160 Kilometern in der Stunde über den Kurfürstendamm in Berlin gerast und hatten dabei einen Unbeteiligten getötet.

Das Auto wurde höchstrichterlich als das benannt, was es war: Eine tödliche Waffe.

Bisher wurde das Auto als des „Deutschen liebstes Kind“ verniedlicht. Hinter dieser Propaganda-Floskel stand der ADAC und die geballte deutsche Automobil-Wirtschaft mit einer starken Lobby sowie ihre Helfer in Parlamenten und Regierungen. 700.000 Tote und über 20 Millionen Verletzte wurden dabei als Kollateralschäden in Kauf genommen. Dem Götzen Auto wurde ein hoher Blutzoll dargebracht – ähnlich wie früher Göttern Todesopfer dargebracht wurden.

Am 23. Mai 1949 wurde das Deutsche Grundgesetz verabschiedet und die Todesstrafe abgeschafft. Aber auf unseren Straßen haben wir sie seither in riesigem Umfang erst richtig eingeführt. Die Waffe des US-Bürgers ist des Deutschen Auto. Und beides wurde und wird als Voraussetzung von Freiheit verkauft.

Das Berliner Urteil wirft – so die TAZ - die Frage auf, ob die Freude am Autofahren wichtiger ist als die Freude am Leben? In den USA erwies sich bisher die Waffenlobby stärker als alle Vernunft. Ob nach diesem Urteil die deutsche Autoindustrie etwas demütiger und nachdenklicher argumentiert als bisher, wo der Slogan galt:“ Nur Fliegen ist schöner“?

Wer öffentliche Verkehrsmittel benutzt statt ein Auto, fährt um den Faktor 70 mal sicherer und belastet die Umwelt um etwa 80% weniger. Das Gemetzel auf unseren Straßen nennen wir Verkehr. In Wirklichkeit ist es ein Dritter Weltkrieg gegen uns selbst und gegen die Natur.

Ein positives Beispiel für eine alternative Entwicklung nennt der WHO-Bericht auch: Die Stadt Freiburg. Nach der Errichtung von zahlreichen „Tempo 30-Zonen“ konnte die Zahl der Verkehrstoten und Verletzten  stark reduziert werden. 24% aller Wege werden hier zu Fuß, 28% mit dem Fahrrad, 20% mit öffentlichen Verkehrsmitteln und nur noch 28% mit dem Auto zurückgelegt. Oder Amsterdam: Hier kommen auf 800.000 Fahrräder noch 263.000 Autos. Autofahren ist heilbar.

Zurück zur Übersicht

Quelle   FRANZ ALT 2017

Das könnte sie auch interessieren