Ad

Anzeige

Zurück zur Übersicht

21.07.2018

Wie werden wir fit für die Zukunft?

Als Kind erlebte Franz Alt die schlimmsten Jahre der Geschichte. Auch die aktuellen Entwicklungen sind besorgniserregend. Warum sich der Autor nicht aus der Ruhe bringen lässt und wieso er sich jetzt mit 80 fitter fühlt als mit 70, erzählt er in der letzten Folge dieser "tz"-Serie. Von Franz Alt

Urvertrauen ins Leben

Ein gelingendes Leben war mir nicht unbedingt in die Wiege gelegt. Dennoch habe ich in meinen ersten Lebensjahren von meiner Mutter etwas ganz Wesentliches gelernt: Urvertrauen ins Leben.  

Als ich 1938, am 17. Juli, heute vor 80 Jahren, geboren wurde, herrschte in Deutschland Vorkriegsstimmung. Die Deutschen sangen „Deutschland, Deutschland über alles, über alles in der Welt“. Bis zu meinem achten Lebensjahr war Krieg. Sirenengeheul, Bombennächte im Keller, Angst vor Hunger. Das Ergebnis: 50 Millionen Tote, Europa in Schutt und Asche, hunderte Millionen geknechtete und gemarterte Seelen, unermessliches körperliches und seelisches Leid. Die Welt war entsetzt über mein Land, das für den ersten industriell organisierten Massenmord in der Menschheitsgeschichte verantwortlich war. Mein Vater geriet bei Remagen am Rhein in amerikanische Kriegsgefangenschaft – die Mutter war alleinerziehend und betrieb während des Kriegs einen Kohlenhandel – das heißt sie musste in der Woche 400 Zentner Kohlen und oft mehr schippen.

Was heißt das für uns Heutige? Wir haben 2018 mit Trump, Erdogan, Putin und Orban große Probleme, Unsicherheiten und Ängste, aber als ich 1938 geboren wurde, hatten meine Eltern weit mehr Grund zur Sorge – mit Hitler, Mussolini, Stalin  und Franco. Und diese Erkenntnis gilt wohl auch für die meisten Leserinnen und Leser dieses Artikels. Stimmt´s? 2015/2016 haben wir in Deutschland knapp eine Million Flüchtlinge aufgenommen – und viele Deutsche hielten das für eine Überforderung. 82 Millionen Deutsche fürchten sich vor einer Million Flüchtlingen!

Ein gelingendes Leben war mir nicht unbedingt in die Wiege gelegt. Dennoch habe ich in meinen ersten Lebensjahren von meiner Mutter etwas ganz Wesentliches gelernt: Urvertrauen ins Leben. Ob es ein Leben nach dem Tod gibt, weiß letztlich niemand gewiss, aber eines ist sicher: dass es ein Leben vor dem Tod gibt.

Wo Vertrauen wächst, schwindet die Angst

Vertrauen ist der Goldstandard aller Beziehungen. Dieses Urvertrauen ins Leben trägt bis heute, inzwischen acht Jahrzehnte. Ich habe gelernt: Nur wo Vertrauen wächst, schwindet die Angst und die Unsicherheit. Jesus mit seiner vielleicht wichtigsten, atemberaubenden Zusage im Johannes-Evangelium: „Wer vertraut, hat ewiges Leben“. Oder: „Wer mein Wort hört und dem vertraut, der mich gesandt hat, hat das ewige Leben“. Jesus selbst vertraute seinem Herzen und wurde so  d e r  Anführer zum Leben, zu einem gelingenden Leben.

Wir können die Spirale der Angst durchbrechen. Aber wie? Das Leben bleibt ein Lernprozess, bis zum letzten Atemzug. Jeder Tag bietet die Chance für einen Neuanfang. Und jeder Neuanfang kann Wunder bewirken. Im Idealfall ist unser Leben eine einzig große und immer wieder überraschende Entdeckungs– und Pilgerreise.

Sollte mir – zum Beispiel – noch jemand wissenschaftlich nachweisen, dass im Kosmos die zehn bis zwanzig Milliarden Sonnensysteme ohne einen Schöpfer  funktionieren können, bin ich gerne bereit, ihm zu folgen. Bis jetzt allerdings überzeugt mich weit eher Einsteins These, wonach Gott „nicht würfelt“. Die Wirkkraft einer kosmisch-geistigen Intelligenz, die wir Gott nennen, scheint mir überzeugender als der „reine evolutionäre Zufall“.  Kein Wissenschaftler bestreitet, dass es Naturgesetze gibt. Wie aber kann es Gesetze geben ohne eine gesetzgeberische Kraft? Darwin erkannte auf Galapagos, dass einzelne Spezies nicht von Gott geschaffen sind, sondern sich evolutionär entwickeln.

 Aber er erkannte und anerkannte die Gesetze der Entwicklung – die Evolution und die dahinter verborgene Kraft, Energie, Ur-Energie oder Gott.

Würdig Sterben setzt würdiges Leben voraus

Ich habe in meinem Leben in vielen Ländern suchende Menschen getroffen, die nicht an Gott glauben, ihn aber vermissen. Religion bedeutet für mich eine tagtägliche Rückverbindung an etwas, das größer ist als wir selbst. Religion ist etwas, das trägt, wenn wir uns selber nicht mehr tragen oder ertragen können. Religion ist, wenn sich beim Meditieren über Tod und Sterben das Gefühl einstellt, dass alles gut wird. Religion heißt auch: Beim Älterwerden weiterwachsen.

Wer in Würde sterben will, muss wohl zuvor in Würde leben. Deshalb ist mir der erste Satz unseres Grundgesetzes so wichtig: „Die Würde des Menschen ist unantastbar.“

Wie bleibe ich körperlich fit?

Ich unternehme täglich einen 60-Minuten-Waldspaziergang. Und fühle mich mit 80 fitter als mit 70. Ich genieße und spüre die Heilkraft des Waldes. Dr. Wald tut mir gut bei meinem täglichen Waldbad – die Bäume und Pflanzen, die Tiere und die Blumen, die Sträucher und die Gräser stärken mein Immunsystem. Waldbaden senkt den Bluthochdruck, hilft den Stresshormonen und beruhigt die Herzfrequenz. Das alles ist auch wissenschaftlich bewiesen. Im Wald findet meine Seele neue Energie und Ruhe. Es ist als ob Gott meine Seele küsst.

Wie bleibe ich geistig fit für meine 100 Vorträge im  Jahr zwischen Tokio und Rio, für meine Artikel und meine Bücher? Seit 40 Jahren sind mir Nacht für Nacht meine Träume wichtige Wegweiser. Tausende Träume habe ich aufgeschrieben, um sie am nächsten Tag  bedenken zu können. Träume sind wie eine in jedem Menschen von Natur aus eingebaute, kostenlose Hausapotheke. Das Bedenken der Träume führt zu Selbsterkenntnis. Im Traumzustand konfrontiert uns unsere Seele schonungslos mit uns selbst. So können wir auch unsere Schattenseiten besser verstehen und daraus lernen. Im Traum erkennen wir auch, dass wir mit dem Verstand allein niemals zur Vernunft kommen.

Ich hatte das große Glück, bedeutende Vorbilder zu finden: Neben meiner Frau Jesus von Nazareth, den großen Schweizer Tiefenpsychologen C.G.Jung, den Dalai Lama und den Solarpionier Hermann Scheer, dem ich das Wissen um die Wichtigkeit, aber auch die Möglichkeit der solaren Energiewende verdanke. Zusammen mit Freunden kann man den Sinn seines Lebens besser erkennen als ohne sie. Ich verstehe heute besser als früher, dass es für unser Überleben wichtig ist, die Heiligkeit allen Lebens anzuerkennen.

Die drei Teile in der "tz":

Zurück zur Übersicht

Quelle   Franz Alt 2018 | Erstveröffentlichung "tz" München am 20.07.2018

Das könnte sie auch interessieren