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29.09.2018

Solmove eröffnet den ersten Solar-Radweg

Ein Straßenbelag, der Strom aus Sonnenlicht erzeugt, Schall schluckt, Stickoxide abbaut, im Winter Eis abtaut, wertvolle Daten zur Verfügung stellt und E-Mobile mit Strom versorgt. Von Sarah-Indra Jungblut

Klingt irgendwie nach der eierlegenden Wollmilchsau? Gibt es aber wirklich! Das „Voltstreet“-Konzept unseres Partner-Projekts Solmove wurde mehrfach ausgezeichnet und wird im Oktober auf einem Radweg bei Köln installiert.

Die Idee zur Solarstraße ist im Allgäu entstanden. Donald Müller-Judex, Gründer der ambitionierten Unternehmung, fuhr auf der Suche nach einem freien Dach für Solarmodule drei Tage über Land. Doch alle Dächer waren bereits mit Solarmodulen belegt. Etwas anderes jedoch war leer und sonnenbeschienen: Die vielen Straßen, über die er rollte. Damit war die Idee geboren, dieses „horizontale“ Potenzial zu nutzen und smarte Straßen zu entwickeln. Würde man die Straßen nicht nur als Verkehrsadern, sondern gleichzeitig auch als Sonnenstromlieferanten nutzen, könnte genug sauberer Strom produziert werden, um 20 Millionen E-Autos ohne neuen Flächenverbrauch anzutreiben - das ergab eine erste Rechnung. Doch die Solarstraßen sollten noch mehr können: E-Mobile nicht nur mit Strom, sondern auch mit Daten versorgen. Und nebenbei das Befahren der Straße leise, sauber und komfortabel machen.

Die Firmengründung von Solmove folgte 2014. Im Forschungsverbund mit zwei Fraunhofer Instituten, zwei Universitäten und weiteren Experten ist aus der ursprünglichen Idee ein multifunktionaler „Solarteppich“ entstanden, der Photovoltaik- Zellen, LEDs und später auch Sensorik beinhaltet. Das modular aufgebaute System wird einfach per Klicksystem elektrisch verbunden und auf vorhandene Flächen wie Straßen und Wege geklebt. Der erzeugte Strom wird dann ins Netz eingespeist oder direkt vor Ort genutzt. Später sollen sich E-Fahrzeuge den Strom via Induktion aus der Straße „saugen“ (beim Parken funktioniert das kabellose Laden bereits). Zudem enthält der Belag von Solmove eine Schallreduzierung, Licht und Heizung. Vor allem unter nachhaltigen Aspekten interessant: Die Module sind so robust gebaut, dass sie 20-25 Jahre halten sollen. Und auch die Demontage ist bereits organisiert: Der Belag kann wie herkömmlicher Asphalt weggefräst werden, das Granulat ist zu 95 Prozent recyclingfähig.

Aus der Straße wird Strom- und Datennetz: Smart-Solar-Streets

Aus dem Straßennetz wird mit dem multifunktionalen Belag perspektivisch ein Stromnetz und – auch das ist neu - ein Datennetz. Die integrierte Sensorik macht die Straße „fühlend “, indem Echtzeitdaten von Fahrzeugpositionen gewonnen werden und so z.B. Verkehrsflüsse schlau geleitet und Ampelanlagen intelligent gesteuert werden können.

Zusätzlich entwickelt Solmove eine Plattform, über die unterschiedliche Provider Services anbieten können. Über die 3S (Smart-Solar-Street) -Plattform sollen Energieversorger, Betreiber von Ladeinfrastruktur, Big Data-Anwendungen, Verkehrssteuerung, Flottenmanagement, Parkrauminhaber, Zahlungsdienstleister und andere angeschlossen werden. So könnte es z.B. möglich sein, dass ein Handwerksbetrieb über die Plattform Lastenfahrräder bucht oder ein Anbieter von Ladestationen für Wechselakkus, dessen Stationen bei einem großen Lebensmitteldiscounter aufgestellt sind, über das 3S-System seine Stationen monitoren und Kunden verwalten kann.

Demnächst mit dem Rad über die Solarstraße gleiten

Im August 2018 wurde die Produktion der Solarmodule gestartet: „Zum ersten Mal sind Solmove-Gläser maßgenau und tonnenweise vom Band gelaufen. Daran und dafür haben wir zwei Jahre gearbeitet und freuen uns sehr darüber, dass wir nun genug Gläser für den ersten solaren Radweg und die weiteren Projekte haben. Wenn alles gut läuft, dann wird die Bundesministerin für Umwelt den Radweg bei Köln im Oktober eröffnen“, so Müller-Judex.

Der Radweg in der Nähe von Köln wird 90 Meter lang sein, finanziert ist der Radweg teilweise vom BMU (Bundesministerium für Umwelt). Die Eröffnung steht kurz bevor.

Der Weg ist das Ziel

Aktuell erhält Solmove mehr Nachfragen nach der smarten Solarstraße, als bedient werden können. Und das nicht ohne Grund, denn neben vielen Vorteilen scheint sich der Solarbelag laut Solmove auch noch zu rechnen: eine herkömmliche Straße verursacht jährliche Kosten von einem Euro pro Quadratmeter, mit einer Solarstraße lassen sich mit dem Stromertrag rund 3 bis 5 Euro pro Quadratmeter jährlich verdienen.

Das Team hinter Solmove hat Großes vor: „Erfolg haben wir dann, wenn wir hunderte Kilometer Straße in Kraftwerke umwandeln, dadurch tausende Tonnen CO2 einsparen, Millionen Menschen nachhaltig mit dem E-PKW darüber fahren und wir perspektivisch Milliarden US-Dollar Rohöleinkäufe überflüssig machen. Ideal wäre es, wenn 190 Länder dieser Welt mit Solarstraßen energieautonom sein könnten und somit zumindest eine Motivation für Kriege entfällt, “ sagt Donald Müller-Judex.

Auch in anderen Ländern wird an Solarstraßen gearbeitet, wie z.B. SolaRoad (Niederlande), Wattway (Frankreich), Platio (Ungarn), Solar Roadways (USA) und Pavenergy (China). Was Solmove unterscheidet ist seine smarte Multifunktionalität und die schnelle Verlegung. Alle Anbieter sind, genauso wie Solmove, am Beginn einer noch Jahre dauernden Entwicklung. Besonders spannend ist aktuell die Frage, wie sich die Straßen unter Langzeitbelastung verhalten werden.

RESET unterstützt im Rahmen von Green Impact Finance Solmove auf dem Weg zu einer erfolgreichen Finanzierung und einem nachhaltigen Geschäftsmodell. Wir freuen uns, dass es losgeht!

Wer an der Weiterentwicklung der Solarstraße mitwirken möchte: Solmove ist aktuell auf der Suche nach einem Software-Architekten. Infos zur Stellenausschreibung hier.

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Quelle   RESET | Sarah-Indra Jungblut 2018

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