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13.03.2014

Der Metzger, der kein Fleisch mehr isst ...

Einst war er Europas größter Wurstfabrikant, heute isst er Fleisch nur noch, wenn er ganz genau weiß, wo es herkommt und wie das jeweilige Tier gelebt hat: Karl Ludwig Schweisfurth, Pionier auf dem Gebiet der ökologischen Erzeugung von Lebensmitteln, die – wie er sagt – wieder Mittel zum Leben sein sollen. Erscheinungstermin: 17.03.2014

In seinem Buch "Der Metzger, der kein Fleisch mehr isst ..." (ET 17.03.) erzählt er in 12 berührenden Episoden, wie und warum er vom Großmetzger zum Biobauern und schließlich zum "Auswärtsvegetarier" wurde

Im Jahre 1964 übernahm Karl Ludwig Schweisfurth den 1897 von seinen Großeltern gegründeten Familienbetrieb "Herta". In den 1950er Jahren hatte er in New York und Chicago die großen Schlachthöfe mit ihrer industriell optimierten Fließbandproduktion besucht. Fasziniert und zutiefst beeindruckt war er nach Deutschland zurückgekehrt und hatte seinen Vater davon überzeugt, die Fleisch- und Wurstproduktion im westfälischen Herten nach amerikanischem Vorbild umzugestalten.

Dies markierte den Beginn einer unaufhaltsamen Erfolgsgeschichte: innerhalb von 20 Jahren war Herta der größte Fleischkonzern Europas mit über 5500 Angestellten in zehn Fabriken. Doch als ihm der eigene Sohn vorwarf, dass er schon gar nicht mehr wisse, "wie's da draußen zugeht", war der Zeitpunkt gekommen, sich selbst und sein Tun zu hinterfragen: "Eine Weile, vielleicht sogar eine lange Weile, kann man so viel um die Ohren haben, dass man nicht hört, was Vernunft, was Moral, was bessere Einsicht einem zurufen. Aber irgendwann hat man nur noch die Wahl: taub werden – an Ohr und Seele – oder das Gehörte zu bedenken. (...) Im Sommer 1984 fiel meine Entscheidung, aus der industriellen Fleischproduktion auszusteigen."

In den folgenden Jahren entstanden mit Unterstützung der Familie die Herrmannsdorfer Landwerkstätten vor den Toren Münchens, in denen wieder alle Stufen der Erzeugung zusammengefügt sind: Landwirtschaft mit achtsamer Tierhaltung, handwerkliche Weiterverarbeitung mit Metzgerei, Bäckerei, Käserei und Brauerei sowie der eigene Vertrieb unmittelbar an die Verbraucher. Zum Auswärtsvegetarier wurde der Metzger jedoch erst Jahre später, als er in einem Lokal beim Anblick der achtlosen Fleischesser am Nebentisch so sehr betroffen war, dass er zu seiner Frau sagte: "Ich werde nur noch Fleisch essen, wenn ich weiß, wie die Tiere, von denen es ist, gelebt haben, wie sie ernährt wurden und wie sie zu Tode gekommen sind."

Karl Ludwig Schweisfurth gilt als Pionier auf dem Gebiet der ökologischen Lebensmittelherstellung. Der ehemalige Eigentümer von Herta, des einstmals größten industriellen Fleischerzeugers in Europa, gründete Mitte der 80er Jahre die Herrmannsdorfer Landwerkstätten sowie die Schweisfurth-Stiftung.

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Quelle   oekom verlag 2014