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19.06.2014

Umweltbuch des Monats Juni 2014: "Fukushima 360º"

Das Buch "Fukushima 360º - Das atomgespaltene Leben der Opfer vom 11. März 2011" ist Umweltbuch des Monats Juni 2014.

Erst vor wenigen Wochen wurden im französischen Atomkraftwerk Cattenom bei einem Zwischenfall zehn Mitarbeiter verstrahlt. Das zeigt: auch 3 Jahre nach der Katastrophe von Fukushima sind wir in Europa mit dem Atomausstieg noch nicht viel weiter gekommen. Während sich die Langzeitfolgen für die Opfer in Japan langsam bemerkbar machen, sind ihre Geschichten und Schicksale längst aus den Schlagzeilen verschwunden.

Aus diesem Grund machte sich Alexander Neureuter im Sommer 2013 auf Spurensuche. 1000km, 17 000 Bilder und 87 Gespräche später sind die Ergebnisse in dem eindrucksvollen, bewegenden und fundiert recherchierten Buch „Fukushima 360º“ erschienen.

Auf 200 Seiten spannt Neureuter einen Bogen von umfassendem Hintergrundwissen zu bewegenden Einzelschicksalen. Berichte über die technischen und politischen Ursachen des GAUs, eine chronologische Auflistung der Ereignisse, sowie Information zu TEPCO und der Atomlobby bieten auch für Uneingeweihte eine spannende Lektüre.

Wirklich herausragend sind allerdings die 44 Reportagen, die die tiefgreifenden Veränderungen im Alltag der Menschen von Fukushima zwischen Hoffnung und Resignation zeigen: Da ist die Geschichte von dem Wirtschaftsprofessor aus Osaka, der wegen einer Demonstration über 3 Wochen ohne Anklage eingesperrt wurde. Oder der Zahnarzt, der aus Spendengeldern ein eigenes Messzentrum aufbaute, damit die Bürger von Iwaki ihre Lebensmittel auf Strahlenbelastung untersuchen können.

Auch berichtet Neureuter von den „Wegwerf-Arbeitern“ der Sub-Sub-Unternehmen von TEPCO, die ab einem bestimmten Strahlen-Grenzwert ohne Entschädigungsansprüche fristlos entlassen werden. Daneben finden sich auch kleine Erfolgsgeschichten, beispielsweise die Kleingärten der Punkmusiker aus Tokyo, die zusammen mit Flüchtlingen Reisfelder wieder urbar machen und jedes Wochenende zwischen Zechgelagen und Mäharbeiten alle Ideologien und Vorurteile überwinden.

Dieses Buch sollte – nicht nur für unsere Politiker – zur Pflichtlektüre werden, um die Frage zu beantworten, ab welchem Punkt die Risiken einer Technologie gesellschaftlich, wirtschaftlich und ethisch untragbar werden.

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Quelle   Deutsche Umweltstiftung 2014