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11.04.2014

Teurer Strom - Die Bürger und die Energiewende

Der teure Strom und die Kosten der Energiewende sind für viele zum Ärgernis geworden.

Bürger stöhnen über steigende Energiepreise, Unternehmen, die Energie einsparen, verlieren zum Dank die Befreiung von der EEG Umlage. Alle sind gegen Atomkraft, aber keiner will eine neue Starkstromtrasse in der Nachbarschaft. Deutschland kämpft mit der Energiewende.

"Wir sind die Prügelknaben der Energiepolitik", erklärt der Sperrkassierer des örtlichen Energieversorgers in Calw, nachdem er wieder einmal den Strom in einem Haushalt abklemmen muss und den ganzen Frust der Betroffenen zu spüren bekommt. "Die Reaktionen werden immer heftiger", schildert der Mann, der seinen Namen lieber nicht genannt haben möchte. Denn auch Morddrohungen hat er schon bekommen. Bisher blieb es zum Glück bei bösen Worten.

Nicht alle warten bis der Sperrkassierer kommt. "Kino, Theater oder einfach mal in ein Stückchen Kuchen in der Aschaffenburger Altstadt essen, das ist alles nicht mehr drin" Erika Markert klingt nicht klagend, wenn sie über die Folgen der gestiegenen Stromrechnungen redet. Das Geld für die gestiegenen Energiekosten muss sie an anderer Stelle einsparen. Mitarbeitern des örtlichen Sozial Cafe´s helfen.

Langzeitarbeitslose, die in einem Projekt mit den Stadtwerken Aschaffenburg zu Energieberatern ausgebildet wurden, suchen in ihrem Haushalt nach Stromfressern, die den Energieverbrauch selbst im Standby-Modus nach oben jagen. Mit Erfolg. Der 25 Jahre alte Kühlschrank kann - dank einem Projekt der Stadtwerke - gegen einen neuen ausgetauscht werden, der durch die zu erwartenden Stromersparnis finanziert wird.

Die steigenden Strompreise werden zunehmend auch für Unternehmen zum Problem. Die Metallgießer aus Waren in Mecklenburg-Vorpommern produzieren Schiffsschrauben für den Weltmarkt zu Preisen made in Germany. Der Betrieb legte ein hartes Energiesparprogramm auf. Das Ergebnis: Fast eine Million Euro musste der Betrieb im vergangenen Jahr an EEG-Umlage zahlen, das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle hatte den Antrag auf Befreiung abgelehnt. Der Grund - die Firma verbrauchte zu wenig Strom. Wer spart wird bestraft.

Für das Ehepaar Gumpert ist die Energiewende gescheitert. Seit dem Tag, an dem die Franken erfuhren, dass eine neue Starkstromleitung direkt an ihrem Grundstück vorbei laufen soll. Der unverbaubare Blick in Feldrandlage wäre dahin, das kleine Häuschen deutlich weniger wert. Die Gumperts gründeten eine Bürgerinitiative und organisierten Widerstand. Mit Erfolg. Nur etwa zwei Wochen nach der Gründung hatte die BI bereits fast 8000 Mitglieder. Inzwischen fordert auch Ministerpräsident Seehofer ein Moratorium für neue Stromleitungen. Zumindest bis zu den Kommunalwahlen in Bayern.

Krisenzeiten sind Zeiten für findige Tüftler. Ein Mann aus Niedersachsen drängt mit Solarmodulen für jedermann auf den Markt. Sie haben Platz auf dem Balkon, können einfach in die Steckdose gesteckt werden und decken bei Sonnenschein einen Teil des Stromverbrauchs. Eine Reportagereise durch Deutschland in Zeiten der Energiewende.

ZDF reportage | ZDFmediathek

Auch die ZDF-Umweltdokumentation "planet e." Uhr setzte sich mit dem Thema Energie auseinander: "Gegenwind für Bürgerstrom" - Mediathek

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Quelle   ZDF reportage 2014