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30.08.2011

100 % erneuerbar und dezentral

Eine 100prozentige Versorgung mit Erneuerbaren Energien ist ebenso möglich wie eine weit gehende dezentralisierte Produktion der Erneuerbaren, und das in der Schweiz.

So das Fazit der Tagung der Schweizerischen Energie-Stiftung (SES) in Zürich. Das ist der Knackpunkt auf dem Weg hin zur Vollversorgung mit Erneuerbaren, auch hierzulande: Nicht etwa das Potential, das je länger je deutlicher vorhanden ist – sondern eine gute Kommunikation zu den Möglichkeiten auch in der Schweiz. So stand denn die SES-Tagung voll im Zeichen einer ganzen Reihe eindrücklicher Beispiele, von denen die Öffentlichkeit und insbesondere die SkeptikerInnen doch bitte endlich Kenntnis nehmen und die richtigen Schlüsse ziehen sollen.

Es gibt auch hierzulande nicht mehr nur tausende von Einzelbeispielen – wie etwa die doch immer häufiger sichtbaren solaren Anlagen auf Hausdächern, dienen sie nun der thermischen Wärme- oder der solaren Stromerzeugung (Photovoltaik). Nein es gibt unterdessen auch eine ganze Reihe von Konzepten zu einer umfassenden, möglichst autonomen Energieversorgung in ganzen Ortschaften oder gar Regionen in der Schweiz. Beispiele gefällig? Hier jene, die an der SES-Tagung besondere Erwähnung fanden:

Das Gebiet Bern-Solothurn gilt in vielerlei Hinsicht als gemeinsame Region – nun ist es auch eine Energieregion. In Kooperation mit der Versorgungsgenossenschaft Elektra www.elektra.ch in Jegensdorf haben die Gemeinden der Region zuerst eine Potentialabschätzung vorgenommen, die gemäss dem Soziologen Lukas Eichenberger zeigt, dass ein Drittel der Energie erneuerbar im Heimgebiet erzeugt werden können, ein Drittel durch Effizienzmassnahmen einzusparen wäre und ein Drittel weiterhin von aussen – vorzugsweise in Form Erneuerbarer Energien – zugeführt werden müsste. Die Energieregion trägt alle relevanten Informationen zusammen unter: http://www.energieregion-be-so.ch

Das Energietal Toggenburg stellte an der SES-Tagung Christiane Pietsch vor: Eine ganze Reihe von Einzelprojekten wie etwa die solargetriebene Sesselbahn von Wildhaus und ein Bekenntnis zu mehr Lebensqualität dank geringerem Energieverbrauch haben die Unterstützung für das Projekt bei den Toggenburgern sukzessive wachsen lassen. Ziel fürs Toggenburg sei so die 2000-Watt-Gesellschaft.

Die Ortschaft Erstfeld in der innersten Schweiz verfügte seit langem über Wasserkraftwerke, erbaute dann im letzten Jahrzehnt zwei der frühen Trinkwasserkraftwerke, die den vorhandenen Wasserfassungen eine Turbinenstufe hinzufügten und so neben hochstehendem Wasser quasi gratis noch Wasserstrom als Wertschöpfung hinzu fügten. Unterdessen bekennen sich die Gemeindewerke von Erstfeld mit Geschäftsleiter Roman Betschart zu einer hohen Eigenversorgung in allen Energiebelangen, neben Holzschnitzelanlagen sind vor allem schon PV-Anlagen hinzugekommen. Betschard hat auch das Energiesparen im Auge, weiss er doch aus eigener Erfahrung dass die grössten Energieschlucker Elektroheizungen und Elektroboiler sind – die übrigens in den Verbrauchsstatistiken des VSE jeweils nicht aufgeführt werden unter Stromgeräten im Haushalt....

Weitere Energieregionen mit unterschiedlichem Entwicklungsstand sind hierzulande etwa das Diemtigtal im Kanton Bern, das Goms, das Emmental – mit dem gar schon lustigen Label "Oil of Emmental" sowie die Gemeinschaft Simplon-Dorf/Gonda. Helfen beim Auffinden solcher regionaler Projekt auf dem Weg zur Vollversorgung mit Erneuerbaren Energien in den Regionen soll die neue Website www.unserstrom.ch. Dieses WWF-Projekt wurde soeben neu aufgeschaltet und soll wie eine Datenbank den Überblick ermöglichen über alle diesbezüglichen Anlagen.

Es gibt Vollversorgungskonzepte mit Erneuerbaren Energie in grösserer Zahl vor allem in Deutschland und Österreich. Von dort kamen aufmunternde Botschaften, wonach es auch wirklich funktioniert. Wenn auch klein so doch fein und nahe der CH-Grenze gelegen, ist etwa das vorarlbergische Dorf Langenegg zu erwähnen. Dessen Bürgermeister Georg Moosbrugger ermunterte die rund 300 TagungsteilnehmerInnen ganz einfach vorwärts zu machen.

So wie es seine kleine Gemeinde mit grossem Erfolg seit über zehn Jahren schon gemacht hat. Das Motto der Region: «Energiebewusst leben» hat unter anderem das gebracht was immer wieder bezweifelt wird – nämlich eine bedeutende Minderung des Stromverbrauchs um 47 und des Wärmekonsums um 34 Prozent! Mehr Info über: http:// www.langenegg.at

So gilt, was die organisierende SES in der Begleitbroschüre festhält: "Zentrale Eckpfeiler der Energiezukunft sind neben den erneuerbaren Energien und der Energieeffizienz die dezentralen Produktions-, Versorgungs- und Konsumstrukturen." Das wird viele Arbeitsplätze in die Regionen bringen, wie in Deutschland bereits eindrucksvoll aufgezeigt. Und es wird so ganz nebenbei die Sache mit den Atomkraftwerken auf einer gesunden und realistischen Basis erledigen.

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Quelle   SOLARMEDIA | Guntram Rehsche 2011