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18.09.2011

Zwei Drittel des Stroms im Süden Sachsen-Anhalts kommen aus erneuerbaren Quellen

Rund 66 Prozent Strom aus erneuerbaren Energiequellen im Süden von Sachsen-Anhalt - in Deutschland sind es rund 20 Prozent.

An der Bundesautobahn 9 Berlin-München stehen bei Osterfeld in Sachsen-Anhalt die drei leistungsstärksten Windturbinen der Welt. Das hat Symbolkraft. Denn das Land ist in der Erzeugung erneuerbarer Energien Vorreiter. Während in Deutschland derzeit nahezu 20 Prozent der Stromproduktion aus diesen Energiearten kommen und die Bundesregierung bis 2020 ein Ziel von 30 Prozent vorgegeben hat, sind es im Süden von Sachsen-Anhalt schon heute 66 Prozent. Das berichtet Ulf Matthes, zuständiger Abteilungsleiter bei der envia Verteilnetz GmbH.

Ulf Matthes ist seit 2002 Abteilungsleiter bei der für das Netz zuständigen, in Halle (Saale) ansässigen enviaM-Tochter. Seine Abteilung registriert sämtliche Anlagen, die Strom aus Wind, Wasser, Biomasse, Deponiegas oder Photovoltaik in das Netz der Envia Verteilnetz GmbH in Sachsen, Sachsen-Anhalt, Brandenburg und Thüringen einspeisen. Die Stadtwerke gehören nicht dazu. Matthes hat miterlebt wie sich die installierte Leistung erneuerbarer Energien im enviaM-Netzgebiet in Sachsen-Anhalt fast vervierfacht hat. Betrug sie 2001 rund 500 Megawatt, waren es Ende 2010 gut 2000 Megawatt. Dieser kräftige Anstieg sei vor allem der Windkraft zu verdanken, erklärt Matthes. Mit fast 1700 Megawatt steuert sie mehr als drei Viertel der Leistung in diesem Bereich bei. Weit dahinter folgt die Solarenergie mit 250 Megawatt an zweiter Stelle vor Biomasse (77,1 MW), Wasser (10,7) und Deponie-/Klärgas (10,1).

Noch deutlicher ist der Aufstieg regenerativer Energien im enviaM-Netzgebiet an den Summen abzulesen, mit denen ihre Produktion vergütet wurde. Während 2001 133 Millionen Euro an die Erzeuger flossen, waren es im vergangenen Jahr schon 829 Millionen Euro. Diese Summe werde weiter ansteigen, da die Förderung über 20 Jahre laufe, die Zahl der Anlagen zunehme und sich dadurch immer mehr aufbaue, erläutert der 44-jährige Diplom-Ingenieur.

Beim Wind sei 2010 die Vergütung etwas geringer ausgefallen. "Es gab wenig Wind. So wenig Wind wie 2010 hatten wir noch nie", begründet Matthes diese Delle. Die größten Steigerungen sind nach seinen Worten bei der Vergütung des Solarstroms zu beobachten. Sie habe sich in den vergangenen drei Jahren jährlich jeweils verdoppelt. 2010 hat sie 183 Millionen Euro erreicht.

2011 seien bisher wieder viele Anmeldungen für neue Anlagen eingegangen, weil die Förderung zum 1.Juli gekürzt werden sollte aber nun doch bis zum 31. Dezember fortgeführt werde. Erst danach komme es zu einer Reduzierung der Förderung. Deshalb rechnet Matthes in diesem Jahr mit einem gewissen Vorzieheffekt, um doch noch die höhere Förderung zu sichern. Strom aus Deponiegas ist nach den Worten des gebürtigen Merseburgers, der heute in Köthen wohnt, fast zu vernachlässigen. Seine Erzeugung stagniere. Auch Wasserkraft spiele nur eine untergeordnete Rolle.

Für den steilen Auftrieb des Wind-Stroms im enviaM-Netz in Sachsen-Anhalt sieht Matthes sowohl eine politische als auch eine geographische Ursache. Die Weichen in Richtung Windkraft habe Mitte der 90er Jahre die rot-grüne Regierung Höppner gestellt, blickt er zurück. Seitdem sei die Anzahl der Windkraftanlagen in Sachsen-Anhalts Landschaft ebenso steil wie unübersehbar gestiegen. Mehr als 1 000 Windturbinen drehen sich zwischen Thale und Zeitz. Die derzeit weltweit größte Anlage bei Osterfeld an der Autobahn A 9 hat laut Matthes eine Nennleistung von 6 000 kW, eine Nabenhöhe von 135 Meter und einen Rotor-Durchmesser von 126 m. Die Gondel mit einem Durchmesser von zwölf Metern und einer Länge von 24 Metern wiegt samt Nabe mit Rotorblättern 800 Tonnen. Hersteller ist die Magdeburger Firma Enercon.

"Wir haben viel Wind, aber wegen einer gewissen Industrieschwäche relativ wenig Strom-Abnahme. Wir produzieren Strom- Überschuss". Während vor Jahren für unsere Kunden Strom herangeschafft worden sei, würde nun Strom, der in Sachsen-Anhalt produziert wurde, in andere Gebiete Deutschlands geliefert. Dieser Trend wird sich aus Sicht von Energie-Experten fortsetzen. Sie sagen voraus, dass sich die Produktion von Windenergie in den kommenden zehn Jahren im enviaM-Netzgebiet von heute 4,4 auf zehn Gigawatt mehr als verdoppeln, und die Produktion von Solarstrom auf vier Gigawatt vervierfachen wird.

"Windenergie bleibt mit Abstand die wichtigste regenerative Energiequelle", sagt Matthes

Sonnenenergie vollziehe demnach den größten Sprung nach vorn, die Potentiale von Biomasse würden ausgeschöpft, Wasserkraft wachse verhalten. Diese Aussichten machen einen kräftigen Ausbau der Stromnetze erforderlich. Matthes sagt: "Wir kommen immer näher an unsere Grenzen oder haben diese in einigen Regionen schon erreicht. Wir müssen neue Leitungen bauen." Für den entsprechenden Ausbau im enviaM-Netz-Gebiet bis zum Jahr 2020 sind nach Ansicht des Netz-Spezialisten 1,1 Milliarden Euro notwendig.

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Quelle   Investitions- und Marketinggesellschaft Sachsen-Anhalt mbH 2011