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29.09.2011

Deutsche Temelin-Gegner besuchen Temelin

Die Gefahr möglicher Atomunfälle in der Tschechischen Republik.

Zusammen mit Experten der Atomgegner aus Tschechien, Polen und Österreich haben circa 100 Bürgerinnen und Bürger aus den deutschen Grenzregionen  das AKW Temelín 150 km südlich von Prag besucht. Die tschechische Regierung wurde aufgefordert, dem Beispiel der Nachbarn Österreich und Deutschland zu folgen: Auszusteigen aus dem bestehenden Atomprogramm, weg vom geplanten Neubau von Kernkraftwerken und hin zu einer  Wende im tschechischen Energieprogramm in Richtung eine sauberen und erneuerbaren Zukunft.

Nachdem Deutschland sich entschieden hat aus der Kernkraft auszusteigen, sehen die deutschen Atomkraftgegner immer noch die Gefahr möglicher Atomunfälle in der Tschechischen Republik.  Ein möglicher Unfall wie in Fukushima würde auch das finanzielle Ende von Europa bedeuten.

Brigitte Artmann von den Grünen aus Wunsiedel erklärte das Interesse des Besuches: "CEZ hat uns nicht überzeugen können, dass das AKW Temelín besser unter Kontrolle wäre als unsere eigenen deutschen AKW oder die in Japan. Im Gegenteil: Während unseres Besuches ist uns klar geworden, dass unsere Bedenken, die zum deutschen Atomausstieg geführt haben, in den tschechischen Medien und in der öffentlichen Debatte in Tschechien aktiv unterdrückt werden."

Ein Teilnehmer, der in Prag lebende Greenpeace EU Nuklearexperte Dipl.Ing. Jan Haverkamp, erklärte: "Themen wie Atommüll oder Terrorattacken sind Tabu in Tschechien. Und was weit mehr erschütternd ist, die tschechischen Behörden halten zum Beispiel Informationen über Baufehler in Temelín bewusst unter Verschluss vor der Öffentlichkeit. Ein Beispiel dafür ist eine angeblich falsche Schweißnahtreparatur in einer der Hauptkühlleitungen am Reaktor. Darüber hinaus wird verhindert, dass diese Vorfälle im Rahmen der Stresstests, die nach der Katastrophe in Fukushima durchgeführt werden, neu begutachtet werden können."

Viele der deutschen Besucher sind aktiv involviert in den öffentlichen Einwendungsprozess im Rahmen der UVP Temelin für zwei neuen Reaktoren in Temelín. Artmann: "Es ist wichtig, dass die tschechische Regierung sich von ihrer ideologischen Haltung zu dieser gefährlichen Technologie  Atomkraft verabschiedet. Wir müssen schwer kämpfen, um unsere Einspruchsrechte durchzusetzen. Wir wollen zum Beispiel nicht nur eine öffentliche  Anhörung in Tschechien. Wir wollen auch, wie von internationalem Recht vorgeschrieben, Anhörungen in Bayern und Sachsen. Nur so kann die deutsche Debatte auch wirklich die tschechischen Entscheidungsträger erreichen."

Im Rahmen des Besuches in Temelín wurde das Besucherzentrum besichtigt und es gab eine Tour durch das Kraftwerksgelände. Es gab auch Vorträge langjähriger tschechischer Atomkritiker, wie den ehemaligen Umweltminister Martin Bursik oder den Sonderbeauftragten für grenznahe Atom- anlagen des Landes Oberösterreich, Dalibor Strasky.  Artmann: " Viele deutsche Kommunen produzieren bereits selbst Green Energy. Wind, Sonne, Blockheizkraftwerke und die Speicherung von Strom, das ist die Zukunft und schafft Arbeitsplätze.

Die deutsche Entscheidung aus der Atomkraft auszusteigen basierte auf den Erfahrungen von Tschernobyl und Fukushima, man hörte auf die Demonstrationen auf der Straße, man hat alle Seiten der Debatte angehört - so wie wir dies bei unserer Informationsreise getan haben. Wenn alle Seiten mitreden können, wenn alle Argumente berücksichtigt werden, dann gibt es keine andere Schlussfolgerung als den  Atomausstieg – genau der radikal andere Weg als der, den die tschechische Regierung gerade geht. Wir haben gute Gründe, sehr besorgt zu sein."

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Quelle   Bündnis 90/Die Grünen 2011