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31.10.2011

Zweite Phase der AKW-Stresstests ungenügend

Kein Stopp für Fukushima-Reaktortypen? - Sicherheitsberichte weisen große Lücken auf.

GLOBAL 2000 kritisiert aufs Schärfste die so genannten Stresstests für Atomkraftwerke in der EU, deren erste Phase am 31. Oktober ausläuft. „Die Stresstests für die AKWs der EU wurden unter dem Eindruck der Fukushima-Katastrophen beschlossen. Doch das, was sich jetzt Stresstests nannte, beinhaltet für keinen der Risikoreaktoren in der EU Konsequenzen, um nicht ebenso zur Nuklear-Katastrophe werden zu können“, fasst Patricia Lorenz, Anti-Atom-Sprecherin von GLOBAL 2000, die jetzige Situation zusammen.

„Ob die Erfahrungen von Fukushima überhaupt eingeflossen sind, darf bezweifelt werden. Viele Länder fahren business as usual, oft wurden einfach alte Sicherheitsanalysen neu zusammengestellt und als nationaler Stresstestbericht nach Brüssel geschickt. Die Berichte geben keine klaren Antworten auf die drei zentralen Sicherheitsfragen, es ist nicht nachvollziehbar, ob und wie die jeweiligen Reaktoren reagieren, wenn z.B. die externe Stromversorgung ausfällt, ob die Dieselgeneratoren entweder vor Überflutungen sicher aufgestellt sind oder wasserfest sind, oder was in welcher Zeitspanne zu geschehen hätte“, berichtet Lorenz.

In Spanien (Santa Maria de Garoña) und in der Schweiz (Mühleberg) sind baugleiche General Electric-Reaktoren mit identischem Containment-Typ wie in Fukushima in Betrieb. Das Containment hat- wie bereits 1985 die US-Atomaufsicht NRC für Unfälle mit diesem Containment-Typ vorausgesehen hatte - dort völlig versagt. Insbesondere für den schweizerischen Standort ist eine Überflutung des Reaktors mit dem Totalausfall der Kühlung bei Hochwasser durchaus möglich. Der Reaktor in Mühleberg kam dennoch problemlos durch die schweizerische Version der „Stresstests“.

„Diese Stresstests in der Schweiz und in der EU sind - was kritische UmweltschützerInnen befürchtet haben - bisher eine Alibi-Aktion. Statt Risiken zu benennen, soll die Illusion von sicheren Atomkraftwerken vorgegaukelt werden“, kritisiert Lorenz.

Und dass, obwohl der Ablauf des mehrfachen Super-GAU in Japan heute, knapp acht Monate nach Beginn der Katastrophe, bereits sehr klar ist: Das Erdbeben der Stärke 9 vor der japanischen Küste traf die Fukushima-Reaktoren „nur“ mit der Stärke 6 – was aber dennoch die Reaktoren auf der Stelle beschädigte und fast unmittelbar zur Freisetzung von radioaktivem Xenon-133 führte und nicht erst durch das Auftreffen der Tsunamiwelle und dem Ausfall der Stromversorgung ausgelöst wurde.

Anders als zunächst von der Betreiberfirma behauptet, schmolzen die Brennelemente innerhalb weniger Stunden vollständig und brannten sich durch den Reaktordruckbehälter. Das Mark-I-Containment der General Electric-Reaktoren versagte nur Stunden später und unkontrolliert gelangten große Mengen des radioaktiven Kernmaterials in die Umwelt.

„So wie es jetzt mit den EU-Stresstests aussieht, rechnet die EU-Kommission wohl nicht einmal mit dem Abschalten der Fukushima-Reaktortypen in Spanien oder den ältesten WWER-Reaktoren ohne Volldruck- Containment. Wir appellieren daher an die Bundesregierung, dafür zu sorgen, dass in der nächsten Phase, wo auf EU-Ebene die Bericht geprüft werden, die fehlenden Daten und Analysen nachzufordern - die offenen Fragen müssen aufgearbeitet werden. Und wir fordern unbedingt Anhörungen in den einzelnen Ländern, damit die Nationalen Aufsichtsbehörden der interessierten Öffentlichkeit Rede und Antwort stehen“, stellt Lorenz klar.

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Quelle   GLOBAL 2000 2011