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21.12.2011

Horst-Eberhard Richter - Vater der Friedensbewegung gestorben

Mit Horst-Eberhard Richter verliert die Friedensbewegung einen großen Mitstreiter.

Friedensorganisation IPPNW trauert um Prof. Dr. med. Dr. phil. Horst-Eberhard Richter, der gestern im Alter von 88 Jahren nach kurzer schwerer Krankheit in Gießen verstorben ist.

Er war unermütlicher Mahner gegen Atomwaffen und Kriege, friedenspolitischer Vordenker für ganze Generationen von Engagierten und auch Initiator und Antreiber für viele Friedensaktionen.

Der Mitbegründer der bundesdeutschen Sektion der IPPNW, Psychiater, Psychoanalytiker, Sozialphilosoph und große Humanist war eine der führenden Persönlichkeiten in der Bundesrepublik.

Horst-Eberhard Richter wurde am 28. April 1923 in Berlin geboren. 1962 übernahm er einen der ersten deutschen Lehrstühle für Psychosomatik an der Universität Gießen und baute die Abteilung zu einem führenden Zentrum für psychosomatische Medizin auf. Seine ersten Bücher, in denen Richter ein neues Verständnis familiär verursachter Neurosen erarbeitete, wurden zu international anerkannten Klassikern psychoanalytischer Literatur.

Für Richter war Psychoanalyse nicht nur eine tiefenpsychologische Behandlungsmethode, sondern, und vielleicht zuallererst, ein Instrument der Aufklärung für eine sich sozialanalytisch begreifende Wissenschaft von Mensch und Gesellschaft. Von 1992–2002 leitete er das Sigmund-Freud-Institut in Frankfurt am Main.

Richter sah ärztliches Verhalten immer auch politisch. Die prinzipielle Verpflichtung aller ÄrztInnen sei es, Leben zu schützen und sich nicht für  politische Systeme instrumentalisieren zu lassen. Die Ärztin und der Arzt dürften der Obrigkeit nicht zur Verfügung stehen. Für Richter musste Medizin im Sinne ihrer lebenserhaltenden Aufgabe pazifistisch sein.

Der Aufbruch der Studentenbewegung Anfang der 70er Jahre verlieh Richters Handeln wichtige Impulse. Er diskutierte mit Schülern und Studenten, nahm an Demonstrationen und Sitzblockaden teil und wurde zu einem wichtigen Berater von Politikern im In- und Ausland.

Im Februar 1982 gehörte Richter zu den Mitbegründern der bundesdeutschen Sektion der Internationalen Ärzte für die Verhütung des Atomkrieges. Er übernahm die Arbeit der ersten Geschäftsstelle in Gießen und wurde neben Prof. Dr. Ulrich Gottstein, Dr. Helmut Koch und Dr. Knut Sroka in den ersten Sprecherrat der bundesdeutschen IPPNW gewählt. Er verfasste die berühmte „Frankfurter Erklärung“, in der sich Ärzte mit ihrer Unterschrift dazu bekannten, sich jeglicher kriegsmedizinischen Schulung und Fortbildung zu verweigern.

Den Begriff „Ärzte in sozialer Verantwortung“, der seit dem Zusammenschluss der beiden deutschen Sektionen im März 1991 als Namenserweiterung beschlossen wurde, füllte Richter mit Leben: Er initiierte die Kongressreihe „Medizin und Gewissen“, die 1996 in Nürnberg und 2001 in Erlangen große Medienaufmerksamkeit erlangte.

Weitere Informationen über das Leben von Horst-Eberhard Richter

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Quelle   IPPNW 2011