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03.09.2011

Der Tod ist ein Meister aus Deutschland

In dieser Woche erhielt der Freiburger Lehrer, Rüstungsgegner und Friedensaktivist Jürgen Grässlin den Aachener Friedenspreis. Wie kein anderer Publizist stellt Grässlin seit Jahrzehnten die Praxis deutscher Waffenexporteure an den Pranger.

Waffenexporte töten und verletzen. Und Deutschland ist Europameister im Exportieren von todbringenden Waffen. In den letzten zehn Jahren hat sich der Anteil des tödlichen Geschäfts etwa verdoppelt.

Zu den Empfängern deutscher Waffen zählen auch Staaten in Konflikts- und Krisenregionen sowie menschenrechtsverletzende Regime in vielen Dritte-Welt-Ländern. Der Autor dieser Zeilen hat zum Beispiel deutsche G3-Gewehre in afrikanischen und asiatischen Ländern gesehen.

Jürgen Grässlin zeigt in seinen Reden und Büchern unermüdlich auf, dass nicht die Atomwaffen, sondern die „Kleinwaffen made in Germany“ die eigentlichen Massenvernichtungswaffen unserer Zeit sind. Mit diesen Waffen werden zwei von drei Opfern in Bürgerkriegen getötet. Der Tod ist ein Meister aus Deutschland.

An Waffenexporten sind Bundesregierungen verschiedenster Couleur mitschuldig. Der Bundessicherheitsrat, dessen Vorsitzende die Bundeskanzlerin ist, genehmigt Waffenexporte in geradezu skandalöser Weise – wie soeben wieder Angriffspanzer für das autoritäre und menschenverachtende Regime in Saudiarabien.

Die deutsche Waffenexporte-Schreckensbilanz wird immer mit Arbeitsplatz-Argumenten gerechtfertigt – auch von dem schwäbischen G3-Gewehr-Hersteller Heckler und Koch.

In Wirklichkeit leisten solche Firmen, aber auch die Bundesregierung Beihilfe zu schweren Menschenrechtsverletzungen sowie zu Völker- und Massenmord. Auch die in Libyen soeben aufgetauchten G36-Gewehre stammen von Heckler und Koch in Oberndorf am Neckar. Jürgen Grässlin schließt nicht aus, dass die Firma auch an illegalen Waffengeschäften beteiligt ist und hat gegen Heckler und Koch Strafanzeige gestellt.

In keinem anderen Bereich zeigen eine Regierung und ein Land so unverblümt ihr wahres Gesicht wie beim Waffenexport. Denn an der Zahl der Toten und Verstümmelten ist kein anderer Wirtschaftsbereich so folgenschwer beteiligt.

Für den Profit der deutschen Rüstungsindustrie genehmigt unsere so friedliebende Regierung den Export von Gewehren, Panzern, U-Boote, Militärhubschraubern und Kampfflugzeugen. Eine Schande für unser Land.

Die erfolgreichste Art und Weise, darauf zu reagieren, zeigt der Friedensaktivist Jürgen Grässlin. Gratulation zum Aachener Friedenspreis! Solche Kämpfer braucht ein Land.

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Quelle   © Franz Alt 2011