Ad

Anzeige

Zurück zur Übersicht

09.06.2012

Regierung muss endlich eine Offensive für die Milchviehhalter starten

Der Milchpreis fällt ins Bodenlose und Bundesministerin Ilse Aigner steht tatenlos daneben.

Immer noch tänzelt die Bundesregierung angesichts des massiven Preisabsturzes um den Begriff "Krise" herum und spricht lieber von einer "Delle" am Milchmarkt. Ende des Jahres, so möchte man glauben machen, steigen die Preise wieder und alles wird gut. Diese Einschätzung der Regierung widerspricht allen vorliegenden Fakten und ist eine verantwortungslose Verharmlosung der Realität. Der Rohstoffwert der Milch, der monatlich am ife-Institut (Kiel) erhoben wird, ist binnen einen Jahres um 31,3 Prozent gesunken. Auch an der globalen Handelsbörse ist der Preis für Milchprodukte im vergangenen Jahr um 30 Prozent gefallen. Die Discounter unterbieten sich mit Billigpreisen. Eine Erholung ist nicht in Sicht.

Die Krise am Milchmarkt ist Folge einer auf Massenproduktion basierenden Exportstrategie, der sich bedauerlicher Weise auch die schwarz-gelbe Bundesregierung verschrieben hat. Der globale Milchsee wächst - laut FAO allein in 2012 wieder um vier Prozent. Die Preise fallen. Die Milchbäuerinnen und -bauern müssen immer größere Milchmengen produzieren, um kostendeckend zu wirtschaften. Betriebe, die nicht expandieren wollen, geraten unter massiven Existenzdruck. So dreht sich die Abwärtsspirale der Milch-Inflation.

Leider lässt Bundesministerin Aigner nicht erkennen, dass sie diesen Irrweg der Massenproduktion verlassen möchte. Stattdessen entwirft ihr Ministerium Vorschläge, die gerade die bäuerlichen Milchviehhalter in ihrer Marktmacht und ihren Bündelungsmöglichkeiten weiter schwächt. Wir fordern die Regierung auf, den ruinösen Pfad der Mengenausweitung zu verlassen und endlich den Rahmen für eine faire, ökologische und kostendeckende Milchproduktion zu setzen.

Die Regierung muss spätestens jetzt die Fäden in die Hand nehmen und gemeinsam mit den Akteuren am Milchmarkt eine Offensive für die Milchviehhalter starten. Wir brauchen - allein angesichts eines Selbstversorgungsgrads von aktuell 125 Prozent - Regelungen für eine nachfrageorientierte Milchmengenregulierung. Kurzfristig bedeutet das unter anderem die Aussetzung der diesjährigen Quotenerhöhung. Vor allem aber muss die Regierung alles daran setzen, die Erzeuger in ihrer Marktmacht zu stärken. Die Milchbäuerinnen und -bauern müssen in die Lage versetzt werden, die ohnehin viel zu geringen Bündelungsmöglichkeiten, die das EU-Milchpaket bietet, optimal nutzen zu können. Das gilt gerade in Zeiten, in denen Großmolkereien - wie der globale Milchkonzern Arla - Molkerei für Molkerei schlucken.

Zurück zur Übersicht

Quelle   eco-world 2012