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13.08.2011

50 Jahre – Die Mauern fallen, wenn sich die Fundamente bewegen

Mochten es letzte Skrupel Walter Ulbricht (SED) gewesen sein, offen die Rolle eines Schergen Breschnews zu spielen, die ihn am 15. Juni 1961 zu seinem berüchtigten Satz veranlassten “Niemand hat die Absicht, eine Mauer zu errichten”.(1) Die Menschen Berlins machten am 13.August 1961 die eindeutige und letzte Erfahrung mit diesem Beton-Sozialisten: „Nee, Skrupel hat der Spitzbart nicht!“  Zwei Monate später waren die Worte des damaligen DDR-Staatsratsvorsitzenden Schall und Rauch. Am 13. August 1961 ließ er die Todesmauer zwischen Menschen hochziehen. Zerstörung der Einheit eines Volkes, Zerstörung sämtlicher menschlicher Beziehungen, Zerstörung eines Weges zu einem friedlichen Miteinander von Ost und West. Kalter Krieg! Ein Bericht von Wolfgang Theophil und Hans-Udo Sattler

Der Bau der Mauer, die Annektierung Ostberlins als Terretorium der DDR war Vertragsbruch, denn nach dem Viermächteabkommen war Berlin in Zonen eingeteilt und die Staatsgrenzen verliefen auch am Ostrand der Stadt.

Willy Brandt, damals Bürgermeister Berlins rief am 18.August 1961 in einer Rede im Bundestag das Volk Deutschlands und die Weltöffentlichkeit auf, dieses Unrecht niemals zu akzeptieren: "Das, was man dort bisher als Staatsgrenze bezeichnet hat – die Schlagbäume am Ostrand des Ostsektors – ist an den Potsdamer Platz und an das Brandenburger Tor vorverlegt worden. […] Für die westlichen Schutzmächte bedeutet der vergangene Sonntag, daß sie aus jenen Viermächtevereinbarungen herausgedrängt worden sind, die sich auf Berlin als Ganzes beziehen. Die Erklärung der Warschauer-Pakt-Staaten und das, was die Zonenregierung, darauf gestützt, verkündet hat, bedeutet in Wirklichkeit auch, daß den Westmächten die Mitverantwortung für Deutschland als Ganzes streitig gemacht wird, und zwar noch vor dem vielerörterten separaten Friedensvertrag […] Darüber hinaus haben die Westmächte in ihren Noten auf die Tatsache aufmerksam gemacht, daß diese einseitige Abänderung des Vier-Mächte-Status von Berlin die Spannung und die bestehenden Gefahren nur vergrößern kann […] Diese Vergrößerung der Spannung ist eingetreten. Sie liegt in der einseitigen Schuld der Regierung der Sowjetunion[…]"

Das was Ulbricht als “Antifaschistischen Schutzwall” anpries, entlarvte Willy Brandt: "Was zusammengehört, ist weiter auseinandergerissen, es wird brutal zerschlagen. Das Recht auf Freizügigkeit wurde zertrampelt. Dabei ist es primitives Menschenrecht, fliehen zu dürfen von einem Land in das andere. Um wieviel mehr gilt das erst, wenn es sich um die Flucht innerhalb eines Landes und innerhalb einer einzigen Stadt handelt."

Und die Gier und Unersättlichkeit von Diktatoren beschrieb Willy Brandt so: "Der sowjetische Ministerpräsident hat die Hälfte seiner Forderungen für das, was er eine „Freie Stadt Westberlin“ nennt, verwirklicht. Er hat sich, was er gefordert hat, selbst genommen. Durch derartige Teilerfolge ist der Appetit noch jeder Diktatur größer geworden."

Willy Brandt gab den Rat sich nicht zu ducken sondern lauten Protest zu erheben: "[…]Der Schutz der Menschenrechte ist eine ureigene Aufgabe der Vereinten Nationen. Den Weg vor das Weltforum kann man sich nicht aufheben für den Fall, daß eine Welt zu brennen beginnt. […] Die Spannung wird nicht verschärft, indem man die Wahrheit sagt, sondern die Spannung wird verschärft, indem einseitige Akte des Unrechts begangen werden […]"

Die Berliner Mauer war 155 km lang und durchschnittlich 3,6 m hoch.

Die Mauer in Israel ist 650 km lang und durchschnittlich 8 m hoch.

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Quelle   Wolfgang Theophil und Hans-Udo Sattler 2011Erstveröffentlichung tv-Orange 12.08.2011