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22.09.2011

Energieverantwortung den Regionen selbst übertragen

Was muss passieren, um nachhaltiges Denken, Leben und Handeln tatsächlich zu realisieren? Man muss uns selbst die Aufgabe und die Verantwortung übertragen. Wir müssen für unser Tun mit unserem Lebensumfeld „grade stehen“. Erst dann liegt uns das positive Ende am Herzen ... Gastkommentar von Manfred Faustmann

Für die Entwicklung von Nachhaltigkeit geht es um fundamentale Änderungen der Gewohnheiten und Lebenseinstellungen. Dabei spielt die Geschwindigkeit, mit der Nachhaltigkeit und Umdenkprozesse „gemanagt“ (also eingeleitet und umgesetzt) werden, eine große Rolle. Wie rasch aus den vielen, bereits bestehenden Keimzellen eine flächendeckende und durchgängige Selbstverständlichkeit wird, macht den fundamentalen Unterschied aus.

Global gesehen und auf die Erhaltung der Handlungsfähigkeit bezogen, ist die flächendeckende Umstiegsgeschwindigkeit hin zu einem nachhaltigen Denken, Leben und Handeln wahrscheinlich der wichtigste Erfolgsfaktor überhaupt.

Umdenken noch nicht an Basis angekommen

Wo stehen wir heute auf unserem Weg zur Nachhaltigkeit?

Hier nur einige Stichworte aus der internationalen Presse:

• 2010: stärkster Anstieg des weltweiten Energieverbrauches seit 1973 und höchster Anstieg der CO2-Emssionen seit 1969 (BP-Statistical Review of World Energy)

• Weltweit etwa 12-mal mehr Förderung für fossile Energien als für Erneuerbare (Bloomberg New Energy Finance)

• Bisherige Klima-Gipfel: nationale Interessen gehen vor – keine Lösung in Sicht

Im kleinen Rahmen ist das nicht anders: steigendes Umweltbewusstsein der Bevölkerung führt noch nicht zu nachhaltigem Verhalten. Die Menschen vergessen schnell und stumpfen ab. Nach wie vor prägen Gewohnheiten und Einzelinteressen das Verhalten. Das Umdenken ist noch nicht an der Basis angekommen.

Sinn geben und Verantwortung übertragen

Die letzten Jahrzehnte belegen, dass all die Appelle und Aufrufe, Zahlen, Daten und Fakten, Gesetze und Vorgaben sowie Ziele, Förderungen und Sanktionen insgesamt nicht den gewünschten Erfolg einer durchgängigen Umdenkbewegung gebracht haben. Warum ist das so -und vor allem, was fehlt noch? Offenbar sind all die bisher getroffenen Maßnahmen noch nicht ausreichend „motivationsstiftend“. Woher soll dann die Kraft kommen, die man braucht, um das Verhalten zu ändern? Was muss konkret passieren, dass man einen Sinn in der Abkehr vom Gewohnten und hin zu einem nachhaltigen Denken, Leben und Handeln erkennt?

Man muss genau diese Aufgabe uns selbst übertragen – die Verantwortung, für unser Tun und Handeln auch mit unserem unmittelbaren Lebensumfeld „grade zu stehen“. In dem Moment, wo wir für eine bestimmte Sache ernsthaft die Verantwortung übernehmen, ändert sich unser Verhalten. Dann liegt uns das positive Ende am Herzen. Und dann ist es uns auch etwas wert. Hier liegt der Schlüssel für die Lösung.

Denk-Richtung umdrehen

Die Frage der Energie wird zum bestimmenden Faktor bei der Entwicklung unserer Gesellschaft. Angenommen, jede (und wirklich jede) einzelne Region bekommt die Energieverantwortung selbst übertragen. Und damit die Verantwortung für Bereitstellung und Versorgung genauso wie für Nutzung und Umgang und deren Auswirkungen bei Umwelt und Klima. Alles was wir „vor Ort verursachen“, müssten wir demnach auch „vor Ort wieder ausbaden“. Ganz automatisch, ohne Vorgaben, Förderungen und Sanktionen wären wir beim sparsamen Umgang, der effizienten Nutzung und den regional verfügbaren erneuerbaren Energien aus Sonne, Wind, Wasser und Biomasse angelangt.

Der Schlüssel für ein wirkungsvolles Energie- und Nachhaltigkeitsmanagement liegt also in einer fundamentalen Richtungsumkehr. Anstatt die Nachhaltigkeit „von oben“ zu verordnen, sollte sie durch das Übertragen von Verantwortung „von unten“ ausgelöst werden.

Nicht die starren Lösungen mit Zielen und Sanktionen per Anweisung vorgeben, sondern für die selbstständige Erarbeitung der individuell besten regionalen Lösung sorgen. Dann steht die Bevölkerung auch dahinter. Es ist ja ihre eigene Lösung.

Jede Gemeinde kann heute bereits beginnen, ihren eigenen Weg frei nach ihren individuellen Möglichkeiten und Voraussetzungen einzuschlagen oder ihre bisherigen Erfolge weiter auszubauen. Die Bürgermeister sind dabei der Dreh- und Angelpunkt beim Umstieg in das neue Zeitalter. Diese Pole-Position auf dem Weg zur Nachhaltigkeit kann ihnen ohnehin niemand mehr streitig machen …

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Quelle   Manfred Faustmann 2011IF-NE GmbH - Initiativen für neue Energien 2011