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11.10.2014

Ökostrom aus der Region statt über die Börse

Genossenschaft in Franken vor Gründung.

Viel Stromkunden wünschen sich, Ökostrom direkt aus den Anlagen in ihrer Region zu beziehen. Diese Regionalstromvermarktung lässt die Kaufkraft in der Region, stützt die regionale Wirtschaft, dient aktiv dem Klimaschutz und der Energiewende. Mit der Ökostromvermarktung kann auch eine Stadtumlandbeziehung hergestellt werden, so dass die ländlichen Räume ihre Stromüberschüsse aus Sonne, Wind, Wasser und Bioenergien in die regionalen und städtischen Zentren liefern, die oftmals nicht genug Flächen haben, um den benötigten Ökostrom selbst zu erzeugen.

Die Genossenschaft Franken will genau diese Ziele zusammen mit ihrem regionalen Zentrum Nürnberg erreichen.

„Strom aus der Region – für die Region“

Die heutige Vermarktung von Ökostrom hat zwei entscheidende Nachteile: Mit der Direktvermarktung über die Marktprämie verliert Ökostrom seinen Herkunftsnachweis und wird als Graustrom verkauft. Außerdem haben Verbraucherinnen und Verbraucher keinen Bezug zur Stromerzeugung, da dieser „irgendwoher“ kommt. Diesen Umstand will die neue Genossenschaft „Regionalstrom Franken“ beseitigen, indem sie Klein- und Mittelerzeuger aus Franken bündelt und den Strom gemeinsam mit Stadt- und Gemeindewerken in der Region bis zum Endkunden vermarktet.

Jetzt will sich die Genossenschaft in Bayern gründen. Nach dem Motto „Strom aus der Region – für die Region“ soll der Strombezug für die Bürger direkter und greifbarer werden und langfristig den Photovoltaik-, Biogas- und Windkraftanlagen, die nach 20 Jahren garantierter Einspeisevergütung aus dem System fallen, eine alternative Vermarktung ermöglichen.

Minister Gabriel stellt mit der Streichung des Ökostromprivilegs in der letzten EEG-Novelle die Ökostromvermarkter vor große Herausforderungen. Grundlage für das Vermarktungsmodell von „Regionalstrom Franken“ ist daher zunächst die Direktvermarktung mit Marktprämie, bei der Stromhändler EE-Anlagenbetreiber direkt unter Vertrag nehmen. Auf diese Weise entsteht bei dem Stromhändler eine Bündelung vieler EE-Anlagen in der Region, die nur wenig auf konventionelle Ausgleichsenergie angewiesen sind.

Ein weiterer großer Vorteil des Konzepts besteht darin, dass Erzeugung und Verbrauch näher zusammenrücken. Durch die Bündelung vieler dezentraler Erzeugungsanlagen in der Region sinkt der Bedarf des Netzausbaus und die Akzeptanz in der Bevölkerung für die Energiewende steigt.

Die Umsetzung der Grünstromvermarktungs-Verordnung muss jetzt kommen

Gleichwohl verfügt das Konzept über einen wichtigen Nachteil: Je mehr Beitragszahler sich auf diese Weise dem EEG-Umlagesystem entziehen, desto höher steigen die Belastungen für alle anderen. Daher muss die Bundesregierung endlich die in der EEG-Novelle 2014 verankerte Verordnungsermächtigung für ein Grünstromvermarktungsmodell mit Leben füllen, welches als Ersatz für das weggefallene Ökostromprivileg fungieren soll. Dieses muss so strukturiert sein, dass die Lieferbeziehungen nachvollziehbar sind, die fluktuierenden Anlagen besser in den Markt integriert werden und das Modell insgesamt kostenneutral für das EEG-Konto ist.

Einen spannenden Vorschlag haben hier die Ökostromhändler Naturstrom, Greenpeace Energy, ElektrizitätsWerke Schönau und Clean Energy Sourcing unterbreitet, mehr dazu finden Sie hier

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Quelle   Hans-Josef Fell 2014Präsident der Energy Watch Group (EWG) und Autor des EEG