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22.09.2011

Plädoyer für die Qualitäten der stillen Menschen

Unsere Gesellschaft besteht zu einer Hälfte aus stillen und zur anderen aus lauten Menschen. „Wir brauchen die Nachdenklichen mehr denn je“, so meint die US-Amerikanerin Susan Cain und erläutert in ihrem Buch „Still“, warum das so ist.

Die Autorin bezieht die neuesten Ergebnisse der Hirnforschung in ihrem Buch ebenso ein wie historische Beispiele. Cain sieht dabei vor allem große Potenziale und Vorzüge eines introvertierten Führungsstils in Unternehmen.

Introvertierte haben jedoch heutzutage gegenüber Extrovertierten Nachteile, denn sie sind Bürger zweiter Klasse mit einem gewaltigen Potenzial ungenutzter Fähigkeiten. Unsere Schulen und Arbeitsplätze sind auf Extrovertierte zugeschnitten. Viele Introvertierte glauben, etwas stimme nicht mit ihnen und sie sollten versuchen, als Extrovertierte „durchzugehen“. Das ist eine gewaltige Verschwendung von Begabung, Energie und letztendlich Glück, so Cain in ihrem Buch.

Aber nicht alles ist verloren, wenn man still ist. Aus vielen der „ruhigen Vertreter“ ist sogar richtig was geworden! Sie verfügen über besondere Fähigkeiten. Cain zählt Beispiele auf: Charles Darwin, Eleanor Roosevelt, Mahatma Gandhi und Al Gore. Sie erläutert wie diesen Schlüsselfiguren ihre Introversion zugutegekommen ist und sie dabei Herausragendes geschaffen haben, obwohl oder gerade weil sie Introvertierte waren oder sind.

„Wir brauchen die Nachdenklichen mehr denn je“, so liest man. Aber warum sollen „Stille“ nachdenklicher sein als „Laute“ und warum sollen „Stille“ mehr Bedürfnis nach Ruhe haben als „Laute“? Diese komplexe Thematik zu untersuchen ist nicht einfach und ein differenziertes und gleichzeitig allgemein verständliches Buch darüber zu schreiben offenbar ebenso nicht.

Leider malt Cain in ihrem Buch ein Bild ausschließlich in schwarz und weiß – und das versinnbildlicht schon das Buchcover. Je mehr die Autorin mühevoll versucht zu erläutern, dass das „still sein“ kein Krankheitssymptom ist, desto mehr gewinnt man den Eindruck, mit den Stillen stimmt doch etwas nicht.

Ein Interview, dass der Verlag mit der Autorin geführt hat, endet mit dem Satz: „Das Buch „Still“ ist eines der ersten Bücher zu diesem Thema, aber es wird nicht das letzte sein.“ Was für mich eher klingt wie eine Androhung wird die „Stillen“ unter uns hoffentlich völlig kühl lassen! Zum Glück, denn alles ist gut, so wie es ist!

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Quelle   text & pressebüro – Dr. Thomas Wardenbach, Köln