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29.09.2011

Griechenland ist Steueroase

Griechenland ist für Reiche eine Steueroase, denn die Reichen des Landes zahlen hier schon seit langem keine Steuern. Eine verdrehte (nicht ganz ernst gemeinte) Logik – aber ein bedeutender Grund dafür, dass der Staat bankrott ist und der noch so junge Euro in seiner größten Krise steckt. Wo und wie nicht nur reiche Griechen ihr Vermögen vergraben, das beleuchtet der britische Journalist Nicholas Shaxson in seinem Buch „Schatzinseln".

Steueroasen sind keine exotischen und finsteren Nebenschauplätze der Weltwirtschaft, sie liegen vielmehr mitten in deren Zentrum. Die Hälfte des Welthandels durchfließt eine der Steueroasen, jeder multinationale Konzern bedient sich ihrer regelmäßig. Ihre größten Nutznießer sind nicht Terroristen, Schwarzmarkthändler, Prominente oder Mafiosi – sondern Banken und ihre Großkunden sowie multinationale Konzerne.

Bei Steueroasen geht es nicht nur um Steuern. Es geht um Flucht vor dem Gesetz, Flucht vor Kreditoren, Flucht vor Steuern, Flucht vor ordentlichen Finanzmarktregulierungen – und vor allem Flucht vor demokra­tischer Kontrolle und Verantwortung. Schmutziges Geld, Offshore-Banking und Steueroasen gehören zu den dunkelsten Kapiteln in der Geschichte der Weltwirtschaft. Sie sind entscheidend bei jedem bedeut­samen wirtschaftlichen Ereignis und jedem großen Finanzskandal.

Nicholas Shaxson liefert mit diesem Buch eine umfassende Darstellung der Steueroasen dieser Welt und lässt Insider haarsträubende Episoden erzählen. Besonderes Augenmerk legt der Autor auf den Finanzplatz Schweiz, „einer der weltgrößten Aufbewahrungsorte für schmutziges Geld, der 2009 etwa 2,1 Billionen Dollar auf Offshore-Konten beherbergte“, so Shaxson. „The Guardian“ schreibt zu seinem Buch: „Dieser beunruhigende Urknall von einem Buch ist eine Chronik der Gebrechlichkeit und Verdorbenheit des Kapitalismus.“

Es heißt, das Bankgeheimnis sei tot.

Die OECD habe eine neue Ära der Transparenz eingeführt. Nicholas Shaxson sagt: Falsch! Die OECD betreibt reine Schönfärberei, und viele Journalisten sind auf die Lügen hereingefallen. Wie ich in Schatzinseln aufzeige, ist das Offshore-System so mächtig wie nie zuvor.

Es heißt, Steueroasen seien Vorposten der Freiheit.Nicholas Shaxson sagt: Für die Mehrheit der Bürger dieser Welt ist das Gegenteil der Fall. Steueroasen bieten reichen und mächtigen Eliten finanzielle Freiheit, aber dies ist – um Stéphane Hessels Empört euch! zu zitieren – die unkontrollierte Freiheit des Fuchses im Hühnerstall: Freiheit für den Fuchs – keine Freiheit für die Hühner.

Es heißt, Steueroasen seien reiche Länder, folglich sei die Steueroase ein Geschäftsmodell, dem andere Länder folgen sollten.Nicholas Shaxson sagt: Richtig, Steueroasen sind in der Regel reicher als andere Länder. Das spricht aber genauso wenig für das Modell Steueroase wie der Reichtum eines korrupten Diktators und seiner Spießgesellen ein Beweis dafür ist, dass Diktaturen eine gute Sache seien.

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Quelle   text & pressebüro – Dr. Thomas Wardenbach, Köln