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24.11.2011

Wir brauchen keine Angst haben in Deutschland

Die neue Streitschrift der Bestsellerautorin Margot Käßmann: Vergesst die Gastfreundschaft nicht!

So stelle ich mir meine Priester und Bischöfe vor, auch in der katholischen Kirche: Dass sie die Text der Evangelien so frisch und wirkungsvoll machen, in dem sie sie in die Lebenswirklichkeit der Deutschen im Jahre 2011 stellen.

Auf nur 44 Seiten stellt die große Theologin mit dem großen Kenntnissen und der großen Offenheit des Herzens alles in Frage, was der Thilo Sarrazin mit einem dicken Buch uns einzureden versuchte, einem Buch das so dick  ist, dass es uns töten kann, wenn uns damit auf den Schädel eingeschlagen wird. Deutschland schaffe sich ab, weil wir vier Mio. Muslime hier haben. Muslime wanderten hier in die Sozialleistungen ein. Sie sind auch zu fruchtbar, und Thilo Sarrazin hat was gegen Fruchtbarkeit.

Dagegen setzt die  Evangelische Theologin auf – altmodisch gesagt – Gastfreundschaft. Und auf das Einwanderungsland Deutschland. Und darauf, dass wir die Angst verlieren, die die Pastorin so in den USA mit ihrem Optimismus nicht kennen. Sie nimmt alles mit großem Respekt auf, auch den arabischen Frühling, wo sich Wertvorstellungen zeigten, „die ebenso von Freiheit und Gleichheit geprägt seien und „von Entfaltungsmöglichkeiten und demokratischer Hoffnung“ wie in Europa.

Es fehlt uns – christlich gesagt die starke Gewissheit, dass wir keine Angst haben sollen. Und es fehlt uns das, was die Theologin eine Begegnungskultur nennt, es fehlt uns Neugierde auf das Fremde. Obwohl zig Millionen unserer Landsleute mehrmals im Jahr in die Malediven und Kanaren, nach Südafrika, Kenia und Bali fliegen.

Und sie macht sich solidarisch mit dem katholischen Theologen Hans Küng, und ist mit ihm der Meinung: Erst der Friede der Religionen.

Sie ist ganz einverstanden mit dem Vorsitzenden des Zentralrats der Muslime und dem stellvertretenden Grünhelme Chef Aiman Mazyek: Was uns in Deutschland weiter fehlt, sagte diese 2010 in der ZEIT, sei eine „europäisch-muslimische Gelehrsamkeit, sind muslimische Intellektuelle, die den Islam in seiner europäischen Ausprägung und das Leben hier kennen“.

Sie will sich in die Reihe so vieler stellen, die uns gelehrt haben, wie man Frieden und Versöhnung betreibt. Dazu gehört der fromme Paschtune Khan Abdul Ghaffar Khan, der den Widerstand gegen die Briten leitete. Oder der buddhistische Mönch Maha Ghosananda, der in Kambodscha für Versöhnung eintritt.

Gastfreundschaft sei eine süße schöne Pflicht, die eigentlich gar nicht Pflicht sei, wenn wir das biblische Wort aus dem Hebräerbrief 13,2 aufnehmen und wahrmachen: „Vergesst die Gastfreundschaft nicht, denn durch sie haben einige, ohne es zu ahnen, Engel beherbergt“.

Es gäbe auch in unserer Gesellschaft mehr zu bewundern als zu kritisieren. So erzählt sie vom Volkstrauertag in Hannover, wo ein junger Mann türkischer Herkunft den Kranz für die gefallenen deutschen Soldaten niederlegte. Oder sie erinnert an Satz aus den Studien des Soziologen Christian Pfeiffer: „Wo türkische Kinder mit deutschen Geburtstag feiern, sinkt die Kriminalität.“

Wir müssen den Jugendlichen aus den geburtenstarken Völkern Afrikas mehr bieten, als nur Abgrenzung, militärische Abwehr und Mauern. Wir müssen auf sie zugehen, wir sollen uns sogar in unserer schrumpfenden deutschen Bundesrepublik auf sie freuen und das große Herz der Inkulturation beweisen.

Die Streitschrift lässt noch offen, wie das geschehen kann. Aber alle Leser sind aufgefordert, daran mitzuwirken.

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Quelle   Rupert Neudeck 2011Grünhelme 2011