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28.07.2012

Wärme aus der Tiefe der Erde nutzen

Neues BINE-Fachbuch zur Geothermie.

Geothermie soll künftig viel stärker als bisher zur Energieversorgung in Deutschland beitragen. Die natürliche Wärme aus einer Tiefe zwischen 400 und 4.000 m kann in Wärmenetze eingespeist oder in speziellen Kraftwerken zur Stromerzeugung genutzt werden. Das jetzt erschienene BINE-Fachbuch „Geothermie – Energie aus dem Innern der Erde“ führt in die geologischen Grundlagen ein, stellt ausführlich hydro- und petrothermale Systeme vor und diskutiert die weiteren Forschungsziele.

Die tiefe Geothermie nutzt entweder natürliche Warmwasservorkommen (hydrothermale Anlagen) oder die im Gestein gespeicherte Wärme (petrothermale Systeme). Beiden können zur Wärmeversorgung (ab ca. 60°C) oder zur Stromerzeugung (ab ca. 100°C) eingesetzt werden. 2011 waren in Deutschland 17 größere Geothermieanlagen in Betrieb, darunter fünf Kraftwerke. Für 150 weitere geplante Projekte wurde eine bergrechtliche Aufsuchungserlaubnis erteilt.

Das neue BINE-Fachbuch richtet sich besonders an Planer und Studierende. Schwerpunktthemen sind das Fündigkeitsrisiko, die Bohr- und Erschließungstechnologien und die Umweltbilanz. Auch dem Risiko seismischer Ereignisse durch die Erschließung und den Betrieb geothermischer Anlagen, das von der der Öffentlichkeit sehr aufmerksam wahrgenommenen wird, ist ein eigenes Kapitel gewidmet. Hier werden geologische Ursachen und technologische Vermeidungsstrategien beleuchtet.

Besonders im süddeutschen Molassebecken, der Region zwischen Donau und Alpen, wächst die Zahl der hydrothermalen Anlagen. Die Region ist eines der bedeutendsten Reservoires hydrothermaler geothermischer Energie in Deutschland neben dem Oberrheingraben und dem Norddeutschen Becken. Diese drei Thermalwasserregionen repräsentieren allerdings nur 1 Prozent des geothermischen Potenzials in Deutschland, während 99 Prozent in den tiefen Gesteinen gespeichert ist.

Um diese Wärmevorkommen nutzen zu können, arbeitet die Forschung an der Optimierung der geologischen Kenntnisse und der Weiterentwicklung der eingesetzten Technologien. Geothermie bietet nicht nur in Deutschland Chancen, sondern ist weltweit eine erneuerbare Energietechnik im Wachstum. Im Jahr 2010 gab der Geothermische Weltverband bekannt, dass aus 79 Ländern Daten zur direkten Nutzung der Geothermie für die Bereitstellung von Wärme und Kälte vorliegen. Sie repräsentieren eine installierte Leistung von 50.583 MW. Gegenüber der letzten weltweiten Datenerhebung von 2005 ist die Leistung um fast 80 Prozent gewachsen.

Die Autoren des BINE-Fachbuchs sind Werner Bußmann, langjähriger Geschäftsführer der Geothermischen Vereinigung und weitere renommierte Experten aus der Geothermieforschung: Unter anderem enthält das Buch Beiträge von Ernst Huenges, Reinhard Jung, Frank Kabus, Martin Kaltschmitt, Oliver Kohlsch, Horst Rüter, Ali Saadat und Helmut Tenzer. Alle Autoren können auf langjährige Erfahrungen in der Geothermieforschung und -entwicklung zurückblicken und haben zum Thema Geothermie eine Vielzahl von Veröffentlichungen erstellt und zahlreiche Vorträge gehalten.

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Quelle   BINE | mi 2012