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13.02.2013

Brüder zur Sonne, zur Solaranlage

Wer hätte das geahnt, dass es ein Sonnenbuch - nein nicht vom Franziskus von Assisi, sondern - von Robert Jungk gibt. Untertitel: „Bericht vom Anfang einer neuen Zukunft“. Zu einem hinterlassenen Buch von Robert Jungk. Von Rupert Neudeck

Ein schmaler Band mit nicht mehr als 154 Seiten ist eine Fundgrube für den ökologisch und Sonnen-Interessierten. Robert Jungk ist schon 1994 in Salzburg gestorben und jetzt bekommen wir diese wunderbaren Aufsätze hier in einem Band zusammengefügt und gebunden.

Das Buch rührt an die Orte der größten Anti Naturkatastrophe in Los Alamos, aber auch an die Überlieferungen der bedrohten Völker, z.B. der Indianer. 1978 bekam Robert Jungk den Besuch eines der Hopi- Ältesten, James Kootshongsie, der im Auftrag seines Stammes in Europa seine warnende Stimme des Sonnenklans überbrachte. Jungk selbst gesteht, dass er anfangs große Schwierigkeiten hatte, diesen pathetischen Ton zu überwinden, in dem die Mitteilung enthalten war.

Kootshongsies Europareise war der dritte Versuch der Indianer, ihre Mitmenschen zum Umdenken und Neuhandeln zu bewegen. Jungk las die Mitteilung der Indianer: „Ich bin die Sonne, der Vater. Mit meiner Wärme sind alle Dinge erschaffen. Ihr seid meine Kinder und ich bin sehr um euch besorgt.“

In dieser Zeit funktionierten der Aufruf und die Mahnung. Die Welt fing an zu begreifen, dass der politische Kampf, so Robert Jungk, nicht nur gegen die Ausbeutung der menschlichen Arbeitskraft, sondern auch gegen die Ausbeutung der Natur geführt werden musste. Der Kampf für die Gerechtigkeit wurde erweitert zu einem Kampf für die Gesetze der Lebendigen. Jungk erinnert in seinem Buch an die noch naturnah lebenden bedrohten Völker.

Es waren nicht nur die Indianer, das waren die Maori, die Papuas, die Eskimos und einige afrikanische Stämme. Das dramatische Kapitel ist überschrieben das „Doppelgesicht von Los Alamos“. Jungk hatte ja in Los Alamos trotz der Geheimdiensthysterie recherchieren können, dem Ort in New Mexiko, wo die ersten Atombomben entworfen und zusammengebaut wurden. Gerade hier wurde nach der Wissenschaft der Massenvernichtung eine andere betrieben und gelehrt, die der Wirkungen der Sonnenstrahlen.

Jungk war 1949 zum ersten Mal dort. 1955 war aus dem Kriegsprovisorium längst die Hochburg noch furchtbarerer Waffen geworden, die in zahlreichen Labors erprobt und in den tiefen umliegenden Canyons erprobt wurden. Zwei Drittel aller Nuklearwaffen des US-Arsenals sind in diesen Schluchten entworfen und entwickelt worden. Jungk: „Sie wurden alle kleiner, leichter, zielsicherer und zerstörerischer als der ‚Little Boy’ und der ‚Fat Man’, die 1945 über Japan gezündet wurden“. Aber es gab dann eben in Los Alamos auch die „Solar Energy Research Group“.

Jungk besuchte 1973 die „Sonnengruppe“ die unter Leitung von Doug Balcomb arbeitete. Das erste, was die Sonnenwissenschaftler verlangten: das Ende der Geheimhaltung, die ja alle Nuklearversuche umgab. Die „Solar People“, so bekam Jungk heraus, wurden von den Nuklearforschern und Waffenentwicklern offen beneidet, weil sie etwas Sinnvolles taten.

Das Buch lebt von der Betonung des sinnvollen Arbeitens mit der Sonne und der Ablehnung der Rüstungsspirale.

Es sind unglaublich eindrucksvolle Sätze, die Jungk dazu formuliert: „‚Cruise Missiles’, die elektronische Hindernisse umfliegen können, Laserstrahlen, die feindliche Raumsatelliten killen sollen und weitere Erfindungen der ‚weapons scientists’“. Das alles wird von biederen Männern erfunden (es sind in der Tat ausschließlich Männer), die nicht auffallen, wenn man ihnen begegnen würde. „Teufel sehen heutzutage nicht satanisch aus“, schrieb Jungk, sie reden sich selber ein, dass sie pflichtgemäß handelnde Staatsbürger sind und nichts Böses tun.

Er beschreibt Pioniere der Solar-Bewegung, deren Namen heute niemand mehr nennt, die aber heraus und ans Tageslicht gehoben zu werden verdienen. So Peter van Dresser im Potroro Valley. Er war 1949 hierhergekommen, ans Ende der Welt, in ein abgelegenes Tal im Norden Neumexikos, das er in „eine Landschaft für Menschen“  verwandeln sollte.

Heute sei Portrero Valley ein Versuchslabor für „Life Technics“, wie van Dresser seine Bemühungen nennt, nur solche Werkzeuge oder Anlagen zu schaffen und zu benutzen. die sich in den Kreislauf von Wasser, Wind, Licht und Erde einfügen. Neil Withers ist der andere, der van Dresser kennenlernte und sich ihm ganz anvertraute. Dresser und seine Frau kamen mit der Botschaft: „Schaut euch nicht nur an, was man mit Vernunft und Liebe aus einem Stück Erde machen kann, versucht es selbst.“

Das Buch zeigt, wie es schon weit vor dem deutschen EEG (Erneuerbares Energie Gesetz) einen Solar Boom gab, der fast den „gold boom“ erreichte und tatsächlich in Kalifornien stattfand. Der Gouverneur von Kalifornien Jerry Brown war einer der größten Pioniere in der Geschichte erneuerbarer Energien. Robert Jungk hat in den Diskussionen mit Jerry Brown zum ersten Mal in seinem Leben das Gefühl, „an einer wahrhaft demokratischen Beratung teilzunehmen“. In den Medien wurde Brown als komischer Vogel dargestellt, „mönchischer Lebensstil, Schwärmerei für eine Schlagersängerin, Praktik des Zen-Buddhismus“ lassen ihn als weltfremden Schwärmer erscheinen

Aber Jungk erlebte einen Politiker mit Phantasie, realen und praktischen Formen der Umsetzung. Er wurde belächelt von vielen, wenn er „mit dem Fahrrad ins Amt fuhr. Das tat er nicht nur, um Benzin zu sparen, sondern um der rush hour am Morgen zu entgehen und schneller ans Ziel zu kommen als in „der fetten motorisierten Staatskarosse“.

Gleich darauf, solche Beispiele stecken ja an, hatten sich hundert weitere Beamte auf das Fahrrad gesetzt, um den Gouverneur zu imitieren. Dieser hatte im Hauptverwaltungsgebäude in Sacramento einen Parkplatz für Fahrräder eingerichtet. Es entstand in dieser Zeit das vierstöckige „Bateson Building“ als Beispiel für ästhetische wie sonnenenergieeffiziente Architektur.

In der Zeit von Jerry Brown wurden in Kalifornien, weit vor Hermann Scheer und dem EEG, bis 1980 (!!) 70.000 Solaranlagen installiert, ein Drittel von allen, die es in den USA damals gab. Es gab eine Steuerabschreibung von 55 Prozent für solare Installationen, dazu 22 Gesetze des Parlamentes in Kalifornien, die sowohl „aktive“ wie „passive“ Sonnenanlagen begünstigten, manchmal sogar vorschrieben.

Jerry Brown zog mit seinem Solar- und Energiewende-Programm 1974 in den Wahlkampf gegen einen TV-Star namens Ronald Reagan und konnte Millionen konservativer Bürger für seine Politik „gegen die Verdunkelung der Sonne durch Industrieabgase und gegen den Mord an Naturschönheiten“ zu sich rüberzuziehen.

Robert Jungk wusste um die psychologischen Hindernisse, die der sanften Energiewende im Weg standen. Es waren finanziell und psychologische Hindernisse, z.B. das geringe Vertrauen in die Zuverlässigkeit der solaren Systeme“. Das Jahrzehnt bis 1990 war in Kalifornien eine Wende.

Das Solaroffice hatte einen Zehnjahresplan vorgestellt: Bis 1990 mindestens 4.9 Mio Wohnhäuser, die durch Sonne geheizt werden. Dazu 5,5 Mio solare Wasserheizanlagen und 400.000 solare Swimmingpoolheizer. Im Silicon Valley arbeitete damals der Photovoltaik Pionier Melvin Calvin, der später den Nobelpreis dafür bekam.

Das war die Zeit des Studentenführer Tom Hayden, der mit seiner Frau Jane Fonda die Campaign for Economic Development gründete. Damals war man der felsenfesten Überzeugung: es sei machbar, dass eine komplexe post-industrielle Gesellschaft wie Kalifornien mit erneuerbaren Energiesystemen funktioniert. Tom Hayden und Jane Fonda meinten allerdings, dass zum Überleben der Menschheit notwendig sei, wie die ökonomische Macht verteilt sei und ob sie weiter in den Händen der großen Konzerne liege.

Das war das Leitziel von Robert Jungk, wir müssen alles tun, von den „weapon people“ und den unglaublichen Anstrengungen im Zeitalter der Angst wegzukommen. Es gilt ganz neu das alte Lied: „Brüder, zur Sonne, zur Freiheit!“

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Quelle   Rupert Neudeck 2013Grünhelme 2013