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14.02.2013

Kavango-Zambezi

Das gewachsene globale ökologische Bewusstsein und die internationale Kommunikation eröffnen neue kooperative Konfliktlösungen. Im März 2012 unterzeichneten fünf afrikanische Länder einen Vertrag, der zum größten grenzüberschreitenden Naturschutzgebiet der Welt führte: Kavango-Zambezi. Menschen und Tiere erhielten so die Chance auf ein friedliches Nebeneinander. Eine Rezension von Udo E. Simonis

Eine Viertelmillion Elefanten leben im Einzugsgebiet der Flüsse Okavango und Sambesi, rund 100 000 davon im Norden Botswanas, wo sie einmal am Rande der Ausrottung standen. Dieser Erfolg des Artenschutzes stellte das Land vor große Probleme, denn die hohe Elefantendichte führte zu Konflikten mit den Landnutzungsinteressen der Bevölkerung und bedrohte die lokale Flora und Fauna. Historisch ist man den Überbeständen an Wildtieren mit gezielten Tötungsaktionen begegnet. Das gewachsene globale ökologische Bewusstsein und die internationale Kommunikation aber eröffnen und erzwingen andere, kooperative Konfliktlösungen.

Im März 2012 unterzeichneten, nach Jahren der Gespräche und Verhandlungen, fünf afrikanische Länder - Angola, Botswana, Namibia, Sambia und Simbabwe - einen Vertrag, der zum größten grenzüberschreitenden Naturschutzgebiet der Welt führte: KaZa, die Kavango Zambezi Transfrontier Conservation Area.

Auf einer Fläche von der Größe Schwedens wird den Wildtieren eine Erweiterung ihrer Lebensräume eröffnet mit der Möglichkeit, ihre traditionellen Migrationen über die Staatsgrenzen hinweg wieder aufzunehmen und so ihren Bewegungsradius zu vergrößern. KaZa verbindet Dutzende Naturschutzgebiete der fünf beteiligten Länder zu einem einzigartigen Gebiet der Artenvielfalt, das auch einige spektakuläre Naturwunder einschließt, wie die Viktoriafälle und das Okavango-Delta (das zu den größten Schutzgebieten der Ramsar-Konvention gehört).

Doch nicht nur für den Naturschutz, auch für die lokale, überwiegend ländliche Bevölkerung ist KaZa von potenziell großer Bedeutung. Nicht nur, aber vor allem auch durch die mit dem Tourismus verbundene regionale Entwicklung. Die Idee eines Gebietes ohne Grenzen, das von Touristen mit nur einem Visum bereist werden kann, ist zwar noch nicht vollends verwirklicht, aber auf den Weg gebracht.

KaZa ist eine Wortschöpfung aus der englischen Schreibweise der Flüsse Kavango (auch Okavango genannt) und Zambezi, der beiden zentralen Wassersysteme im südlichen Afrika. Der KaZa-Naturpark selbst ist ein Netzwerk von Gebieten mit unterschiedlichem Schutzstatus in den beteiligten fünf Ländern. Der flächenmäßig kleinere Teil davon sind Nationalparke oder staatliche Game Reserves. Sie sollen das gesamte natürliche Ökosystem einer Region schützen und unterliegen strengen Regeln: Straßen und Wege dürfen nicht verlassen werden, nächtliche Ausflüge sind untersagt, es besteht Jagdverbot, und vorhandene natürliche Ressourcen dürfen nur begrenzt genutzt werden.

Weniger strengen Auflagen unterliegen die Schutzgebiete in kommunalem oder privatem Besitz. Diese Gebiete haben in den beteiligten Staaten höchst unterschiedliche Bezeichnungen: Wildlife Management Areas, Safari Areas, Conservancies, Game Management Areas, Freehold Wildlife Management Units. Ihre Bestimmung ist es, die Habitate und Populationen der Wildtiere zu schützen und gleichzeitig ein aktives Management und menschliche Intervention zu erlauben. Diese Art der Schutzgebiete nimmt in den fünf KaZa-Ländern eine deutliche größere Fläche ein als die der Nationalparke.

Von geringerem Ausmaß sind dagegen die Waldreservate, die auf den Erhalt der Baumbestände abzielen und nur eine staatlich geregelte Nutzung des Waldes zulassen. Generell gilt für jedes dieser Schutzgebiete die Nachhaltigkeit als Grundprinzip der Nutzung, das als eine Trias von Zielen ausgelegt wird: Schutz der Natur, Bekämpfung der Armut in den ländlichen Gebieten, Kooperation und Frieden zwischen den Nachbarstaaten.

Was die Entstehungsgeschichte des KaZa-Projekts angeht, greifen die Autoren historisch weit zurück. Im Jahre 1914 schufen Schweden und Norwegen anlässlich des hundertjährigen Friedens zwischen den beiden Ländern „Morokulien“, den ersten grenzüberschreitenden Naturpark der Welt. Der „Peace Park“ wurde danach zu einer globalen Idee, die besonders von der IUCN (Weltnaturschutzorganisation) gefördert wurde.

Wie auf keinem anderen Kontinent waren die Naturräume Afrikas durch koloniale Grenzziehungen fragmentiert worden. Seine Ökosysteme werden durch die damit verbundenen künstlichen Barrieren (wie z. B. Grenzzäune) bis heute in starkem Maße beeinträchtigt. Kein Wunder also, dass die Idee des Peace Park in Afrika auf großes Interesse stieß – und so auch für KaZa wichtig wurde. Dem entsprechend spielte die „Peace Park Foundation“ eine wichtige Rolle bei der Begründung und Einrichtung der grenzüberschreitenden Schutzgebiete im südlichen Afrika. Auch andere Nichtregierungsorganisationen und Einzelpersonen waren dabei wichtig.

Die Autoren loben insbesondere Anthony E. Rupert und Nelson Mandela. Die deutsche Regierung engagierte sich für einzelne Teile des Netzwerkes im Rahmen der bilateralen Entwicklungshilfe. Andere treibende Kräfte hinter der Verwirklichung von KaZa aber seien die Umwelt- und Tourismusminister der beteiligten Staaten gewesen. Endlich einmal, so möchte man ausrufen, eine konstruktive Charakterisierung der Politik.

Das vorliegende Buch enthält eine plausible Begründung des Konzepts der grenzüberschreitenden Naturparke und beschreibt die Position der fünf hierbei beteiligten Länder und ihre unterschiedlichen Schutzgebiete im Detail. Das alles ist von den Autoren gut verständlich und übersichtlich dargestellt. Bezaubernd und überwältigend schön sind die großformatigen Fotografien von Pietro Sutera, die ein essentieller Teil des Buches sind. So ist denn das Urteil erlaubt, dass dies ein Umweltbuch mit einer wirklich guten Botschaft ist: Es gibt Hoffnung für den Arten- und Naturschutz - und Afrika ist nicht verloren.

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Quelle   Udo E. Simonis 2012 ist Professor Emeritus für Umweltpolitik amWissenschaftszentrum Berlin (WZB) und Kurator der Deutschen Umweltstiftung