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09.05.2013

Wahre Religion ist die Wissenschaft vom Glück

Nach dem Buch von Harpe Kerkeling „Ich bin dann mal weg. Meine Reise auf dem Jakobsweg“ (Piper München 2009) hat uns Franz Alt mit seinem Pilgerbuch einen weiteren alternativen Weg gezeigt: Aufbruch zur Achtsamkeit. Wie Pilgern unser Leben verändert. Von Rupert Neudeck

So gibt es in dem Buch die Reise, die man am besten eben zu Fuß macht, von Oslo an dem Lillehammer vorbei bis nach Trondheim/Nidaros. Franz Alt ist mit einem Pilgerpastor Bernd Lohse und seiner Frau zusammen gewesen auf diesem Pilgerweg. Er hat den längsten Beitrag dazu geschrieben. Er zitiert wie ein Zauberer, der immer gleich die richtige Stelle findet aus dem Markusevangelium 4.26-29: Mit der neuen Welt Gottes sei es wie mit der Saat und dem Bauern.

„Hat der Bauer gesät, so legt er sich nachts schlafen, steht morgens wieder auf und das viele Tage lang. Inzwischen geht die Saat auf und wächst; wie das versteht der Bauer selber nicht. Ganz von selbst lässt der Boden die Pflanzen wachsen und Frucht bringen. Zuerst kommen die Halme dann bilden sich die Ähren, und schließlich füllen sie sich mit Körnern, Sobald das Korn reif ist, fängt der Bauer an zu mähen, dann ist Erntezeit“.

Wunderbar, wie sich die Exegese des Textes ganz alltäglich-praktisch  vollzieht, nicht in akademischen Bahnen. Die Sonne scheint von selbst, das Wasser fließt von selbst, der Wind weht von selbst. Das Mitfühlen mit allem Lebens ei der Kern der jesuanischen Botschaft. Und immer an die Kraft der Träume glauben. 1997 hatte Franz Alt, woran er in dem Buch erinnert, den Vorschlag in einer Sendung gemacht, den NATO Stützpunkt Pferdsfeld in Rheinland Pfalz aufzugeben und dort einen Solarpark zu errichten.

Damals hätten alle gedacht, jetzt ist der Franz Alt endgültig durchgedreht. Aber 2012 durfte er auf dem frei gewordenen Militärgelände den größten Solarpark von Rheinland Pfalz einweihen. Der Platz produziert Strom für 20.000 Menschen und erspart der Umwelt pro Jahr 17.000 Tonnen CO2 Treibhausgase.

Ich würde Jesus weder ökologisch noch pazifistisch nennen, weil wir ihn dann zu einem Bindestrich-Jesus machen, er ist das alles schon, bevor wir diese aufteilenden Begrifflichkeiten erdacht und erfunden haben. Die Natur des großen Gottes beweist, dass wir dagegen kleine Halunken und Verbrecher sind, die ihm nicht das Wasser reichen können.

Entscheidend, so ist der Leser ganz einig, nicht nur, dass wir die Wahrheit kennen und erkennen, sondern, dass wir sie tun. Seine Gegner konfrontierten Jesus bis hin zu unserem Friedrich Nietzsche mit dem Vorwurf: „Ihr tut ja nicht was ihr sagt!“ Und: Ihr seht ja nicht so erlöst aus, wie ihr behauptet, dass ihr wäret.

Der Olavsweg, wie man den Pilgerweg in Norwegen auch nennt, kommt man dann irgendwann an. Der Weg wurde zu einem Exerzierweg für Achtsamkeit. Der Pastor segnet sie vor dem Dom in Nidaros mit dem Wasser aus dem Pilgerbrunnen. Es war für den Franz Alt wie eine zweite Taufe.

Dann wird das Gotteshaus dreimal singend umrundet – wieder mit Tränen des Glücks in den Augen:

  • Lobe den Herren, meine Seele,
  • und Seinen Hochheiligen Namen.
  • Was er dir Gutes getan hat,
  • Seele vergiss es nicht, Amen.

Franz Alt hat sich natürlich auch selbst ein kleines Erinnerungsbild gesetzt. Er sei einer Lernender und als solcher nur in Rente. Die Einteilung in ein Leben vor und nach der Rente sei einfach albern. Er sei ein „Festangestellter des Lebens und der Sonne“ und deshalb als Lernender bis zum letzten Atemzug beschäftigt. Die entscheidende Frage habe schon vor zwei Generationen Karl Kraus gestellt: „Gibt es ein Leben vor dem Tod?“

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Quelle   Rupert Neudeck 2013Grünhelme 2013