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Depositphotos | Anton Chalakov

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Ärzte warnen vor internationaler Eskalation des Syrien-Krieges

Angesichts der zunehmenden Beteiligung ausländischer Armeen am Syrien-Krieg warnt die ärztliche Friedensorganisation IPPNW vor einer internationalen Eskalation.

Sie ruft alle Beteiligten auf, an den Verhandlungstisch zurück zu kehren und ihre Kampfhandlungen einzustellen. Ein Weg, den Konflikt politisch zu beenden liegt in der zügigen Belebung der Syrien-Kontaktgruppe aus Russland, USA, Türkei, Ägypten, Iran, Saudi-Arabien, dem Uno-Sondergesandten Staffan de Mistura und weiteren Ländern.

Neben der syrischen Armee, den Kampftruppen des sogenannten „Islamischen Staates“, diversen bewaffneten Rebellengruppen, aus dem Ausland unterstützten Milizen und regulären Einheiten der Hisbollah und der iranischen Armee beteiligen sich nun auch die USA, Frankreich, Russland und Israel mit Luftschlägen an diesem blutigen Krieg – einem Krieg, der Tag für Tag mehr Menschenleben kostet, Existenzen zerstört, große Teile der Bevölkerung bereits aus ihrer Heimat vertrieben hat und die Aussicht auf eine friedliche Lösung der inner-syrischen Konflikte in weite Ferne rücken lässt. Die Zahl der Toten, Verwundeten, Verwaisten und Vertriebenen überschreitet bereits jetzt die menschliche Vorstellungskraft und heizt die Spirale der Gewalt weiter an.

Obwohl die Golfmonarchien, die Türkei, Russland, der Iran, Israel, die USA und die EU bereits seit Beginn des Konflikts Kriegsparteien in Syrien unterstützen und aufrüsten, ist durch die aktive Teilnahme hochgerüsteter ausländischer Armeen an den Kampfhandlungen aus Sicht der IPPNW nun eine neue Eskalationsstufe erreicht.

Die zunehmende Internationalisierung erhöht die Gefahr einer ungewollten militärischen Konfrontation der beteiligten Weltmächte. Besonders besorgniserregend ist die Tatsache, dass mit Frankreich, den USA, Russland und Israel vier Atomwaffenmächte unterschiedliche Kriegsziele in Syrien verfolgen und nicht-koordinierte Luftangriffe fliegen. „Die Möglichkeit einer direkten militärischen Auseinandersetzung israelischer, französischer, russischer oder US-amerikanischer Einheiten birgt ein gefährliches Eskalationspotential,“ so Susanne Grabenhorst, Vorsitzende der deutschen IPPNW. Auch wenn Russland seine jüngsten Luftschläge kurz vorher den USA und Israel ankündigte und diese aufrief, den syrischen Luftraum zu meiden, wächst mit jedem Kampfeinsatz das Risiko einer militärischen Konfrontation über die Grenzen Syriens hinaus. Schon im Januar starben mehrere iranische Soldaten sowie ein ranghoher General durch einen israelischen Luftangriff. Ähnliche Ereignisse könnten bald zur Regel werden und die Situation zwischen Israel und dem Iran, aber auch zwischen Russland und der NATO weiter verschärfen. 

„Die Kriegsparteien und ihre internationalen Unterstützer müssen einsehen, dass es für den Krieg in Syrien keine militärische Lösung gibt. Eine Beilegung der inner-syrischen Konflikte durch Verhandlungen mag angesichts des täglichen Horrors des Krieges immens schwierig sein, doch ist dies der einzige Weg, um das Leiden in Syrien zu beenden. Mit jedem weiteren Tag wird eine friedliche Lösung jedoch schwerer zu erreichen – daher darf nicht länger gezögert werden,“ so Grabenhorst.
  
Vom 02.-04. Oktober 2015 veranstaltet die IPPNW in Frankfurt eine Konferenz mit dem Titel „Unser Rezept für Frieden: Prävention“, auf der es um Ansätze ziviler Konfliktbearbeitung geht, Ergebnisse der Friedens- und Konfliktforschung vorgestellt und praktische Beiträge für eine auf Prävention angelegte Friedenskultur diskutiert werden.

Quelle
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