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18.03.2017

Deutsche Klimaziele sind nicht mehr zu retten

Der Ausstoß klimaschädlicher Treibhausgase ist 2016 deutschlandweit gestiegen, das zeigen Daten einer neuen Studie und des Umweltbundesamts. Verantwortlich ist vor allem der Verkehrssektor, die deutschen Klimaziele sind nicht mehr zu erreichen.

Die Studie des Beratungsunternehmens arepo consult für die Bundestagsfraktion der Grünen ist eindeutig: Die Deutschen Treibhausgasemissionen sind im vergangenen Jahr um vier Millionen auf rund 906 Millionen Tonnen CO2-Äquivalente gestiegen. Wie die Nachrichtenagentur dpa meldete, bestätigt eine Prognose des Umweltbundesamts (UBA) die Ergebnisse der Studie. Demnach ist der Hauptschuldige der Verkehrssektor, dort stiegen die Emissionen um 5,4 Millionen Tonnen.

Schuld ist der Diesel

Laut UBA wurde mehr Diesel getankt und der Güterverkehr auf der Straße nahm um 2,6 Prozent zu – anders als der Schienengüterverkehr, der leicht abnahm. Die Lkw-Maut sei zu günstig und die Spritpreise zu niedrig, so Deutschlands oberste Umweltbehörde. Der Diesel-Absatz nahm um 3,5 Prozent zu, Benzin um 2 Prozent. Mit zusätzlichen 4,8 Millionen Tonnen Treibhausgasen ist der Diesel damit im Alleingang für den gestiegenen deutschen Ausstoß verantwortlich, so die Grünen-Studie. Zudem nahm auch der Flugverkehr 2016 erneut zu.

Im Energiesektor sanken die Emissionen zwar leicht, die Kohle-Emissionen gingen um 12,5 Millionen Tonnen zurück. Der Anstieg des Erdgasverbrauchs aufgrund günstiger Weltmarktpreise machte die Einsparungen aber zunichte, die Gas-Emissionen stiegen um 14,2 Millionen Tonnen CO2-Äuqivalente. Hier macht sich das Problem der Energiewende bemerkbar: Während immer mehr Ökostromanlagen gebaut werden, will die Bundesregierung alte und klimaschädliche Kohlekraftwerke nicht vom Netz nehmen. Die massiven Überkapazitäten müssen abgebaut werden, fordern die Grünen. Besonders alte Braunkohlekraftwerke müssten für den Klimaschutz abgeschaltet werden.

Deutsche Klimaschutzziele nicht mehr erreichbar

Die Bundesregierung hat sich verpflichtet, bis 2020 insgesamt 40 Prozent weniger Treibhausgase auszustoßen als 1990. Bislang sind aber nur 27,6 Prozent Minderung erreicht und noch drei Jahre Zeit. Beim Blick auf die Entwicklungen der letzten Jahre wird deutlich: Das Erreichen ist unmöglich. Die Minderung ging nur sehr langsam voran bzw. stagnierte, der nun bekannt gewordene Rückschritt aus dem vergangenen Jahr macht die letzten Hoffnungen zunichte. Um die Verpflichtungen einzuhalten, müsste jetzt der Ausstoß um 40 Millionen Tonnen pro Jahr sinken. Ein sehr unrealistisches Szenario angesichts des Ende 2016 verabschiedeten wenig ambitionierten Klimaschutzplans 2050 der Bundesregierung und die Lustlosigkeit von Kanzlerin Angela Merkel bei dem Thema.

Dabei gibt es mehr als genügend Ansatzpunkte um die Emissionen wirkungsvoll zu senken. UBA-Chefin Maria Krautzberger fordert etwa, das Steuerprivileg für Diesel abzuschaffen und die Lkw-Maut auf das gesamte Straßennetz und alle Lkw-Klassen auszuweiten. Ohnehin muss im Verkehrssektor einiges geschehen, finden Grüne und Umweltverbände. „Deutschland braucht eine nachhaltige Verkehrspolitik, die perspektivisch ohne Verbrennungsmotoren auskommt“, fordert Greenpeace-Energieexperte Niklas Schinerl. „Die Bundesregierung muss diese Verkehrswende heute einleiten, damit sich die Autoindustrie darauf einstellen kann und auch der Verkehr einen Beitrag zum Klimaschutz leistet.“ 

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Quelle   energiezukunft.eu | cw 2017

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