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10.06.2017

Die Welt ist in den letzten 10 Jahren weniger friedlich geworden

Nach dem Global Peace Index 2017 gehören die Länder, in denen die USA mit europäischen Freunden interveniert haben, zu den unfriedlichsten.

 Letztes Jahr ist zwar die Welt etwas friedlicher geworden, aber während des letzten Jahrhunderts ging es eigentlich in die andere Richtung. Dennoch hat es während der letzten 30 Jahre, also nach dem Ende des Kalten Kriegs, einen Rückgang der Militarisierung gegeben. Die Auswirkungen von Gewalt auf die Wirtschaft sind enorm. Dennoch sind die Ausgaben für friedensbildende Maßnahmen viel zu gering, es wird viel mehr Geld für Gewalt als für Frieden ausgegeben. Wo "positiver Frieden" wie derzeit in Europa zurückgeht, wachsen populistische politische Bewegungen. Das ist das Resümee des jährlich vom australischen Institute for Economics and Peace (IEP) veröffentlichten Global Peace Index 2017 (GPI).

Erfasst werden sollen damit Zustände in Ländern nach der Auswertung zahlreicher sozialer, wirtschaftlicher und politischer Faktoren, darunter auch die Zahl der Terroranschläge und der Morde, die Größe der Streitkräfte oder die Ausgaben für Rüstung, die Zahl der Flüchtlinge und der Toten aufgrund interner Kämpfe. Wie bei der Kluft zwischen Reichtum und Armut soll es auch eine wachsende Kluft zwischen Ländern geben, in denen es friedlich zugeht, und solchen, in denen Konflikt herrscht. Am schlimmsten betroffen von Gewalt ist selbstverständlich der Nahe Osten, die Region die die größten Fortschritte zum Frieden erzielt hat, ist Südamerika. Allerdings ist zu beobachten, dass der Krieg im Nahen Osten zunehmend die Gewalt auf der Welt vor allem in Ländern mit großen islamischen Bevölkerungen verbreitet. Insgesamt verbreitet der Bericht ein bisschen Hoffnung, wenn nach ihm 93 Staaten 2016 friedlicher, während 68 unfriedlicher geworden seien.

Die friedlichste Region in der Welt ist Europa, allerdings soll hier der "positive Frieden" abgenommen haben. Gemeint ist damit die optimale Situation für das Gedeihen des "menschlichen Potenzials", das offenbar nach dem Leitspruch des "Unmenschlichen" im Guten und Friedlichen gesehen wird, was die Augen sicherlich vor den menschlichen Potenzialen im Negativen verschließt.

Man kann, wie argumentiert wird, Gewalt als Folge bestimmter Umstände sehen, um daraus den Schluss zu ziehen, dass es theoretisch keine Gewalt mehr geben würde, wenn diese Umstände so verändert werden, dass sie diese auf individueller, gesellschaftlicher, staatlicher und zwischenstaatlicher Ebene nicht mehr triggern. Zu diesen Faktoren werden neben sozialer Kohäsion und Kapital die Entwicklungsmöglichkeiten der Jugend, der Fortschritt in den UN-Entwicklungszielen, die Gleichheit der Geschlechter, die Grundlagen des Wohlstands, die Lebenszufriedenheit der Menschen und auch Wettbewerbsfähigkeit und Unternehmertum gezählt.

Andererseits sollen 8 Faktoren positiven Frieden indizieren: eine gut funktionierende Regierung, eine brummende Wirtschaft, freier Informationsfluss, Anerkennung der Rechte der Anderen, geringe Korruption, großes menschliches Kapital, gute Beziehungen zu den Nachbarstaaten und große Gleichheit in Bezug auf den Zugang zu Bildung und medizinischer Versorgung. Die Einkommensverteilung spiele auch eine Rolle, aber eine weniger große. Dahinter kann man also eine wirtschaftsliberale, auf Kapitalismus und Wachstum orientierte Ideologie vermuten.

Friedenseinsätze "lohnen" sich angeblich

Im Friedlichkeitsindex ist nicht America first, sondern Island, es folgen Neuseeland, Portugal, Österreich und Dänemark. Verwundern mag, dass Kanada an achter Stelle vor der Schweiz gelistet wird, Japan, das schwer aufrüstet, liegt auf zehnter Stelle vor Australien, das sich gerne an Interventionen beteiligt, während Bhutan nach Australien kommt. Deutschland findet sich auf Platz 16 der 163 bewerteten Länder. Die USA werden auf Platz 117 eingestuft, knapp vor China, Russland folgt erst auf Platz 151 nach Nordkorea und vor Pakistan. Ukraine liegt auf Platz 154, die Länder, in denen die USA Koalitionen von Willigen interveniert haben, ganz am Ende: Libyen, Somalia, Jemen, Südsudan, Irak, Afghanistan und an letzter Stelle Syrien.

Die Einbeziehung von sozialem Schutz und sozialer Sicherheit macht ansonsten hoch militarisierte Länder wie die USA oder Israel nach dem Index "friedlicher". Zu den am meisten militarisierten Ländern gehören Frankreich, Saudi-Arabien, Oman, USA, Syrien, Nordkorea, Russland und Israel.

Nach den Schätzungen des GPI kostete Gewalt 2016 14,3 Billionen US-Dollar, was 12,6 Prozent des globalen BIP entspricht, 3 Prozent weniger als 2015. Ohne Gewalt, so ließe sich denn auch sagen, würde eine der treibenden Faktoren des BIP wegbrechen und das Wirtschaftswachstum schrumpfen. Der Rückgang der Kosten sei durch die geringere Zahl der bei Terroranschlägen getöteten Menschen und geringeren Ausgaben für Friedenssicherung, geringere innere Sicherheit und sinkende Kosten in der Folge von Morden zu erklären.

Kriege schlagen nach dem GPI mit 1,04 Billionen US-Dollar zu Buche. Für Friedenssicherung werden gerade einmal 10 Milliarden ausgegeben, also 1 Prozent der Kriegskosten. Dabei sei doch der Return on Investment bzw. die Kapitalrentabilität hier beeindruckend. Bis zu 16 Mal können hier die Kosten einer Intervention angeblich überboten werden, das sei "eine große Gelegenheit für künftige Investitionen". Die Kapitalrentabilität oder der Einfluss auf das BIP durch Kriege wird allerdings nicht erwähnt.

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Quelle   TELEPOLIS | Florian Rötzer 2017 | Weitere Artikel von Florian Rötzer

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