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04.08.2018

Energiewende in den USA

Wie die Republikaner lernen, die Solarenergie zu lieben

Nirgendwo in den USA gibt es mehr Solarzellen pro Einwohner als in dieser Stadt. Zu verdanken hat sie das ihrem autoritären Bürgermeister.

Rex Parris ist nicht unbedingt der Typ, von dem man erwarten würde, dass er eine Revolution anzettelt. Er ist Geschäftsmann sowie Republikaner und möchte, dass die Dinge so laufen, wie er es gewohnt ist.

Folgt man seiner Logik, hat die Arbeit, die er in seinen 10 Jahren als Bürgermeister der kalifornischen Kleinstadt Lancaster geleistet hat, aber auch weniger mit Revolution, als vielmehr mit solider Wirtschaftspolitik zu tun. Die Zahlen jedenfalls geben ihm Recht.

Und dennoch hat er mit seiner Politik eine kleine Revolution auf dem Feld der Energiepolitik entfacht, die sich wie ein Lauffeuer ausbreiten könnte. Und nebenbei sowohl Parteifreunden als auch -gegnern eine krachende Lektion erteilt. Er hat im Eilverfahren eine fast perfekte Energiewende hingelegt und seine Stadt zur Solar-Hauptstadt der USA geformt. Die solare Vollversorgung ist nur noch eine Frage von Monaten.

Den Klimaaktivisten hat er demonstriert: Man muss keinen Verzicht predigen und keine Bäume umarmen, um klimafreundliche Politik durchzusetzen. Seiner eigenen Partei, in der noch immer 3 von 4 Menschen nicht daran glauben, dass der Klimawandel in erster Linie menschengemacht ist, hat er so gezeigt: Das funktioniert, damit lassen sich Wahlen gewinnen – und Geld verdienen.

Rex Parrison sagt über sich selbst: „Ich bin vielleicht Republikaner. Aber ich bin nicht dumm.“

„Die Sonnen-Hauptstadt des Universums!“

„Wir haben hier die perfekte Geografie für Solaranlagen“, sagt Kathy Wells, die die Energieprojekte der Stadt koordiniert. Wolken schaffen es nur selten hierher, die Sonne scheint fast immer, und sie scheint mit voller Kraft. Jetzt im Juni steht sie zur Mittagszeit so hoch am Himmel, dass der eigene Schatten unter den Schuhsohlen verschwindet.

Das Project Sunroof von Google, das digitales Kartenmaterial von Städten auswertet und berechnet, welche Dächer für Solaranlagen geeignet sind, erklärt 97 Prozent der Dächer der Stadt für tauglich. Mehr geht fast nirgends.

Die Stadt Lancaster liegt wie ein breiter, dünner Fladen im Staub der Mojave-Wüste. Obwohl sie mit nur 160.000 Menschen ähnlich viele Einwohner zählt wie Darmstadt, erstreckt sie sich über eine Fläche der Größe Frankfurts am Main. Als ich über den heißen Asphalt des Lancaster Boulevard rolle, der mit ein paar kleinen Läden, Cafés und Sitzgelegenheiten das Herz der Stadt bildet, meine ich, in einem winzigen Kaff gestrandet zu sein: Es ist wenig los, das Einzige, was es hier außer Fast-Food-Restaurants reichlich gibt, sind Platz und Sonne.

Dass genau das – die Sonne und der Platz – das Kapital der Stadt ist, hatte der Geschäftsmann Rex Parris erkannt und seiner Stadt im Jahr 2014 eine Photovoltaik-Kur verordnet, die längst Wirkung zeigt. In nur 4 Jahren ist Lancaster zur Sonnenmetropole der USA geworden, in keiner Gemeinde wird mehr Solarstrom pro Kopf erzeugt als hier.

„Schon diesen September rechnen wir damit, unseren gesamten Strom mit Solarenergie decken zu können«, sagt Kathy Wells voller Stolz. „Wir sind selbst ein wenig überrascht, dass das so schnell ging.“

Hier können Sie den Bericht weiterlesen

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Quelle   Dieser Artikel ist zuerst erschienen auf Perspective Daily und ist bei “energiezukunft“ (Felix Austen) 2018  veröffentlich – der Artikel darf nicht ohne Genehmigung weiterverbreitet werden! | energiezukunft | Heft 24 / Sommer 2018 | "20 Jahre liberalisierter Strommarkt" | Jetzt lesen | Download | Die Recherche-Reise wird von der Heinrich-Böll-Stiftung Nordamerika gefördert. Alle Geschichten der Reise werden in den kommenden Monaten bei Perspective Daily veröffentlicht.

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