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22.04.2019

Extinction Rebellion: Der Klimaprotest wird radikaler

Wem Schule schwänzen für Klima-Demos schon zu radikal ist, muss sich warm anziehen. Nachdem Fridays for Future die Klimadebatte wiederbelebt hat, kommt die nächste Protestform auf: Extinction Rebellion zielt auf größtmögliche Aufmerksamkeit.

Am vergangenen Montag hörten viele das erste Mal das Wort Extinction Rebellion, zu deutsch etwa: Rebellion gegen das Artensterben. Aktivisten besetzten die Berliner Oberbaumbrücke, eines der Wahrzeichen der Stadt. Zwei Stunden blieben sie, dann trug die Polizei mehrere hundert Demonstranten von der Fahrbahn. Ähnliche Aktionen gab es in mehreren deutschen Städten.

„Wir stehen vor dem globalen ökologischen Kollaps“, begründet Hannah Elsholst von Extinction Rebellion Deutschland die Aktionen. „Unsere Regierung verharrt in empörender Untätigkeit und versagt in ihrer Aufgabe uns vor der Klimakatastrophe zu schützen.“ In den bewussten Regelbrüchen wie Straßen oder Brücken blockieren sehen die Aktivisten die letzte Möglichkeit, auf die Klimakrise aufmerksam zu machen.

„Unsere Aktionen werden friedlich, aber entschlossen sein“

Friedlich soll die Extinction Rebellion, das ist den Organisatoren wichtig. Ihren Ursprung hat die Bewegung in Großbritannien, mittlerweile sind dutzende Ableger weltweit entstanden. Für den April haben die Aktivisten zur „Internationalen Rebellion“ aufgerufen. In Deutschland sind nach eigenen Angaben über 20 Ortsgruppen entstanden. Die Bewegung in Deutschland stellt drei Forderungen:

  1. Die Bundesregierung soll die volle Wahrheit über die ökologische Krise offenlegen und gemeinsam mit den Medien die absolute Dringlichkeit des Wandels an die gesamte Bevölkerung kommunizieren.

  2. Die Bundesregierung muss die notwendigen Maßnahmen verbindlich ergreifen, um die Netto-Treibhausgas-Emissionen in Deutschland bis 2025 auf Null zu reduzieren und das allgemeine Niveau des Ressourcenverbrauchs zu senken.
  3. Eine Bürgerversammlung soll einberufen werden, die diese Maßnahmen begleitet und gewährleistet, dass der Wandel gerecht und demokratisch abläuft.

Mit Flashmobs und Spezialkleber für mehr Aufmerksamkeit

Damit geht Extinction Rebellion über die Forderungen von Fridays for Future noch hinaus. Zum Repertoire der Rebellen gehören auch Flashmob ähnliche Formate, scheinbar spontane Menschenansammlungen. Sie rufen etwa in der Nürnberger Fußgängerzone „Kohleausstieg – jetzt sofort“ und lassen sich auf den Boden fallen und verharren wie tot. Mehr als zwei Dutzend Aktivisten sind meist bei diesen kleinen Aktionen nicht dabei, aber Aufmerksamkeit erzeugen sie und das ist oberstes Ziel.

Wie weit das gehen kann, wurde in dieser Woche in London deutlich: Fast 400 Demonstranten nahm die Polizei fest. Das Vergehen: Sitzblockaden auf wichtigen Straßen und Brücken. Einige Aktivisten klebten sich sogar mit einem Spezialkleber an einen Nahverkehrszug, andere an den Gartenzaun von Oppositionsführer Jeremy Corbyn.

In Deutschland verlaufen die Aktionen weniger spektakulär: Vor dem Gebäude des Bauernverbands in Berlin wurde protestiert, einem Supermarkt ein Massensterben simuliert und der Eingang des Landwirtschaftsministeriums besetzt. In den USA, Frankreich, Schweden, den Niederlanden und Dänemark und anderen Staaten kam es zu ähnlichen Protesten.

(Foto: © David Holt/ flickr.com, CC BY 2.0)   

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Quelle   Der Bericht wurde von der Redaktion “energiezukunft“ (cw) 2019 verfasst – der Artikel darf nicht ohne Genehmigung weiterverbreitet werden! | energiezukunft | Heft 25 / Herbst 2018 | "Baustelle Energiewende - Was jetzt zu tun ist" | Jetzt lesen | Download

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