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16.07.2017

Immer mehr Umweltaktivisten ermordet

Im vergangenen Jahr wurden weltweit mindestens 200 Umweltaktivisten ermordet, im Durchschnitt vier pro Woche.

Zu diesem Ergebnis kommt ein Bericht der Menschenrechtsorganisation Global Witness. Das sind so viele dokumentierte Morde wie nie zuvor. Die Dunkelziffer liegt vermutlich noch höher. Mit 24 Ländern sind Morde zudem in so vielen Staaten wie nie zuvor dokumentiert. 2015 waren es noch 16.

Am stärksten müssen Umweltschützer in Lateinamerika um ihr Leben fürchten. Dort fanden 60 Prozent der Morde statt. Allein in Brasilien waren es 49. Insgesamt gehörte jedes zweite Mordopfer einer indigenen Gemeinschaft an. Die Morde stehen vor allem im Zusammenhang mit dem Widerstand von Aktivisten gegen Bergbauunternehmen, Staudammprojekte und Agrarkonzerne.

Der Bericht stellt zudem fest, dass der Protest von Umweltaktivisten zunehmend kriminalisiert wird. Menschen, die sich gegen Umweltzerstörung wehren, werden als "Kriminelle" oder gar "Terroristen" bezeichnet, werden vor Gericht verklagt und müssen Strafen zahlen. Einen solchen Trend sieht der Bericht auch für die USA.

Viele Umweltschützer wollen sich trotzdem nicht einschüchtern lassen. "Sie bedrohen dich, damit du den Mund hältst", sagte die indigene kolumbianische Aktivistin Jakeline Romero, die seit Jahren gegen die größte Kohlemine des Landes El Cerrejón protestiert. "Ich kann aber nicht still bleiben, wenn ich sehe, was meinen Leuten passiert. Wir kämpfen für unser Land, für unser Wasser, für unser Leben." Die Eigentümer der Mine sind die Energiekonzerne Glencore, BHP Billiton und Anglo-American, die Steinkohle wird auch nach Deutschland geliefert.

Global Witness wirft den Regierungen vor, die Hauptursachen für die Gewalt gegen Aktivisten nicht zu beseitigen: die Durchführung von Großprojekten, ohne die Interessen der Betroffenen vor Ort zu berücksichtigen und ohne diese überhaupt anzuhören. "Protest ist oftmals das einzige, was den Gemeinschaften bleibt, um das Recht auf ihr Land und die vorhandenen Ressourcen geltend zu machen", heißt es in dem Bericht. "Das bringt sie in Konfrontation mit denen, die um jeden Preis Profite machen wollen."

Für den umweltpolitischen Sprecher der Grünen im Bundestag Peter Meiwald gibt es eine Verbindung zwischen dem Bericht und der Politik von reichen Staaten wie Deutschland. "Sie unterstützen Investitionen, über nationale Unternehmen oder die Beteiligung an Entwicklungsbanken, die in den Problemländern lokale Konflikte und Verteilungskämpfe um Natur und Land anheizen", sagte Meiwald. Hier müssten auch die westlichen Staaten sehr viel stärker den Schutz des Rechtsstaats vor die Rohstoffsicherung stellen. "Sie müssen bewusst hinschauen, eigene investive Aktivitäten nachhaltig begleiten und lokale Umweltaktivisten schützen und verteidigen", forderte Meiwald.


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Quelle   Der Bericht wurde von der Redaktion „KLIMARETTER.INFO“ (em) 2017 verfasst – das Nachrichten- und Debattenmagazin zu Klima und Energiewende – der Artikel darf nicht ohne Genehmigung von „Klimaretter.info“ (post@klimaretter.info) weiterverbreitet werden!

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