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16.03.2019

In Deutschland 300.000 bei "Fridays for Future"

Allein in Deutschland streikten rund 300.000 Schülerinnen und Schüler im Rahmen der #FridaysForFuture Bewegung und forderten eine echte Klimapolitik. Mit dabei war Hans-Josef Fell im fränkischen Münnerstadt und möchte seinen Appel an die Schülerinnen und Schüler auch mit Ihnen teilen.

Liebe Schülerinnen und Schüler der Fridays for Future Bewegung

Es ist richtig toll, dass Ihr heute so zahlreich hier seid. In der ganzen Welt stehen heute hunderttausende Jugendliche auf, so wie ihr heute hier in Münnerstadt und kämpfen für ihre lebenswerte Zukunft, ja für das Überleben der Menschheit auf diesem Planeten. Euer jugendlicher Einsatz dafür ist ganz entscheidend wichtig und dafür danke ich euch ausdrücklich.

Meine Generation hat in ihrer Gesamtheit versagt.  Die Lebensgrundlagen für die Menschheit sind höchst gefährdet. Dies ist seit Jahrzehnten das klare und unzweifelhafte Ergebnis der Wissenschaft. Zwar gab es schon seit Jahrzehnten Millionen von Menschen, die sich für den Klimaschutz eingesetzt haben. Doch es gibt Milliarden von Menschen, die sich eben nicht darum kümmern. Insbesondere gibt es Geschäftsmodelle, vor allem bei Großkonzernen aus dem fossilen und atomaren Industriesektor, die ohne Rücksicht auf Umwelt- und Klimaschutz den Untergang der Menschheit auf diesem Planeten befördern.

Wir brauchen aber eine Wirtschaft und menschliches Verhalten, die vollständig mit dem Schutze der Lebensgrundlagen vereinbar sind. Und dafür steht Ihr heute hier, dafür danke ich euch.

Ja, es ist gut, dass ihr während der Schulzeit auf die Straße zum Demonstrieren geht. Das genau ist der Unterschied, der die öffentliche Wahrnehmung groß macht. Viele Millionen Menschen vor Euch haben schon demonstriert; ohne erkennbare Wirkung. Denn im letzten Jahr hat die Erdgemeinschaft eine Rekordmenge an Klimagasen in die Erdatmosphäre emittiert; in eine Atmosphäre die schon längst überbelastet ist.

Ganze Dörfer und Städte fallen inzwischen den durch Trockenheit und Hitze ausgelösten Waldbränden zum Opfer. Riesige Überschwemmungen und Stürme vernichten ganze Existenzen. Erste Südseeinseln sind wegen des ansteigenden Meeresspiegels bereits abgesiedelt. Große Landregionen in Afrika, im Nahen Osten, wie Syrien sind vollständig vertrocknet, die Viehherden verendet und die dortigen Menschen müssen ihre Heimat verlassen. 20 Millionen Klimaflüchtlinge kämpfen heute bereits um das nackte Überleben und versuchen nach Europa und andere Länder einzuwandern.

Ihr habt erkannt, dass der ökologische Zustand auf unserem Planeten schon heute nicht mehr tragfähig ist und deshalb weitere Emissionen endlich gestoppt werden müssen. Nur so kann eine Überhitzung der Erde noch verhindert werden.

Ihr macht es richtig, dass Ihr während der Schulzeit demonstriert.

Gerade wegen den Schulstreiks ist die Aufmerksamkeit auf eure Demonstration so groß. Würdet Ihr in eurer Freizeit auf die Straßen gehen, würde die große Gesellschaft der Klimazerstörer wie bisher unbeeindruckt einfach weitermachen. Daher fordere ich alle Erwachsenen auf, alles zu tun um euch vor Schulstrafen zu schützen. Ich fordere die Schulleiter auf, eure Schulstreiks zu akzeptieren und statt Schulstrafen endlich aktiven Klimaschutz in allen Schulen umzusetzen.

Ich fordere die Kultusminister auf, Gesetzesentwürfe für mehr Klimaschutz einzubringen, statt Schulstrafen anzuordnen. Z.B. die Ziele Klimaschutz und 100% Erneuerbare Energien  in die bayerische Verfassung aufzunehmen. Unterschriftenlisten für ein Volksbegehren dazu habe ich mitgebracht, damit Ihr sie Euren Eltern und Verwandten zum Unterschreiben vorlegt oder selbst unterschreibt, wenn Ihr schon 18 Jahre alt seid.

Liebe Schülerinnen und Schüler, wir müssen uns gemeinsam auch klar werden, was aktiver Klimaschutz wirklich bedeutet. Da heute schon die Atmosphäre mit Klimagasen überfüllt ist, können wir Klimaschutz nur auf zwei Säulen gleichzeitig schaffen: 1.) Es dürfen keine neuen Klimagase mehr in die Atmosphäre entlassen werden und 2.) der überschüssige Kohlenstoff muss endlich umfangreich aus der Atmosphäre entfernt werden.

Greta Thunberg, die schwedische Gründerin eurer tollen Bewegung ist gestern sogar für den Friedensnobelpreis nominiert worden. Sie hat auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos vor kurzem völlig richtig gefordert: Es muss endlich einen Stopp aller Emissionen geben.

Und das geht. 80 % aller Klimagasemissionen sind verbunden mit der Nutzung der schmutzigen Rohstoffe Erdöl, Erdgas, Kohle und auch Uran für die Atomenergie. Diese Nutzung der fossilen und atomaren Rohstoffe muss vollständig beendet werden und alle Energie zu 100% nur aus Erneuerbaren Energien gewonnen werden.

Alle Techniken dafür sind heute vorhanden. Statt Strom aus Kohle und Erdgaskraftwerken können wir CO2-freien Strom aus Windrädern, Solaranlagen, Biogas, Wasserkraft- und Erdwärme produzieren. Mit diesem Ökostrom können wir Elektroautos fahren und auch unsere Häuser beheizen. Wir von der Energy Watch Group haben zusammen mit der finnischen Uni Lappeenranta  nachgewiesen, dass dies weltweit möglich ist und sogar kostengünstiger als die schmutzigen Energien. Auch die EWG ist der Wissenschaftler-Initiative Scientists for Future beigetreten, um eure Schulstreiks zu unterstützen.

Gleichzeitig können wir viel Kohlenstoff wieder aus der Atmosphäre entnehmen, wenn wir viel Grün in unseren Städte, Dörfer und Landschaften bringen. D.h.: viele Bäume, Büsche Wiesen und Blumen in unseren Gärten und Landschaften, statt der immer weiter um sich greifenden Steinwüsten; d.h. Aufforstungen und flächendeckende biologische Landwirtschaft, statt Monokulturen, d.h. Fleischkonsum nur aus artgerechter Tierhaltung statt Massentierhaltungen.

Liebe Schülerinnen und Schüler, wir merken auch, dass Klimaschutz und der Erhalt des Planeten nicht nur etwas ist, was Politiker, Manager und Erwachsene angeht. Jeder und jede Einzelne von uns hat Verantwortung. In geringem Maße könnt auch ihr selbst in jugendlichem Alter schon dazu beitragen, indem ihr zum Beispiel nicht mit dem CO2 emittierenden Mofa fahrt, sondern mit Solarstrom aufgeladene elektrische Zweiräder oder mit dem Fahrrad fahrt. Fordert eure Eltern auf, nur noch Ökostrom zu kaufen und selbst auf dem Hausdach zu produzieren, damit ein Elektroauto zu betreiben, statt mit klimaschädlichen Benzinern und Diesel zu fahren.  Auch die Heizung gehört auf Erneuerbare Energien umgestellt.

Das Tolle daran ist, dass Erneuerbare Energien heute billiger sind als die konventionelle Energieversorgung. Möglich gemacht hat das das Erneuerbare-Energien-Gesetz, das ich 1999 entworfen hatte und welches im Jahre 2000 der Deutsche Bundestag verabschiedete. Dies hat die weltweite Revolution für Erneuerbare Energien angestoßen, womit heute Klimaschutz sogar kostengünstiger ist, als Klimazerstörung mit fossilen Energien. Es gibt heute keinen vernünftigen Grund mehr den Klimaschutz zu verweigern.

Liebe Schülerinnen und Schüler ich will euch Mut machen, auf dem angefangenen Wege des zivilen Ungehorsams mit den Schülerstreiks weiterzumachen. Die gewaltfreien Streiks unter Mahatma Gandhi in Indien haben zur Freiheit Indiens geführt, der gewaltfreie zivile Ungehorsam angestiftet von Martin Luther King, hat in den USA mehr Gleichberechtigung zwischen Schwarz und Weiß gebracht.

Auch eure Schulstreiks können die Welt bewegen.  Die Menschheit braucht eure jugendliche Stärke, um endlich einen wirksamen Klimaschutz zu schaffen.

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