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09.11.2017

Industrieländer bereiten Kohleausstieg vor

Großbritannien und Kanada geben auf dem Klimagipfel in Bonn den Startschuss für einen weltweiten Kohleausstieg. Nicht dabei ist Deutschland, obwohl selbst Siemens, EnBW und Eon ein Aus für die Kohle fordern. Die Jamaika-Sondierer in Berlin finden: Bis 2030 muss das nicht passieren.

ie Abwicklung der Kohleenergie ist nirgendwo so eindrucksvoll zu verfolgen wie im Mutterland der Industrialisierung. 2006 plante die britische Regierung noch den Bau neuer Kohlekraftwerke. Zwei Jahre später wurde das Klimawandelgesetz verabschiedet, 2012 folgte ein CO2-Mindestpreis von 18 Pfund pro Tonne CO2, als Kohle noch für 40 Prozent der britischen Stromproduktion verantwortlich war.

Fünf Jahre später ist das Ende der Kohleverstromung absehbar. London hat vor zwei Monaten ein endgültiges Ausstiegsdatum festgelegt: den 31. Dezember 2025. "Manchmal ändern sich die Dinge rasend schnell", sagt Steven Mills aus dem britischen Wirtschafts- und Energieministerium.

Eine ähnliche Dynamik hat das kanadische Kohleausstiegsgesetz ausgelöst: Dort will die Regierung nächstes Jahr einen CO2-Preis von zehn kanadischen Dollar einführen, der innerhalb von fünf Jahren auf 50(!) Dollar steigt. Die Stromkonzerne haben umgehend reagiert und vorzeitige Stilllegungen, die Umstellung von Kohle auf Gas und einen massiven Ausbau der erneuerbaren Energien angekündigt. Dabei ist das Ausstiegsdatum noch relativ weit weg: der 31. Dezember 2029.

19 westliche Länder wollen bis 2030 aussteigen

Um dem Ziel einer Welt ohne Kohlestrom näherzukommen, schmiedet Großbritannien zusammen mit Kanada nun eine Allianz. Dazu gehören Länder, die schon einen Fahrplan für einen Kohleausstieg angekündigt haben, aber auch Bundesstaaten und Städte wie Kalifornien, Hawaii, Peking, Delhi oder New York. Ob München, wo soeben die Abschaltung des letzten Kohlekraftwerks bis 2022 beschlossen wurde, sich ebenfalls anschließen wird, ist noch nicht bekannt. Die Allianz wird nächste Woche vorgestellt, wenn die Minister zur Weltklimakonferenz kommen.

Länderkandidaten gibt es aber viele: Neben Großbritannien und Kanada werden viele weitere Industriestaaten bis 2030 aussteigen: Neuseeland (2022),  Frankreich (2023) und Österreich (2025) werden die ersten sein. Im Jahr 2030 folgen dann fünf weitere Länder: die Niederlande, Dänemark, Finnland, Schweden und Portugal. Außerdem haben sieben EU-Staaten sowie die Schweiz, Norwegen und Island schon heute keine Kohlemeiler. Nach aktuellem Stand werden somit mindestens 19 westliche Industrienationen in 13 Jahren keine Kohlekraftwerke mehr haben.

Klar ist aber, dass ein Land nicht dabei sein wird: Deutschland. Noch laufen die Sondierungen für eine "Jamaika"-Koalition. Und während die FDP und Teile der Union am Klimaziel für 2020 rütteln, rücken die Grünen von ihrer Wahlkampfforderung ab, bis 2030 aus der Kohleenergie auszusteigen und ab 2030 keine Diesel- und Benzinfahrzeuge mehr neu zuzulassen.

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Quelle   Der Hintergrund wurde von der Redaktion „KLIMARETTER.INFO“ (Aus Bonn Christian Mihatsch, Benjamin von Brackel und Friederike Meier) 2017 verfasst – das Nachrichten- und Debattenmagazin zu Klima und Energiewende – der Artikel darf nicht ohne Genehmigung von „Klimaretter.info“ (post@klimaretter.info) weiterverbreitet werden! 

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