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17.11.2017

Macron ist der neue Klimapräsident

Der französische Präsident stellt die frühere Klimakanzlerin in den Schatten: Während Merkel vor allem von Konflikten sprach, will Macron in den nächsten Monaten einen europäischen CO2-Preis von 30 Euro pro Tonne einführen. Frankreich habe nur eine Obsession – endlich zu handeln, und zwar sofort.

Die Hoffnungen auf ein Zeichen aus Deutschland in Sachen Kohleausstieg waren groß, aber unrealistisch. Eingezwängt ins enge Korsett der Sondierungen, sprach die Bundeskanzlerin am heutigen Mittwochnachmittag auf dem Klimagipfel in Bonn über "harte Diskussionen" beim Klimaschutz. "Ich weiß, wie schwer das im eigenen Land ist", so Angela Merkel. "Die Industriestaaten müssen einen großen Beitrag leisten", gestand sie ein. "Aber das bringt auch erhebliche Konflikte mit sich, die wir lösen müssen."

Für den deutschen Kohleausstieg, um den in Berlin derzeit bei den "Jamaika"-Sondierungen zwischen CDU, CSU, FDP und Grünen gerungen wird, hatte die Kanzlerin einen Satz übrig: "Auch die Braunkohle muss einen wesentlichen Beitrag leisten – wie genau, das werden wir in den nächsten Tagen diskutieren müssen." Dann sprach Merkel von "sozialen Fragen", Arbeitsplätzen und der "Bezahlbarkeit von Energie". 

Die einst gefeierte Klimakanzlerin überließ Applaus und Lorbeeren des Auditoriums dem französischen Präsidenten Emmanuel Macron: Der preschte nach der ernüchternden Rede der Kanzlerin mit klaren Worten vor. "Wir sind besessen davon, die Treibhausgasemissionen zu reduzieren", erklärte Macron unter tosendem Applaus. Dafür reiche die jüngste Nachbesserung beim Emissionshandel aber kaum aus. Vorher hatte Merkel die Reform noch als Fortschritt gelobt.

"Frankreich will einen CO2-Preis in Europa von 30 Euro pro Tonne", sagte Macron. "Das wird in keinem Land einfach, aber wenn wir das nicht machen, wird sich nichts ändern." Er wolle, dass Europa wieder ein Vorbild werde, und sei dafür auch bereit Zölle zu erheben, um andere Länder abzustrafen, die nicht mitmachen wollen. "Wenn wir so weitermachen, dann akzeptieren wir, dass Teile der Bevölkerungsgruppen, die hier vertreten sind, einfach verschwinden – dazu sind wir nicht bereit", so die Mahnung des französischen Präsidenten.

Macron stellte auch klar, dass er sofort Erfolge sehen will. "Unser Planungshorizont ist: jetzt." Dem stand Merkels laues Versprechen gegenüber: "Wir in Deutschland werden uns bemühen."

"Wir sind enttäuscht von Merkel"

Doch Frankreich hat es in Sachen Kohle leichter als Deutschland. Die verbleibenden Kohlekraftwerke bis 2021 zu schließen fällt dem Land nicht schwer, dessen Energieversorgung noch immer zu 80 Prozent aus Atomkraft kommt. Und auch hier stellte Macron klar: "Priorität haben die fossilen Emissionen, dann können wir über alles andere reden."

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Quelle   Der Hintergrund wurde von der Redaktion „KLIMARETTER.INFO“ (Aus Bonn Susanne Götze und Christian Mihatsch) 2017 verfasst – das Nachrichten- und Debattenmagazin zu Klima und Energiewende – der Artikel darf nicht ohne Genehmigung von „Klimaretter.info“ (post@klimaretter.info) weiterverbreitet werden!  D

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