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11.09.2018

Oxfam: Inkohärente Politik Deutschlands trägt zum Hunger bei

UN Welternährungsbericht: Laut Vereinten Nationen ist die Zahl der Hungernden fast genauso hoch wie vor zehn Jahren, Oxfam fordert Politikkohärenz.

Armut, Umweltzerstörung sowie Krisen und Konflikte sind die Haupttreiber von Hunger – und sie sind menschengemacht. Dies betont die Nothilfe- und Entwicklungs­organisation Oxfam anlässlich des heute veröffentlichten Welternährungsberichts der Vereinten Nationen. Fehlgeleitete Politiken der Bundesregierung wie die Kohle- und Handelspolitik tragen zum Hunger in armen Ländern bei. Deswegen fordert Oxfam die Bundesregierung auf, die Auswirkung deutscher bzw. europäischer Politiken auf Hunger in armen Ländern zu analysieren, Kohärenz zu gewährleisten und die dafür notwendigen Kurskorrekturen einzuleiten.

Nach Angaben der Vereinten Nationen ist die Zahl der Hungernden im Jahr 2017 im zweiten Jahr in Folge gestiegen. Mit 821 Millionen Menschen ist die Zahl der Hungernden fast so hoch wie vor zehn Jahren. Als eine der Hauptursachen für die Nahrungsmittelkrisen werden die „komplexeren, häufigeren und stärkeren Klimaextreme“ genannt. „Bäuerinnen verlieren aufgrund von Klimaextremen ihre Ernte, Viehhalter ihre Tiere. Wir müssen die Ursachen von Hunger und Elend angehen“, erklärt Oxfams Agrarexpertin Marita Wiggerthale.  

Kampf gegen Hunger funktioniert nur mit kohärenter Politik

 „Bei der politischen Diskussion gerät aus dem Blick, dass Deutschland zur Entstehung von Hunger beiträgt“, so Wiggerthale. Dies geschieht auf mehreren Ebenen, beispielsweise mit einer Agrar- und Handelspolitik, die  kleinbäuerliche Produzenten in armen Ländern vom Markt drängt und ihre Lebensgrundlagen bedroht; mit einer Agrospritpolitik, die zu Landgrabbing führt und die verfügbare Fläche für die Nahrungsmittelproduktion verringert und mit einer Kohlepolitik, die den Klimawandel anheizt und zu Ernte- und Einkommensverlusten von kleinbäuerlichen Betrieben in armen Ländern führt.

„Die Bundesregierung missachtet systematisch das Gebot, mit den eigenen Politiken nicht die Ziele der Entwicklungszusammenarbeit zu untergraben“, kritisiert Wiggerthale. „Dieses Gebot der Politikkohärenz ist in den Europäischen Verträgen verankert, die Bundesregierung ist damit verpflichtet, das Recht auf Nahrung zu gewährleisten und ihre Politiken konsequent an der Hungerbekämpfung auszurichten. Nur so kann der Hunger bis 2030 beendet werden.“


Hintergrund: 
Artikel 208, (1) AEUV besagt, dass sich die Politik der Union und die Politik der Mitgliedstaaten auf dem Gebiet der Entwicklungszusammenarbeit ergänzen und verstärken sollen. „Hauptziel der Unionspolitik in diesem Bereich ist die Bekämpfung und auf längere Sicht die Beseitigung der Armut. Bei der Durchführung politischer Maßnahmen, die sich auf die Entwicklungsländer auswirken können, trägt die Union den Zielen der Entwicklungszusammenarbeit Rechnung.“

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Quelle   OXFAM 2018

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