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08.07.2018

Schweden zieht Umweltsünder aus dem Verkehr

Das skandinavische Land macht Ernst beim Umwelt- und Klimaschutz und hat eine Strafsteuer für Fahrzeuge mit besonders hohem Verbrauch eingeführt. Auch beim Thema Plastik ist Schweden Vorreiter und verbietet teilweise schädliches Mikroplastik.

Für Schwedens Umwelt- und Klimaaktivisten beginnt der Juli mit guten Nachrichten. Mit gleich zwei Neuerungen beim Kauf von Produkten will die rot-grüne Regierung des Landes Umweltsündern den Kampf ansagen. Seit dem 01. Juli dürfen einige Kosmetika mit Mikroplastik nicht mehr im Handel vertrieben werden. Und auf dem Fahrzeugmarkt werden Käufer von Autos mit besonders hohem Spritverbrauch verstärkt zur Kasse gebeten.

Große SUVs künftig auf dem Abstellgleis?

Bis zu 7.500 Euro Strafsteuer und mehr müssen Käufer von umweltschädlichen Fahrzeugen künftig draufzahlen, wenn sie sich ein neues Auto zulegen wollen. Darunter fallen insbesondere die – bei den Schweden sehr beliebten – SUVs in der Dieselausführung. Im Schnitt werden in Schweden Fahrzeuge verkauft, die deutlich mehr Kohlendioxid ausstoßen, als in der gesamten EU. Ein sogenanntes „Bonus-Malus-System“ soll diesen Trend nun eindämmen und den Kohlendioxidausstoß im Verkehrssektor deutlich verringern.

Denn das neue System bestraft nicht nur, sondern belohnt auch Autofahrer, die sich für ein sparsames oder brennstofffreies Modell entscheiden. Bis zu 6.000 Euro Prämie werden dafür  ausgelobt. "Das Bonus-Malus-System soll den Anteil grüner Autos erhöhen und uns dem Ziel einer Fahrzeugflotte näherbringen, die ohne fossile Brennstoffe auskommt", erklärt die Regierung und hofft, dass sich Autokäufer in Zukunft vor allem der Elektromobilität zuwenden.

Jedoch scheint der Umweltgedanke bei vielen schwedischen Autofahrern bislang nicht angekommen zu sein. Kurz vor Beginn der Strafsteuer stiegen die Käufe dieselbetriebener SUVs sprunghaft an. Die Zulassungen für die umweltschädlichen Karosserien schnellten im Juni um 73 Prozent nach oben.

Mikroplastik: Schweden schneller als die EU

Die schwedische Regierung reagierte bei der neuen Strafsteuer auf Autos vor allem auf den Abgasskandal und strengeren Schadstoffmessungen der Europäischen Union. Und auch beim Thema Mikroplastik geht Schweden im europäischen Vergleich voran. Ein EU-weites Verbot von Mikroplastik steht zwar zur Debatte, die Mitgliedstaaten konnten sich jedoch noch nicht auf einheitliche Regelungen einigen. Der Regierung in Schweden ging ein mögliches Verbot nicht schnell genug und führte dies im Alleingang ein.

Und so sind ebenfalls seit dem 01. Juli in Schweden Kosmetika verboten, die Mikroplastik enthalten. Kosmetik mit reinigender oder scheuernder Wirkung ist oft mit Granulaten aus Mikroplastik angereichert. Diese winzigen Kunststoffteilchen – kleiner als 5 Millimeter – sind biologisch nicht abbaubar, gelangen oft ins Meer und von dort aus über Fische in den Nahrungskreislauf. Auch kann Mikroplastik Schadstoffe binden.

Doch mit dem nun in Kraft getretenen Verbot sind noch nicht alle Kosmetika aus Mikroplastik in schwedischen Märkten verbannt. Händler dürfen noch bis Ende des Jahres Lagerbestände verkaufen. Auch greift das Verbot nur bei sogenannten „rinse-off“-Produkten – Artikel, die direkt nach dem Gebrauch wieder abgewaschen werden. „Leave-on“-Produkte wie Körperlotion oder Haarspray, die auf Haar oder Haut bleiben, dürfen hingegen weiter vertrieben werden.  

Keine positiven Zeichen aus Deutschland

Trotzdem ist Schweden mit dem neuen Mikroplastikverbot weiter als Deutschland. Hierzulande setzt die Regierung lediglich auf eine freiwillige Selbstverpflichtung der Kosmetikindustrie. Ob diese funktioniert, bleibt fragwürdig. Auch auf dem Fahrzeugmarkt scheinen Strafsteuern wie in Schweden eine Utopie zu bleiben, wenn noch nicht einmal beim Dieselskandal die Autoindustrie politisch stärker zur Verantwortung gezogen wird.

Und während der schwedische Autohersteller Volvo das neue Bonus-Malus-System begrüßt und sich verstärkt der Elektromobilität widmen will, glauben deutsche Automobilhersteller weiterhin an eine Zukunft des Diesels

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Quelle   Der Bericht wurde von der Redaktion “energiezukunft“ (mf) 2018 verfasst – der Artikel darf nicht ohne Genehmigung weiterverbreitet werden! | energiezukunft | Heft 24 / Sommer 2018 | "20 Jahre liberalisierter Strommarkt" | Jetzt lesen | Download

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