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07.02.2019

Tierwohlsiegel: „Labelkonzept für Kunden, Tier und Bauern unzureichend“

Artgerechte Tierhaltung erkennen die Kunden am Bio-Siegel

Die Vorstellung der Kriterien für ein staatliches ‚Tierwohllabel‘ kommentiert der Vorsitzende des Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft (BÖLW), Felix Prinz zu Löwenstein:

  • „Klöckners freiwilliges Label ist unzureichend.
  • Nur wenn auf jeder Packung verpflichtend gekennzeichnet ist, wie das Schwein gehalten wurde, haben Verbraucher Klarheit. Und es entsteht mehr Nachfrage nach Fleisch aus artgerechter Tierhaltung, was den Bauern hilft umzustellen. Das zeigt die verpflichtende Eierkennzeichnung deutlich.
  • Entgegen der Aussage von Ministerin Klöckner, das neue Label würde das gesamte Leben der Tiere verbessern, bleibt die Sauenhaltung außen vor. Ansonsten konkretisiert das Label vor allem gesetzliche Mindestvorgaben bei Transport und Schlachtung, die für alle Tiere gelten. Im Wesentlichen soll den Tieren in der niedrigen Stufe lediglich 20 % mehr Platz gegeben werden. Bio-Schweine haben dreimal mehr Platz.
  • Die Vorgaben für das Label müssen noch im Bundestag beraten werden. Wir appellieren ans Parlament, für eine verpflichtende Haltungskennzeichnung zu sorgen – wie beim Ei.
  • Die Kunden erkennen artgerechte Tierhaltung am Bio-Siegel und an den Kennzeichen der Öko-Verbände. Das Bio-Siegel erfasst jedes tierische Produkt und nicht nur Teile des Frischfleischsortiments.
  • Der Bio-Standard kennzeichnet nicht nur die Haltungssysteme. Bio regelt auch, wie mit den Öko-Systemen auf dem Acker umgegangen wird. Bio steht deshalb für artgerechte Haltung von Schwein und Co. ebenso wie es Lebensraum für Hase, Rebhuhn, Schmetterling und Biene sichert.“

Hintergrund

Zwar soll es laut des Labels Regeln geben, nach denen die Tiere je nach Stufe mehr Platz im Vergleich zum gesetzlichen Mindeststandard bekommen. Doch fast alles, was über diese Platzvorgaben hinausgeht, beschreibt keine Verbesserung, sondern ist vor allem lediglich die Konkretisierung der gesetzlichen Mindestanforderungen – zum Beispiel in den Bereichen Schlachtung oder Transport. Die Kriterien, die das ‚Tierwohllabel‘ von einem Haltungslabel unterschieden hätten, hat das Ministerium weitgehend gestrichen.

Im Wesentlichen soll den Tieren in der niedrigen Stufe 20 % mehr Platz gegeben werden. Geplant waren ursprünglich knapp 30 %. Eine Einteilung der Bucht in Bereiche für die Grundbedürfnisse der Tiere wie Ruhen, Koten oder Fressen ist bei der Enge nicht möglich. Bei dieser Haltungsform müssen die Schwänze der Ferkel auch weiterhin abgeschnitten werden, weil die Tiere sich nicht aus dem Weg gehen können – das Kupieren der Schwänze verstößt gegen EU-Recht.

Wo Bio besser ist als das neue Label

  • Bio Schweine haben 50 % mehr Platz als in der oberen konventionellen Stufe und dreimal mehr, als der gesetzliche Mindeststandard vorgibt.
  • Bio sorgt nicht nur für artgerechte Tierhaltung im Stall und auf der Weide. Bio sorgt auch dafür, dass Feldhase, Wachtel und Rebhuhn Lebensraum haben. Denn Bio-Tiere werden mit Bio-Futter gefüttert, dass ohne chemisch-synthetische Pestizide und Kunst-Dünger angebaut wird und so auch Wildtiere eine Chance haben. Bio-Bauern dürfen nur so viele Tiere halten, wie die Böden gut vertragen. So leistet Bio nicht nur einen wichtigen Beitrag zur artgerechten Tierhaltung, sondern stärk Artenvielfalt, schützt Böden und hält Wasser sauber.
  • Bio-Ferkel sind deutlich länger bei der Muttersau als es beim Tierwohllabel angelegt ist.
  • Bei Bio-Tieren und auf dem Bio-Acker ist Gentechnik tabu.
  • Artgerechte Haltungsbedingungen sind entscheidend, damit der Antibiotikaeinsatz massiv begrenzt werden kann.
  • Bio umfasst die gesamte Produktionskette vom Futter bis zur Wurst. So sind bei der Bio-Wurst Farbstoffe und Phosphate verboten.

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